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Mehr InformationenDer Bad Honnefer CDU-Abgeordnete Jonathan Grunwald hatte zuvor die Gäste begrüßt.
Bürgermeister Philipp Herzog hatte Wüst in der „Adenauer-Stadt“ begrüßt und die enge Verbindung Bad Honnefs mit dem ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik herausgestellt. 1946, erinnerte Herzog, gründeten ein Zahnarzt, ein Brennereibesitzer, ein Gärtner, drei Schreinermeister und weitere Mitstreiter den CDU-Stadtverband. Die Geschichte der Partei in Bad Honnef sei damit eng mit der politischen Entwicklung der Nachkriegszeit verbunden.
Herzog verwies auf Adenauers Zeit in Rhöndorf und auf die Bedeutung der Region für die Gründung der Bundesrepublik. In Bad Honnef hätten wichtige politische Beratungen stattgefunden. Mit einem augenzwinkernden Zitat aus der Region brachte er die historische Rolle auf den Punkt: Das Grundgesetz sei hier zwar nicht beschlossen, aber ganz sicher begossen worden.
Wüst: Die Nachkriegszeit war alles andere als eine gute alte Zeit
Wüst warnte davor, die Adenauer-Jahre zu verklären. Als Adenauer Bundeskanzler wurde, lagen große Teile Deutschlands in Trümmern. Es fehlte an Nahrung, Baumaterial und Wohnraum, die medizinische Versorgung war schwierig, Millionen Flüchtlinge waren unterwegs. Zugleich war die Demokratie noch längst nicht gefestigt und Deutschland international politisch und moralisch isoliert.
Wer heute glaube, in einer besonders schwierigen Zeit zu leben, solle sich diese Ausgangslage vor Augen führen, sagte Wüst sinngemäß. Entscheidend sei damals gewesen, nicht in der Situation zu verharren. Es habe nur den Weg nach vorne gegeben. Menschen hätten die Ärmel hochgekrempelt und gemeinsam an einer besseren Zukunft gearbeitet. Dass daraus wenige Jahrzehnte später das Wirtschaftswunder hervorgegangen sei, sei damals kaum vorstellbar gewesen.
Sicherheit, Wohlstand und Bildung als politische Versprechen
Adenauer und seine Mitstreiter hätten nach Wüsts Darstellung grundlegende Leitplanken für das demokratische Zusammenleben gesetzt. Dazu zählte der Ministerpräsident das christliche Menschenbild und den Grundsatz, dass die Würde des Menschen unantastbar sei.
Aus diesem Werteverständnis seien politische Versprechen entstanden, die über Jahrzehnte Vertrauen in die Demokratie geschaffen hätten: Sicherheit nach innen und außen, Wohlstand für alle und Aufstieg durch Bildung.
Wüst erinnerte insbesondere an Adenauers Entscheidung für die Westbindung. Nach dem Krieg habe es durchaus Stimmen gegeben, die für Neutralität plädierten. Adenauer habe sich jedoch für die Einbindung in den Westen entschieden. Mit dem Satz „Wir wählen die Freiheit“ habe er eine Richtung vorgegeben, die aus Wüsts Sicht keineswegs selbstverständlich gewesen sei.
Auch die soziale Marktwirtschaft sei eine grundlegende Weichenstellung gewesen. Sie verbinde unternehmerische Freiheit mit gesellschaftlicher Verantwortung und habe dazu beigetragen, Wohlstand in breiten Teilen der Bevölkerung zu ermöglichen.
Mehr über Chancen als über Probleme sprechen
Den historischen Rückblick verband Wüst mit einem Appell an die Gegenwart. In politischen Debatten werde zu häufig Empörung in den Mittelpunkt gestellt. Statt sich vor allem mit Problemen und Herausforderungen zu beschäftigen, müsse Deutschland stärker über seine Stärken, Potenziale und Chancen sprechen.
Dazu gehörten die Bereitschaft zu arbeiten und Leistung zu erbringen, Innovation und Erfindergeist sowie Offenheit gegenüber Zukunftstechnologien. Besonders die junge Generation brauche Zuversicht, betonte der Ministerpräsident.
Eine gute Zukunft entstehe nicht von allein. Sie müsse erarbeitet werden. Für Wüst liegt darin eine Verbindung zwischen Adenauers politischem Erbe und den Aufgaben der Gegenwart: Herausforderungen nicht zu verdrängen, sondern sie mit Verantwortung, Mut und dem Willen zur Gestaltung anzugehen.
Die beiden Jubiläen im Kursaal boten damit nicht nur Anlass zum Rückblick auf die Geschichte der CDU in Bad Honnef und die Rolle Konrad Adenauers. Sie wurden zugleich zum Ausgangspunkt für eine politische Botschaft, die Wüst an die Gegenwart richtete: Vertrauen in die Demokratie müsse sich auch künftig daran messen lassen, ob politische Entscheidungen den Menschen Sicherheit, Chancen und eine Perspektive für die Zukunft eröffnen.









