Energiewende das Beste, was uns passieren konnte

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Bad Honnef | Energiewendeminister, Philosoph, Grüner – für die taz ist er sogar Polit-Popstar: Dr. Robert Habeck aus Schleswig-Holstein. Freitagabend war er Gastredner beim zweiten Frühlingsempfang der Bad Honnefer Grünen im Haus Rheinfrieden.

Welche Bedeutung der Klimawandel für die Welt habe, zeige für ihn unter anderem der Syrienkrieg. So seien eine Millionen Syrer aus dem ländlichen Raum nach den vier trockensten Jahren vor Hunger und Wassermangel in die Städte gezogen und auf ein korruptes Regime gestoßen. Ethnische Konflikte hätten die Spannungen verschärft.

Habeck wolle zwar mitnichten von einem Klimakrieg sprechen, dennoch habe seiner Meinung nach die Erwärmung dazu beigetragen, das Fass zum Überlaufen zu bringen. Wer das leugne, sei ein bisschen blind.

Auch falsche Agrarpolitik habe unter anderem in Syrien, Jordanien und Nigeria dazu geführt, dass immer mehr bewirtschaftete Flächen zu Wüste wurden. Habecks Schlussfolgerung: Man könne sich keine Außen- und Sicherheitspolitik mehr machen, ohne Umweltpolitik und Agrarpolitik dabei zu berücksichtigen. Fluchtursachen bekämpfen bedeute, dass die Menschen in den Krisenländern genug zu essen, zu trinken und genügend Bildungschancen hätten.

v.r. Lisa Anschütz, Arnd Burgers (beide Vorstand der Grünen Rhein-Sieg), Minister Robert Habeck, Jochen Langbein, Irina Briese (beide Sprecher der Grünen Bad Honnef)
v.r. Lisa Anschütz, Arnd Burgers (beide Vorstand der Grünen Rhein-Sieg), Minister Robert Habeck, Joachim Langbein, Irina Briese (beide Sprecher der Grünen Bad Honnef)

Die politisch beschlossene Energiewende hält Habeck für „das Beste, was uns passieren konnte“. Es ginge weniger um den Aufbau von Reservekapazitäten, vielmehr um die Befriedigung des aktuellen Bedarfs. Um umweltfreundliche Energie flächendeckend zur Verfügung stellen zu können, müsse allerdings ein entsprechendes Versorgungsnetz aufgebaut werden, was aufgrund der unterschiedlichsten Interessen der Menschen, Regionen und Wirtschaft nicht einfach sei.

Irina Briese
Irina Briese

Gelinge die Transformation des Energiesystems nicht, würde das zu großen Problemen führen. Deshalb müssten die Menschen an den Prozessen beteiligt und Konflikte zugegeben werden. Es dürfe nicht um Wahrheiten Einzelner, sondern es müsse um die Meinung der Beteiligten gehen.

Joachim Langbein
Joachim Langbein

Eine praktikable Lösung seien Bürgerwindparks. Hier würden die Anlieger in die Prozesse einbezogen und sie bekämen eine Beteiligung an den Projekten angeboten.

Habeck: „Eine Energiewende ohne demokratische Beteiligung wird nicht funktionieren.“ Wird kein gesellschaftlicher Konsens erzielt, „fliegt uns alles um die Ohren“.

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