Bad Honnef-Rhöndorf. Der barrierefreie Ausbau des Bahnhofs Rhöndorf ist erneut in weite Ferne gerückt. Nachdem die Deutsche Bahn die geplante Personenunterführung und zwei Aufzüge zum Mittelbahnsteig vorerst zurückgestellt hat, wendet sich der Bürger- und Ortsverein Rhöndorf jetzt mit einem offenen Brief an die Führung der Deutschen Bahn AG und der DB InfraGO AG. Der Verein verlangt eine verbindliche Perspektive für den barrierefreien Zugang, einen konkreten Zeitplan und die Prüfung alternativer baulicher Lösungen.
Unterzeichnet hat das Schreiben vom 19. Oktober der Vorsitzende des Bürger- und Ortsvereins Rhöndorf, Patrick Pieper. Adressiert ist es an Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, und Dr. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO AG. Bundesverkehrsminister Stefan Bilger und NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst erhielten den Brief zur Kenntnis.
Bereits am 12. Oktober hatten rund 400 Menschen vor dem Bahnhof für Barrierefreiheit demonstriert. Unter ihnen waren Schülerinnen und Schüler mit Behinderung des Nell-Breuning-Berufskollegs, Bewohner des dazugehörigen Internats Haus Rheinfrieden, Menschen mit Rollstuhl oder Rollator sowie Eltern mit Kinderwagen. Für die Petition zur Barrierefreiheit liegen laut offenem Brief inzwischen 1.400 Unterschriften vor.
Geplante Unterführung und Aufzüge vorerst gestrichen
Im Dezember 2025 habe die Deutsche Bahn erklärt, dass Barrierefreiheit ein Hauptaugenmerk bei der Sanierung der rechtsrheinischen Strecke sei, heißt es in dem Schreiben. Vorgesehen waren eine Personenunterführung und zwei Aufzüge zum Mittelbahnsteig.
Im Spätsommer 2026 habe der Ortsverein dann erfahren, dass beide Vorhaben vorerst nicht umgesetzt werden. Als Begründung seien aufwendigere Arbeiten an den Oberleitungsanlagen und ein dadurch enger gewordener Zeitplan genannt worden. Einen neuen Termin für die Umsetzung gebe es bislang nicht.
Der Ortsverein verweist darauf, dass die Forderung nach einem barrierefreien Bahnhof bereits seit 2010 bestehe. Barrierefreiheit sei keine freiwillige Leistung, heißt es in dem Brief. Der Verein beruft sich dabei auf die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung sowie die UN-Behindertenrechtskonvention.
Vier konkrete Forderungen an die Bahn
Der Bürger- und Ortsverein fordert von der Deutschen Bahn eine verbindliche Bestätigung, dass der Bahnhof Rhöndorf vollständig barrierefrei ausgebaut wird und das Vorhaben nicht grundsätzlich infrage steht. Außerdem verlangt er einen nachvollziehbaren Zeitplan mit konkreten Meilensteinen für Baubeginn und Fertigstellung.
Darüber hinaus sollen alternative Möglichkeiten geprüft werden, den Bahnhof schneller barrierefrei zugänglich zu machen. Als Beispiel nennt der Brief einen rheinseitigen Außenbahnsteig mit behindertengerechter Rampe. Die Ergebnisse einer solchen Prüfung sollen offengelegt werden.
Schließlich verlangt der Verein eine zeitnahe, inhaltlich konkrete schriftliche Antwort und einen gemeinsamen Vor-Ort-Termin mit entscheidungsbefugten Vertretern beider Bahnunternehmen.
Breite Unterstützung aus Politik und Gesellschaft
Der offene Brief wird von zahlreichen Personen und Institutionen mitgetragen. Dazu gehören Bad Honnefs Bürgermeister Philipp Herzog, sämtliche im Schreiben aufgeführten Fraktionen des Stadtrats sowie die Landtagsabgeordneten Jonathan Grunwald und Martin Metz.
Auch das Nell-Breuning-Berufskolleg, das Internat Haus Rheinfrieden und Vertreter der Interessen von Menschen mit Behinderung und älteren Menschen unterstützen das Anliegen.
Mit dem Schreiben will der Bürger- und Ortsverein erreichen, dass die Verantwortlichen die Situation in Rhöndorf erneut prüfen und konkrete Schritte für einen barrierefreien Bahnhof vereinbaren. Der Verein macht zugleich deutlich, dass die Menschen vor Ort das Thema weiter aufmerksam und kritisch begleiten werden.
Der vollständige offene Brief ist nachfolgend im Wortlaut dokumentiert.
