Bonn – Am Freitag erhielt das Gustav-Stresemann-Institut in Bonn besonderen Besuch: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war zu Gast. Das Thema der Veranstaltung „Politische Bildung in polarisierten Zeiten“ wurde sowohl in einer Gesprächsrunde zwischen dem Bundespräsidenten und aktiven Mitgliedern des GSI als auch durch das Theaterstück „Der Bus des Lebens“ der Bonner Abendrealschule aufgegriffen.
Seit mehr als 70 Jahren widmet sich das Gustav-Stresemann-Institut der politischen Bildungsarbeit – unter dem Leitmotiv: „Ort der internationalen Verständigung – Demokratie gestalten, Europa stärken.“ Daran erinnerten auch Dr. h.c. Erik Bettermann, Präsident des GSI, sowie Geschäftsleiter Wilfried Klein zu Beginn der Gesprächsrunde. Im Institut, das vielen als „Haus der Demokratie“ gilt, soll in jedem der rund 200 Räume ein Exemplar des Grundgesetzes bereitliegen – symbolisch die „Bibel des Hauses“.
In seiner anschließenden Rede betonte Bundespräsident Steinmeier: „Nie war politische Bildung wichtiger.“ Der Raum für Nachdenklichkeit, für abgewogene Worte und ernsthaften Austausch werde kleiner, zugleich gehe „das Bunte“ verloren. Bei den Werten der Demokratie, so Steinmeier, könne und wolle er nicht neutral bleiben.

Ein zentraler Aspekt im Gespräch waren zudem die sozialen Medien. So wurde darüber gesprochen, dass es in Zeiten von Social Media eher „um die Lautstärke anstatt um den Inhalt geht“. Algorithmen sowie die Rolle des Smartphones im täglichen Leben müssten verstanden werden. Politische Bildung sei keine hundertprozentige Versicherung, erklärte der Bundespräsident, jedoch schaffe sie wichtige Räume, stärke die Resilienz der Demokratie und verdeutliche, dass das Schließen von Kompromissen keine Schwäche ist.
Auch die derzeit intensiv geführte Debatte über die Wehrpflicht wurde kurz angesprochen. Steinmeier nutzte den Moment, um seine Idee einer „sozialen Pflichtzeit für alle“ erneut zu erläutern. Sie könne die Gesellschaft durchmischen, das Ehrenamt stärken und jungen Menschen Orientierung bieten. Während die Reaktionen in der Öffentlichkeit gemischt sind, stieß der Vorschlag im GSI offensichtlich auf Zustimmung – der Applaus machte das deutlich.
Insgesamt zeigte sich, dass der Austausch zwischen dem Bundespräsidenten und den GSI-Mitgliedern überwiegend zustimmend verlief. Eine kontroverse, tiefgehende Debatte aus unterschiedlichen Perspektiven blieb aus – vermutlich auch aufgrund der begrenzten Zeit. Der Besuch hatte damit eher repräsentativen Charakter.

Im Anschluss präsentierten Schüler*innen der Bonner Abendrealschule einen Auszug aus ihrem Theaterstück „Der Bus des Lebens“, das beim Schultheaterwettbewerb der Theatergemeinde Bonn den zweiten Platz belegte. Es war ein hoch emotionaler Moment, in dem die Jugendlichen ihre Erfahrungen als Geflüchtete teilten und verarbeiteten. Das Stück thematisiert die Flucht aus dem Heimatland und zeichnet eindringliche Bilder von Krieg, Tod und Zerstörung. Im Saal herrschte völlige Stille.
„Ihr wisst nicht, was Krieg ist“, sagte eine junge Ukrainerin unter Tränen. Ihr Blick war zugleich intensiv und verletzlich, während sie direkt ins Publikum sprach – Steinmeier saß in der ersten Reihe. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. „Meine Schule, die Wände, auf denen wir gezeichnet haben – alles kaputt“, berichtete ein weiterer Darsteller. „Ach, ist egal, das sind nur Steine. Die kann man wieder aufbauen. Aber was ist mit meinen Freunden? Die sind dort gestorben.“
Schon dieser kurze Ausschnitt entfaltete große Wirkung und vermittelte eine eindrucksvolle Botschaft. In der anschließenden Fragerunde sprach Steinmeier mit den Projektverantwortlichen und Darsteller*innen. Er bedankte sich für ihren Mut und ihre Offenheit – und würdigte die Kraft, die in ihrem persönlichen Zeugnis liege.











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