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Mehr InformationenBad Honnef. Dass Armin Laschet Humor hat, ist für Marie-Agnes Strack-Zimmermann eine seiner besonderen Eigenschaften. In Zeiten verbreiteter schlechter Laune sei das durchaus bemerkenswert, sagte die FDP-Politikerin Freitagabend bei der Übergabe der Aalkönigswürde im Forum der St. Josef Gesamtschule. Auch Laschets gescheiterte Kanzlerkandidatur 2021 ließ sie nicht aus. An dessen Lachen allein habe es schließlich nicht gelegen. CSU-Chef Markus Söder habe ihm den Wahlkampf ebenfalls schwer gemacht.
Doch Strack-Zimmermann blickte nicht nur auf die Bundespolitik. Ein wichtiges Anliegen ihrer Regentschaft war die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Mit dem Projekt „Medienkompetenz für Bad Honnef – Fit für die digitale Welt“ setzte sie sich dafür ein, junge Menschen für Fake News, Desinformation und Cybermobbing zu sensibilisieren. Strack- Zimmermann: „Junge Menschen tummeln sich bei TikTok, Instagram und YouTube, um im Bilde zu bleiben, wie die Aale im Rhein. Nur dass ihnen keine Flusskrebse, Wollhandkrabben, Süßwassermuscheln, Schnecken und Flohkrebse entgegenkommen, sondern Fake News, Verschwörungstheorien, dämliche Challenges, Fake Gurus, Clickbait.“
Von pauschalen Verboten hält sie wenig. Entscheidend sei, den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Davon könnten durchaus auch Erwachsene noch etwas lernen.

5000 junge Aale im Rhein ausgesetzt
Ein besonderer Moment ihrer Amtszeit war der 4. Mai auf der Insel Grafenwerth. Gemeinsam mit Vertretern des Aalkönigkomitees, des Landesfischereiverbandes und Bürgermeister Philipp Herzog setzte Strack-Zimmermann dort 5000 junge Aale im Rhein aus.
Bis zur Sargassosee im westlichen Atlantik legen die Tiere Tausende Kilometer zurück. Dass ein Aal seinem Namen alle Ehre macht, wenn man ihn festhalten will, konnte die scheidende Aalkönigin aus eigener Anschauung berichten: Die Tiere seien ausgesprochen aalglatt. Auf ihrer langen Wanderung lauerten zudem Gefahren, etwa durch Wasserkraftanlagen.
Daraus schlug Strack-Zimmermann eine Brücke zu ihrem Nachfolger. Laschet sei ein überzeugter Europäer. Mit einem Augenzwinkern spannte sie den Bogen vom Aal im Rhein über Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron bis zur europäischen Zusammenarbeit. Ihre Botschaft zum Abschied: Trotz unterschiedlicher politischer Ämter müsse man miteinander im Gespräch bleiben – notfalls bei einem Kölsch oder Alt.

Laschet erinnert an Adenauer
Der neue Aalkönig machte deutlich, dass er seine Aufgabe nicht allein als gesellschaftlichen Ehrentitel versteht. In seiner Rede ging es um die Geschichte der Region, die Bedeutung des Ehrenamts und Europas Verantwortung angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
Besonders ausführlich widmete sich Laschet Konrad Adenauer, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird. Zwischen Bad Honnef, dem Petersberg und Bonn sei deutsche Geschichte geschrieben worden. Laschet erinnerte an die Begegnungen Adolf Hitlers mit dem britischen Premierminister Neville Chamberlain im Jahr 1938 und an Adenauers Gespräche mit den Alliierten auf dem Petersberg elf Jahre später.
Aus der Geschichte leitete er einen Auftrag für die Gegenwart ab. Europa müsse selbst Verantwortung übernehmen und eigene diplomatische Initiativen entwickeln, ohne dabei die Unterstützung der Ukraine aufzugeben.
Als Beispiel für Adenauers politischen Pragmatismus verwies Laschet auf dessen Reise in die Sowjetunion 1955. Sie führte zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und zur Rückkehr deutscher Kriegsgefangener.
Mindestens ebenso wichtig war dem neuen Aalkönig der gesellschaftliche Zusammenhalt. Vereine, Kirchengemeinden und ehrenamtliches Engagement brächten Menschen zusammen. Laschet warnte vor Vereinsamung und Radikalisierung in digitalen Räumen, in denen sich Menschen häufig nur noch gegenseitig in ihren Ansichten bestärkten, statt miteinander zu diskutieren.
Auch die Gastarbeitergeneration und ihre Nachkommen kamen zur Sprache. Integration gelinge dort, wo Menschen eine Heimat fänden, sich einbringen könnten und gemeinsame Traditionen entstünden.
Zum Schluss wurde es rheinisch. Laschet schwärmte vom Rhein, der Drachenfelsbahn und dem Wein vom Weingut Pieper. Sollte sich die politische Atmosphäre in Berlin nicht bessern, „dann werde ich den Antrag einbringen, dass wir den ganzen Spaß da beenden und zurück nach Bonn kommen“. Laschet: „Es ist etwas vollkommen anderes, ob du am Wochenende durch den Tiergarten läufst oder mit der Drachenfelsbahn hier die Berge erklimmst, ob du Wein vom Weingut Pieper trinkst statt Champagner im Adlon und vor allem den Rhein siehst und gelassener wirst, als wenn du den Berliner Fernsehturm siehst.“

Musik und kölsche Töne
Moderator Thomas Heyer führte durch den Abend, Ernst Nellessen begleitete das Programm musikalisch mit seinem Saxofon. Für besondere musikalische Akzente sorgten die Musiker der Gruppe „De Knippschaff“ mit Bömmel Lückerath und Kafi Biermann. Als der Bläck-Fööss-Song „Unsere Stammbaum“ erklang, sangen und schunkelten zahlreiche Gäste mit.
Seit 2003 wird in Bad Honnef jährlich ein Aalkönig gekrönt. Die Erlöse der Aalkönigfeste fließen in soziale Projekte der Region, die das Komitee gemeinsam mit Vereinen und Institutionen umsetzt. Mehr als eine Million Euro sind auf diese Weise bereits zusammengekommen. Auch der Erhalt des Aalschokkers Aranka, eines Wahrzeichens der Stadt, wird durch das Fest unterstützt.









