Bad Honnef. Wer durch die Innenstadt von Bad Honnef geht, begegnet der Geschichte auf Schritt und Tritt. Gründerzeitvillen, alte Geschäftshäuser und historische Straßenzüge erinnern an die Zeit, als Honnef als Kurstadt Besucher aus dem In- und Ausland anzog. In Rhöndorf und Rommersdorf prägen Fachwerkhäuser das Ortsbild. Doch die Geschichte der Stadt beginnt lange vor dieser Blütezeit.
- Erste Erwähnung im Jahr 922
- Kriege und Zerstörungen prägten die Stadt
- Der lange Weg zur Selbstständigkeit
- Eisenbahn, Villen und der Aufstieg zum „Nizza am Rhein“
- Vom Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus
- Bad Honnef und die junge Bundesrepublik
- Aegidienberg wird Teil der Stadt
- Geschichte vor der eigenen Haustür entdecken
Erste Erwähnung im Jahr 922
Die erste urkundliche Erwähnung Honnefs datiert auf das Jahr 922. Damals wurde der Ort als „Hunapha“ bezeichnet. Die Siedlungsgeschichte reicht noch weiter zurück: Funde fränkischer Gräber, die 1871 auf dem Markt und in der Nähe der Kirche entdeckt wurden, belegen die frühe Besiedlung der Region.
Über die Herkunft des Namens Honnef gibt es unterschiedliche Erklärungen. Eine eindeutige Deutung ist nicht gesichert. Die städtische Geschichtsdarstellung verweist auf verschiedene sprachliche Herleitungen, darunter einen möglichen Zusammenhang mit einer Waldsiedlung.
Schon im Mittelalter war Honnef ein bedeutender Ort innerhalb wechselnder Herrschaftsgebiete. Der Weinbau machte das Gebiet für Adelige und kirchliche Einrichtungen interessant. Besitzrechte lagen unter anderem bei der Kölner Kirche und verschiedenen Klöstern und Stiften.
Im Jahr 1108 ging die Herrschaft an die Grafen von Sayn über, die auch die Löwenburg errichten ließen. Honnef wurde zum Sitz der Herrschaft und zu einem wichtigen Gerichtsort.
Kriege und Zerstörungen prägten die Stadt
Die Geschichte Honnefs war keineswegs eine geradlinige Entwicklung. Unterschiedliche Herrschaftsansprüche führten zu Konflikten, und immer wieder wurde der Ort von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen.
Im 16. Jahrhundert wurden bei Kämpfen zwischen Herzog Wilhelm IV. und Kaiser Karl V. zahlreiche Häuser zerstört. Auch während des Truchsessischen Krieges litt die Bevölkerung unter Verwüstungen und den Folgen militärischer Einquartierungen.
Besonders schwer traf Honnef die Einnahme durch französische Truppen am 24. Mai 1689. Der Ort wurde geplündert und niedergebrannt. Die wirtschaftlichen Folgen waren erheblich. Bereits zuvor hatten Kriege, der Wegzug von Winzerfamilien und steigende Abgaben die Bevölkerung belastet.
Der Weinbau blieb dennoch über lange Zeit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Noch gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein erheblicher Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche als Rebland bewirtschaftet.
Der lange Weg zur Selbstständigkeit
Mit der Neuordnung der politischen Verhältnisse zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor Honnef zunächst einen Teil seiner kommunalen Eigenständigkeit. Im Zuge der französisch geprägten Verwaltungsreformen wurde der Ort der Mairie Königswinter unterstellt.
Nach dem Wiener Kongress 1815 kam das Rheinland an Preußen. Auch unter der neuen Herrschaft blieb Honnef zunächst Teil der Bürgermeisterei Königswinter.
Die Entwicklung zur selbstständigen Stadt zog sich über Jahrzehnte hin. 1845/46 erhielt die Gemeinde einen eigenen Gemeinderat und einen Vorsteher. 1849 folgte eine eigene Postexpedition, 1852 ein eigenes Standesamt.
Den entscheidenden Schritt brachte das Jahr 1862: Honnef erhielt das Stadtrecht. Zum 1. Januar 1863 schied die Stadt aus der Bürgermeisterei Königswinter aus und wurde eine eigenständige Bürgermeisterei.
Eisenbahn, Villen und der Aufstieg zum „Nizza am Rhein“
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich Honnef grundlegend. Neue Straßenverbindungen und der Anschluss an die rechtsrheinische Eisenbahnstrecke verbesserten die Erreichbarkeit und begünstigten die wirtschaftliche Entwicklung.
Zwischen 1871 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs erlebte die Stadt einen außergewöhnlichen Aufschwung. Besonders deutlich wurde dieser ab 1898: Bis 1905 entstanden nach der städtischen Darstellung rund 250 Neubauten. Bisher voneinander getrennte Siedlungsbereiche wuchsen zunehmend zusammen.
Im Zentrum entstanden repräsentative Villen und Geschäftshäuser, von denen viele bis heute das Stadtbild bestimmen. Auch die medizinische und touristische Bedeutung nahm zu. 1891/92 wurde auf der Augusthöhe die Lungenklinik Hohenhonnef errichtet.
Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Kurort war die Erbohrung der Mineralquelle „Drachenquelle“ am 9. Februar 1897. Bereits im folgenden Jahr entstand ein Badehaus. 1901 kaufte die Stadt die zentral gelegene Villa Haarhaus und baute sie zum Kurhaus um.
