Bad Honnef-Rommersdorf. Es gibt Orte, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlen. Der Göttchesplatz in Bad Honnef gehört dazu. Zwischen historischen Häusern, dem Krankenhaus und dem Kindergarten ist ein Treffpunkt entstanden, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Kinder spielen, Musik erklingt und Nachbarn zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen. Dass sich der Platz heute so präsentiert, war Anfang 2025 keineswegs absehbar.
Damals drohte ihm eine ganz andere Zukunft: Die Stadt plante den Bau eines Parkhauses. Bei Anwohnerinnen und Anwohnern regte sich Widerstand. Aus der kritischen Begleitung der Planungen entwickelte sich schließlich die Bürgerinitiative Göttchesplatz. Doch die Beteiligten wollten nicht einfach nur gegen etwas sein. Sie wollten eine Alternative schaffen.
„Wir haben von Anfang an gedacht, wir wollen eigentlich nicht gegen etwas sein, sondern für etwas“, erzählt Anthea Peters im Podcast von Honnef heute. Bei den Gesprächen mit Menschen aus der Straße und dem Viertel sei schnell deutlich geworden, was fehlte: ein Platz, an dem sich die Nachbarschaft begegnen kann.
Anna Fischer sieht dafür beste Voraussetzungen. Der Göttchesplatz sei ein historischer Ort mit großem Potenzial. Alte Fotografien zeigten, wie grün und einladend er früher einmal gewesen sei. Zusammen mit den denkmalgeschützten Häusern, dem Krankenhaus und dem Kindergarten bilde er ein besonderes Ensemble. Auch mit der Cura, die das Hochhaus am Platz betreibt, habe die Initiative gesprochen. Dort sei man ebenfalls der Auffassung, dass es wieder mehr Grün auf dem Platz brauche.
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Aus Pflanzkästen wurde ein Gemeinschaftsprojekt
Die ersten sichtbaren Veränderungen ließen nicht lange auf sich warten. Mit Unterstützung der ehrenamtlichen Holzwerkstatt „Holzdrache“ entstanden Pflanzkästen aus Paletten. Anschließend sammelte die Initiative Spenden, um die Kästen zu bepflanzen.
Für die Pflege wurden Patenschaften organisiert. Die Grünen übernahmen eine Patenschaft, ebenso die Kindergärten Villa Kunterbunt und St. Johannes, die sich jeweils um Pflanzkästen kümmern.
Es blieb nicht bei der Begrünung. Zwei ehemalige Parkplätze wurden in Sitzgelegenheiten und kleine Spielbereiche umgewandelt. Der Platz bekam damit eine neue Funktion – und wurde zunehmend angenommen.
„Das wird schon echt viel genutzt“, berichtet Peters. Besonders freut sie, dass nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner kommen. Auch Beschäftigte und Patienten des Krankenhauses nutzen den Platz. Bei einer Veranstaltung seien sogar Patienten aus dem Krankenhaus nach draußen gekommen, weil sie die Musik gehört hatten. Sie hätten die Konzerte vor Ort mitverfolgt.
Musik bringt Menschen zusammen
Dass der Göttchesplatz inzwischen auch als kleine Open-Air-Bühne funktioniert, war zunächst nicht selbstverständlich. 2025 gab es das erste Konzert. Die Resonanz war so positiv, dass die Initiative in diesem Jahr bereits zwei Konzerte veranstaltete.
Die musikalischen Kontakte ergaben sich unter anderem über Peters‘ Mann, der selbst Musiker ist und verschiedene Bands und Projekte kennt. So gelang es, hochkarätige musikalische Angebote auf den Platz zu holen.
Die Konzerte haben offenbar eine besondere Wirkung. Peters erzählt von einem Nachbarn, der nach einer Veranstaltung selbst hergestellten Honig als Dankeschön vorbeibrachte. Ein älterer Herr habe während eines Konzerts darum gebeten, seine Frau anzurufen, damit auch sie noch dazukommen könne.
Es sind solche Begegnungen, die den Charakter des Projekts ausmachen. Menschen, die sich vorher nicht kannten, kommen miteinander ins Gespräch. Andere schauen spontan auf ein Bier vorbei und bleiben länger als geplant.
Auch Kinder gehören selbstverständlich dazu. Viele Familien aus dem Viertel sind bei den Veranstaltungen dabei. Fischer erzählt, wie begeistert ihre Tochter die Musik erlebt und wie schön es für Kinder sei, Künstler unmittelbar kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Peters hat dafür ein treffendes Bild gefunden: „Wir haben hier unser eigenes Bullerbü kreiert für unser Viertel.“ Tatsächlich sei es bereichernd, dass Kinder auf der Straße miteinander spielen und sich eine Gemeinschaft entwickelt habe.
