Bad Honnef. Es ist eine Erfahrung, die viele Honnefer immer wieder machen – und über die anschließend gerne diskutiert wird: Über Bonn ziehen dunkle Wolken, irgendwo im Siebengebirge geht ein kräftiger Schauer nieder, vielleicht regnet es sogar nur wenige Kilometer entfernt in Strömen. Und in Bad Honnef? Dort bleibt es trocken oder die Sonne kommt schon wieder durch die Wolken.
Ein bisschen Lokalpatriotismus steckt bei der Behauptung, in Bad Honnef sei das Wetter grundsätzlich besser als anderswo, sicherlich dabei. Ganz aus der Luft gegriffen ist das Gefühl allerdings nicht. Die Stadt liegt in einer besonderen Landschaft zwischen Rhein und Siebengebirge. Die Stadt Bad Honnef selbst bezeichnet ihre Lage als bevorzugt und verweist auf das milde Klima der ehemaligen Kurstadt. Auch der Naturpark Siebengebirge spricht von einer klimatisch begünstigten Lage.
Das Siebengebirge spielt dabei eine wichtige Rolle. Berge und Höhenzüge beeinflussen Luftströmungen, Temperaturen und die Bewegung von Kaltluft. Der Deutsche Wetterdienst hat in Untersuchungen für den Raum Bonn ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die unterschiedlichen Höhen und Geländeformen der Region kleinräumige Klimaprozesse beeinflussen. Das erklärt zwar nicht jeden Regenschauer, aber es erklärt, warum das Wetter zwischen Rheintal, Siebengebirge und den höher gelegenen Gebieten durchaus unterschiedlich ausfallen kann.

Besonders deutlich wird das innerhalb des eigenen Stadtgebiets. Wer morgens in Aegidienberg bei frischer Luft und Wind unterwegs ist und wenige Stunden später in der Bad Honnefer Innenstadt oder in Rhöndorf deutlich angenehmere Temperaturen erlebt, kennt den Unterschied. Zwischen den tiefer gelegenen Bereichen am Rhein und den Höhenlagen bestehen erhebliche Höhenunterschiede – und die machen sich natürlich auch beim Wetter bemerkbar.
Dazu kommt der Rhein. Große Wasserflächen reagieren deutlich langsamer auf Temperaturveränderungen als das umliegende Land und können dadurch zu einem ausgeglicheneren Temperaturverlauf beitragen. Der Rhein ist also keine riesige Klimaanlage, die Bad Honnef zuverlässig vor Hitze, Kälte oder Regen schützt. Aber er gehört zweifellos zu den Faktoren, die das Klima im Rheintal mitprägen.
Dass Bad Honnef seit Generationen als klimatisch begünstigter Ort gilt, ist übrigens keine Erfindung moderner Tourismuswerbung. Das milde Klima spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt als Kurort. Bad Honnef wurde sogar als „Nizza am Rhein“ bekannt – ein Beiname, den die Stadt bis heute verwendet. Die geschützte Lage zwischen Rhein und Siebengebirge, das vergleichsweise milde Klima und die landschaftliche Situation waren wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung des Kurwesens.
Besonders spannend wird es bei Schauern und Gewittern. Die können ausgesprochen kleinräumig auftreten. Während in Bonn ein kräftiger Schauer niedergeht, kann es in Bad Honnef trocken bleiben – oder natürlich genau umgekehrt. Schon wenige Kilometer Entfernung können darüber entscheiden, ob der Grillabend ins Wasser fällt oder ob anschließend jemand sagt: „Bei uns hat es doch überhaupt nicht geregnet.“
Und damit wären wir bei zwei Veranstaltungen, für die ein freundlicher Blick zum Himmel besonders willkommen ist: Musik im Pavillon heute Abend (19.30 Uhr) auf dem Rhöndorfer Ziepchensplatz und der Schlemmerabend (ab 16 Uhr) in der Bad Honnefer Innenstadt.

Gerade bei Veranstaltungen unter freiem Himmel wird das berühmte Honnefer Wetter schnell zum Gesprächsthema. Der Ziepchensplatz liegt am Fuß des Siebengebirges, die Innenstadt im Rheintal. Beide Orte gehören damit zu jener besonderen Landschaft, deren Topografie und Lage das lokale Klima beeinflussen können.
Eine Schönwettergarantie gibt es natürlich weder für Rhöndorf noch für die City. Das Siebengebirge ist schließlich keine unsichtbare Regenabwehr und der Rhein kann auch keine Gewitterwolken wegschieben. Aber die klimatisch begünstigte Lage der Region lässt Optimismus zu.
Und nach aktueller Wettervorhersage stehen auch heute wieder sowohl Musik im Pavillon als auch der Schlemmerabend unter einem guten meteorologischen Stern.
Sollte es dann tatsächlich rund um Bad Honnef kräftig regnen, während auf dem Ziepchensplatz die Musik spielt und die Gäste in der Innenstadt bei Speisen und Getränken zusammensitzen, dürfte für viele Honnefer endgültig feststehen, was sie ohnehin schon immer gewusst haben:
Bei uns ist das Wetter eben doch ein bisschen besser.
Zumindest manchmal. Vielleicht. Und hoffentlich genau dann, wenn in Rhöndorf die Musik beginnt und in der City geschlemmt wird.