Honnef entwickelte sich zu einem Ort, der mit seinem milden Klima, seiner Rheinlage und der Nähe zum Siebengebirge um Gäste warb. Der Beiname „Nizza am Rhein“ brachte dieses Selbstverständnis zum Ausdruck. Auch die schwedische Königin Sophie nutzte zwischen 1892 und 1906 wiederholt einen Wohnsitz in Honnef.
Die bis heute sichtbare Architektur der Innenstadt ist zu einem großen Teil ein Erbe dieser Epoche.
Vom Ersten Weltkrieg bis zum Nationalsozialismus
Nach dem Ende des Kaiserreichs geriet auch Honnef in die politischen und wirtschaftlichen Krisen der Weimarer Republik. 1923 besetzten Separatisten, die eine „Rheinische Republik“ anstrebten, die Stadt. Dabei wurde unter anderem der Kursaal verwüstet.
In der Zeit des Nationalsozialismus versuchte die Stadtverwaltung, neue Einrichtungen nach Honnef zu holen. 1934 wurde die Gauführerschule des Gaues Köln-Aachen in das sogenannte Feuerschlößchen in Bondorf verlegt.
Gleichzeitig begann ein besonders dunkles Kapitel der Stadtgeschichte. Im November 1938 wurde die Synagoge an der Linzer Straße in Brand gesteckt und zerstört. Jüdische Einwohner emigrierten, andere wurden später gezwungen, ihre Wohnungen aufzugeben und in eigens dafür bestimmten Häusern zu leben.
Die Geschichte Bad Honnefs umfasst damit nicht nur den Aufstieg zum angesehenen Kurort, sondern auch Ausgrenzung, Verfolgung und die Zerstörung jüdischen Lebens.
Bad Honnef und die junge Bundesrepublik
Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Honnef durch die Nähe zu Bonn eine besondere Bedeutung. Als Bonn 1949 zum vorläufigen Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland bestimmt wurde, gehörte Honnef zur sogenannten Hauptstadtregion.
Von 1949 bis 1955 lag die Stadt innerhalb der Enklave Bonn, eines unter alliierter Aufsicht stehenden Sondergebiets rund um den Regierungssitz. Für Mitglieder der britischen Hohen Kommission entstanden in Honnef und Rhöndorf 14 Einzelhäuser mit großen Grundstücken.
Auch die politische Geschichte der Bundesrepublik ist eng mit der Stadt verbunden. Konrad Adenauer war 1935 nach Rhöndorf gezogen. 1949 fand in seinem Wohnhaus die sogenannte Rhöndorfer Konferenz statt. Sie gilt als wichtiger Schritt bei der politischen Formierung der späteren Bundesregierung.
Nach Adenauers Tod 1967 wurde sein Haus zunehmend zu einem Erinnerungsort. Heute zieht die Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus Besucher nach Rhöndorf.
Eine weitere Veränderung erfolgte 1960: Aufgrund eines Beschlusses der nordrhein-westfälischen Landesregierung erhielt Honnef den Zusatz „Bad“. Damit wurde die Bedeutung der Kurtradition auch offiziell im Stadtnamen sichtbar.
Aegidienberg wird Teil der Stadt
Auch die heutige Stadtstruktur ist Ergebnis politischer Entscheidungen. Der Ortsteil Aegidienberg wurde 1969 in Bad Honnef eingegliedert. Damit kamen die auf der Höhe gelegenen Ortschaften zum Stadtgebiet hinzu, die sich in ihrer Siedlungsstruktur und Geschichte deutlich von der Innenstadt und den rheinnahen Ortsteilen unterscheiden.
Bad Honnef ist deshalb nicht nur eine Stadt am Rhein. Zu ihr gehören unterschiedliche historische Siedlungsräume, deren Entwicklung jeweils eigene Spuren hinterlassen hat.
Geschichte vor der eigenen Haustür entdecken
Wie vielfältig diese Vergangenheit ist, lässt sich auf dem Geschichtsweg Bad Honnef nachvollziehen. Er führt durch die Ortsteile und macht mit Informationstafeln auf historische Gebäude, Plätze, Straßen und landschaftliche Besonderheiten aufmerksam.
Für Rhöndorf, Rommersdorf-Bondorf, die Stadtmitte, Selhof und Aegidienberg gibt es eigene Faltpläne mit den jeweiligen Stationen. Der Geschichtsweg ist ein gemeinsames Projekt der Bürgerstiftung Bad Honnef, des Heimat- und Geschichtsvereins „Herrschaft Löwenburg“ und des Kultur- und Verkehrsvereins Bad Honnef.
Neben Adenauer erinnern weitere Persönlichkeiten an die Geschichte der Stadt. Der Publizist Peter Scholl-Latour lebte bis zu seinem Tod 2014 in Bad Honnef. Der Schriftsteller Heinz G. Konsalik schrieb zahlreiche Romane in Aegidienberg. Der FDP-Politiker Guido Westerwelle wurde in Bad Honnef geboren und verbrachte dort seine ersten Lebensjahre.
Die Geschichte Bad Honnefs ist damit weit mehr als eine Abfolge historischer Daten. Sie erklärt, warum die Stadt heute so aussieht, wie sie aussieht: geprägt von der Rheinlage, dem Weinbau, der Kurtradition, den politischen Umbrüchen und ihrer besonderen Rolle in der Geschichte der Bundesrepublik.
Quelle und weiterführende Informationen: Stadt Bad Honnef, „Die Geschichte Bad Honnefs“: https://staging.meinbadhonnef.de/leben-mensch-sein/die-geschichte-bad-honnefs/









