Coronavirus: Die Leiden des jungen B.

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Demofoto | Foto: Pixabay

Bad Honnef – Ausnahmezustand! In Deutschland und in anderen Ländern dieser Erde flüchten die Menschen in ihre eigenen vier Wände, schotten sich ab. In der Bad Honnefer Aldi-Filiale wurden allein heute drei LKW mit Klopapier entladen. Das oder der Virus ist angekommen.

Bürgermeister und Landräte laufen kommunikationsmäßig zur Höchstform auf. Im Rhein-Sieg-Kreis wird beispielsweise jeden Tag eine Pressekonferenz zur Coronalage der Nation abgehalten. Sicherlich gut gemeint. Aber wirklich hilfreich?

Der vom Virus bestimmte Alltag einzelner Betroffener sieht dann weniger kommunikationsschillernd aus. Sie müssen sich zunächst offenbar unter nicht ganz eindeutigen Bedingungen um eine Diagnosemöglichkeit kümmern, Dann folgt die Auseinandersetzung mit sieben Seiten Bürokratie, die natürlich auch regelt, was geschieht, wenn sich Betroffene nicht an die Regeln halten: Von Zwangsgeld und Haft ist da die Rede!

Das ist nicht nur in Bad Honnef so, aber auch in Bad Honnef so. Wie der Fall des jungen B. belegt.

Am 08.03. nahm er bei sich Symptome wahr, die auf das Coronavirus hinwiesen. Da er nicht nur Schüler ist, sondern nebenher auch noch in einem gastronomischen Betrieb jobbt, also täglich Kontakt mit vielen hundert Kunden hat, nahm er die Symptome sehr ernst, ging als erstes ins Krankenhaus.

Schon an der Pforte sei er mit den Worten „Wir sind eine Notfallklinik, bei solchen Sachen geht man zum Hausarzt“ abgewiesen worden. Seine Schlussfolgerung: „Also stellt für das Krankenhaus das Virus, an dem weltweit bereits tausende Menschen gestorben sind, keinen Notfall dar.“

Am nächsten Morgen suchte er die Praxis eines Arztes auf. Dieser habe eine Bronchitis und einen Virusinfekt diagnostiziert. „Auf das Thema Coronavirus ging niemand ein“.
Am nächsten Tag fuhr er zur Uniklinik. Es soll zunächst eine lange Diskussion stattgefunden haben, bis er dann auf eigene Kosten (130 EUR) getestet wurde. Das Ergebnis lag am nächsten Tag vor: Positiv!

„Sofort kontaktierte ich meinen Arbeitgeber, die Schule und weitere Stellen und wartete drei Stunden auf den – für sofort – angekündigten Anruf des Gesundheitsamtes. Ich sollte von diesem über den weiteren Verlauf aufgeklärt werden. Aber der Anruf kam nicht“.

Also ergriff er erneut selber die Initiative und rief das Gesundheitsamt an.

Im Laufe des Gesprächs sei ihm gesagt worden, „dass ich die Notrufleitungen nicht blockieren solle, die nächsten 14 Tage in häuslicher Quarantäne mit meiner Familie verbringen und eine Liste mit allen Personen, mit denen ich Kontakt hatte, erstellen solle“.

Seine Antwort, er habe mit vielen hundert Menschen Kontakt gehabt, sei belächelt worden.

Zwei Tage später erhielt er Post vom Ordnungsamt. Sieben Seiten. „Steht nichts anderes drin, als Androhung von Strafen bei Verstößen gegen die häusliche Quarantäne. In dem Schreiben werden mir bis zu zwei Jahre Haft und 1000 € Bußgeld angedroht und auf sieben Seiten hat man nicht einmal die zwei Worte „Gute Besserung“ schreiben können“.

Gestern Abend verschlechterte sich im Laufe der Nacht sein gesundheitlicher Zustand. Er rief den Notruf an. Dort habe man ihm gesagt, er solle nicht die Leitungen des Notrufs blockieren, sondern die 116117 anrufen.

„Dort hing ich ca. zwei Stunden in der Warteschleife und gab dann auf““ Er versorgte sich selbst mit Schmerzmitteln und Tee.

Die Leiden des jungen B. gehen weiter: Immer noch 11 Tage Quarantäne.

Aktualisierungen:

Bei dem in diesem Beitrag erwähnten Krankenhaus handelt es sich um das Bad Honnefer Cura-Krankenhaus. Die Presseabteilung nahm zwischenzeitlich wie folgt Stellung: „Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass unsere Mitarbeiter sich ganz streng an die Vorgaben des RKI`s und des Gesundheitsamtes halten. Diese Vorgaben sehen vor, dass die Krankenhäuser keine Abstriche machen und an die Hausärzte verweisen. Jedes GFO-Krankenhaus ist- entsprechend den gesetzlichen Vorgaben-in der Lage, binnen kürzester Zeit Zimmer für die Isolierung von Corona- Patienten einzurichten.“

Antworten auf Anfragen an Gesundheitsamt liegen noch nicht vor.

Auch der EXPRESS berichtet.

Was tun, wenn ich denke, ich könnte infiziert sein?

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3 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag. Der Inhalt braucht sehr weite Verbreitung.
    Und dem Betroffenen wünsche ich auf diesem Wege gute Besserung und weiterhin viel Mut!! Ich finde Ihr Verhalten vorbildlich und bin entsetzt ueber den Umgang mit Ihnen, der nach mehrfach unterlassener Hilfeleistung klingt. Ohne Sie persönlich zu kennen denke ich mit Mitgefühl und Unterstützung an Sie. Liebe Grüße

  2. Wenn das so stimmt, wie geschildert, hat unser Krankenhaussystem und die Verwaltung ein riesiges Problem. Was ist denn mit der vollmundigen Zusage des Gesundheitsministers das die Kosten für den Test von den Krankenkassen übernommen wird, da stimmt doch was ganz und gar nicht.
    Das sollte mal zu den Herren im Kreis und zum Land kommuniziert werden.

    Dem Jungen Mann wünsch ich gute Besserung.

  3. Naja, teilweise ist er selbst schuld, denn es steht überall im Internet geschrieben, dass man eben nicht zum Arzt oder Krankenhaus gehen sondern anrufen soll. Jeder kann mal kurz googeln um nicht durch solche Aktionen andere, vor allem im Gesundheitswesen, in Gefahr zu bringen.
    Dass die Uniklinik aber nach dem Fall in Bonn wieder auf Selbstzahlung bestand ist ein Skandal.

    Von hier auch gute Besserung und bitte weiter berichten!

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