Offener Brief
Frau Evelyn Palla
Vorsitzende der Deutschen Bahn AG
Herrn Dr. Philipp Nagl
Vorsitzender der DB InfraGO AG
Zur Kenntnis
Herrn Stefan Bilger, Verkehrsminister der Bundesrepublik Deutschland
Herrn Henrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW
Rhöndorf, 19. Oktober 2026
Ein Bahnhof für Alle.
Rhöndorf fordert seinen barrierefreien Bahnhof.
Sehr geehrte Frau Palla, sehr geehrter Herr Dr. Nagl,
am Montag, dem 12. Oktober 2026, standen 400 Menschen vor dem Bahnhof Rhöndorf: Nachbarinnen und Nachbarn, Schülerinnen und Schüler mit Behinderung des Nell-Breuning-Berufskollegs und des dazugehörigen Internats, Menschen im Rollstuhl und mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen. Sie kamen mit einer einfachen Forderung: einen Bahnhof, den alle benutzen können. Neu ist diese Forderung nicht, sie besteht seit 2010. Neu ist nur, dass ihre Erfüllung ein weiteres Mal vertagt wurde.
Im Dezember 2025 hieß es seitens der Deutschen Bahn AG, die Barrierefreiheit sei ein Hauptaugenmerk der Sanierung der rechtsrheinischen Strecke. Geplant waren eine Personenunterführung und zwei Aufzüge zum Mittelbahnsteig. Im Spätsommer 2026, mitten in der Sperrpause, erfuhren wir: Beides wird vorerst nicht gebaut. Der Umbau der Oberleitungsanlagen sei aufwendiger als angenommen, der Zeitplan lasse keinen Raum. Einen neuen Termin nennt die Bahn nicht.
Barrierefreiheit ist keine freiwillige Leistung. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung verlangt, dass Bahnanlagen auch für Menschen mit Behinderung „ohne besondere Erschwernis“ nutzbar sind. Auch die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet alle staatlichen Stellen auf gleichberechtigte Teilhabe.
Für die Petition zur Barrierefreiheit des Rhöndorfer Bahnhofes liegen bis heute 1.400 Unterschriften vor.
Unsere Forderungen
- Eine verbindliche Zusage. Frau Palla, bestätigen Sie, dass der Bahnhof Rhöndorf – wie in der Vergangenheit versprochen – vollständig barrierefrei ausgebaut wird und das Vorhaben nicht zur Disposition steht.
- Ein konkreter Zeitplan. Wir erwarten nachvollziehbare Meilensteine für den Baubeginn und die Fertigstellung der Barrierefreiheit. Pauschale Ankündigungen ohne belastbare Termine reichen nicht mehr aus.
- Prüfung von Alternativen. Parallel zur bisherigen Planung muss geprüft werden, ob der Bahnhof auf anderem Weg schneller barrierefrei erschlossen werden kann, etwa durch einen rheinseitigen Außenbahnsteig mit behindertengerechter Rampe. Wir erwarten, dass die Ergebnisse dieser Prüfung offengelegt werden.
- Antwort und Gespräch. Wir erwarten unverzüglich eine substanzielle schriftliche Antwort. Außerdem bitten wir um einen gemeinsamen Termin vor Ort mit entscheidungsbefugten Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Bahn AG und der DB InfraGO AG.
Herzliche Grüße
Patrick Pieper
Vorsitzender
Dieser Brief wird von folgenden Personen/Institutionen mitgezeichnet:
Philipp Herzog, Bürgermeister der Stadt Bad Honnef
CDU-Fraktion im Stadtrat der Stadt Bad Honnef
Fraktion B90/DIE GRÜNEN im Stadtrat der Stadt Bad Honnef
SPD-Fraktion im Stadtrat der Stadt Bad Honnef
Fraktion Bürgerblock im Stadtrat der Stadt Bad Honnef
FDP-Fraktion im Stadt Bad Honnef
Fraktion VOLT im Stadtrat der Stadt Bad Honnef
Jonathan Grunwald, Mitglied des Landtages NRW
Martin Metz, Mitglied des Landtages Nordrhein-Westfalen
Nell-Breuning-Berufskolleg
Internat Haus Rheinfrieden
Hans Diedenhofen, Ehrenvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Schwerbehindertenvertretungen in Deutschland e.V.
Dr. Claudia Solzbacher, Fachbeirat Menschen im Alter der Stadt Bad Honnef
Ulla Studthoff, Fachbeirat Inklusion der Stadt Bad Honnef
Rhöndorf demonstriert für barrierefreien Bahnhof: Jetzt und nicht irgendwann