Viel Engagement, wenig Geld
Ein solches Projekt entsteht allerdings nicht von allein. Die Initiative arbeitet ohne eigenes Budget. Das sei durchaus eine Herausforderung, räumt Fischer ein. Vieles werde aus eigener Tasche finanziert. Gleichzeitig habe man erlebt, wie bereitwillig Menschen und Unternehmen helfen, wenn sie von der Idee überzeugt sind. Es gebe Sachspenden, Unterstützung bei der Gestaltung und kostenlose Beratung.
Auch die Stadt Bad Honnef spiele eine wichtige Rolle. Zwar gebe es keine finanzielle Förderung, dafür aber praktische Unterstützung durch den Bauhof. Dieser helfe beispielsweise beim Absperren des Platzes, befülle den Wassertank und stehe mit Rat und Tat zur Seite. Auch beim Bürgermeister und beim Ersten Beigeordneten habe die Initiative stets offene Ohren gefunden.
Darüber hinaus versucht die Bürgerinitiative, Kinder und Jugendliche einzubeziehen. Gemeinsam mit der Löwenburgschule und der dortigen OGS entstanden Insektenhotels, die anschließend auf dem Göttchesplatz aufgehängt wurden. Auch bei der Pflege der Beete gab es bereits Kontakte zu Kindergruppen.
Für Fischer ist das Engagement mehr als die sichtbare Verschönerung eines Platzes. Es gehe darum, etwas für das eigene Viertel zu schaffen und dabei selbst zu erleben, dass man etwas bewirken könne. Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Stimmungen häufig ins Negative kippten, sei es wichtig, positive Orte zu schaffen.
Neujahrsempfang statt Weihnachtsstress
Auch für die kommenden Monate hat die Initiative einiges vor. Eine Idee ist, den Göttchesplatz weihnachtlich zu schmücken. Ob sich das zeitlich und finanziell realisieren lässt, ist allerdings noch offen.
Fest eingeplant ist dagegen ein Neujahrsempfang: Am 16. Januar 2027 möchte die Bürgerinitiative gemeinsam mit der Nachbarschaft auf dem Göttchesplatz das neue Jahr begrüßen. Eine genaue Uhrzeit steht noch nicht fest.
Im Frühjahr soll es wieder eine Pflanzaktion geben. Die bisherigen Erfahrungen stimmen die Organisatorinnen optimistisch. Bei der vergangenen Aktion hätten sich auch zufällig vorbeikommende Passanten beteiligt. Das Wort „Bullerbü“ sei dabei nicht nur von der Initiative selbst gefallen, sondern auch von außen.
Für das kommende Jahr sind außerdem mindestens zwei weitere Konzerte geplant. Auch das erstmals veranstaltete Dîner en Couleurs soll wiederholt werden. Die Band „Femmes Vokal“, die in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal auf dem Platz spielte, möchte die Initiative gerne erneut gewinnen. Wer beim zweiten Konzert auftritt, soll noch eine Überraschung bleiben.
Eine Skulptur für den Göttchesplatz
Eine weitere Bereicherung könnte Kunst werden. Die Initiative hat eine Skulptur geschenkt bekommen, die ein Bildhauer – Peters‘ Onkel – geschaffen hat. Wenn alles klappt, soll sie im kommenden Jahr auf dem Platz aufgestellt werden.
Und möglicherweise endet das Engagement nicht an den Grenzen des Platzes. Die Initiative hat bereits Ideen entwickelt, wie sie auch das Umfeld der Rommersdorfer Straße einbeziehen könnte. Gerade angesichts der zunehmenden Hitze und des Mangels an Grünflächen wäre das ein naheliegender Ansatz. Ob und in welcher Form sich das umsetzen lässt, müsse allerdings noch mit der Politik abgestimmt werden.
Der Göttchesplatz zeigt, was entstehen kann, wenn Bürgerinnen und Bürger nicht darauf warten, dass andere etwas verändern. Aus einem Konflikt ist ein Projekt gewachsen, das Grün, Kultur und Nachbarschaft miteinander verbindet. Ein Parkhaus steht dort nicht. Dafür gibt es inzwischen einen Ort, an dem Menschen gerne zusammenkommen. Und das ist vermutlich mehr, als sich die Initiatorinnen zu Beginn selbst vorgestellt hatten.
Podcast: In der aktuellen Ausgabe von „Honnef heute“ berichten Anna Fischer und Anthea Peters über die Entstehung der Bürgerinitiative, ihre bisherigen Erfolge und die Pläne für das kommende Jahr.
(red)
18.6.2025
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