Dreigestirn: 14 Auftritte in 14 Stunden und ein leeres Sängerheim

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Bad Honnef | Die einen finden sie schon ziemlich jeck, andere bereiten sich mit Leidenschaft auf diese tollen Tage vor: die fünfte Jahreszeit, Karneval.

Auf alle Fälle jeck sind die Aktiven. Die scheuen vor dem Härtesten nicht zurück, machen sich morgens früh auf den Weg, begeistern 14 Gesellschaften an 14 unterschiedlichen Orten in 14 Stunden. Zum Beispiel das Siebengebirgsdreigestirn, die Ziepches-Tanzgarde, das Damenkomitee und die Stadtsoldaten. Vom flachen Unkel bis ins hoch-tiefe Stieldorf wurde an Weiberfastnacht alles bereist.

Sogar ziemlicher Frust wurde ziemlich locker weggesteckt. Nachdem der riesige Bus endlich in Ittenbach einen Parkplatz gefunden hatte, stand die 100-Personen starke Gästeschar am Sängerheim vor verschlossenen Toren. Die Öttemicher Jecken hatten glatt den Termin versemmelt.

Spontan änderte Prinzenführer Manfred Limbach das Programm, steuerte die Honnefer Abordnung zum Margartenkreuz und fand sie, die Öttemicher. Da gehen wir jetzt rein. Nicht ohne unsere Trömmelche, fand Stabführer Benny Limbach und ließ antreten zur Freestyle-Session. Wow, die hatte es in sich und Köwi erlebte, wie Spass und Freud interkommunal geht.

Die „Pause“ kam vor allem den Mitgliedern der Tanzgarde gelegen. Man bedenke: 14 Auftritte, pro Präsentation ca. 15 Minuten Hochleistungssport – das ist beachtlich. Da ist Zeit für Regeneration willkommen.

450 kg stemmen die Offiziere pro Auftritt. Gerd Papenbrock, Chef des Festkomitees Bad Honnefer Karneval, hat großen Respekt: „Wir sind ja alte Hasen, kennen das Geschäft. Aber was die jungen Leute hier leisten, kann man denen nicht hoch genug anrechnen.“

Rechnen tut auch Manuela Müller, Trainerin der Ziepches-Tanzgarde, wenns um den Leistungsumfang ihrer Tänzerinnen und Tänzer geht. Seit 25 Jahren mischt sie mit und weiß genau, in welchem körperlichen Zustand ihre Mädels und Jungs sind. Auf den Punkt, wenn die Muskeln zu zwicken beginnen, gibts Wasser mit Magnesium. Wenn das nicht hilft auch seelischen Zuspruch.

Das Dreigestirn will gar nicht mehr aufhören, Dreigestirn zu sein. „Das wird von Tag zu Tag schöner“, strahlt Prinz Michael und Bauer Frank ist körperlich noch so fit wie am ersten Tag. „Hinzu kommt, dass mein Bauernleben auch Kilos purzeln lässt.“ Die schwere Kluft, die er trägt, ist nichts für schwache Knaben, seine animierenden Auftritte leisten ein Übriges. Und die Jungfrau: Der Älteste an Bord wirkt wie ein Jungbrunnen und glaubt mittlerweile wirklich, was er in seinem kleinen roten Spiegel sieht.

Letzter Auftritt im Saal Kaiser. Dort feierte die Große Selhofer KG ihre Sitzung und die Traumjungen in ihren putzigen roten Höschen setzten gerade zu ihren letzten Hebern an. Stabführer Benny Limbach lobhudelte noch einmal die einmalige Atmosphäre im Kurhaus op Selef und bekam dafür und andere Dinge prompt den Orden der KG. Recht hat er: Kein Kurhaus ist schöner. Gott erhalts.

Schluss, Ende, aus. Für das Dreigestirn war es der letzte große Auftritt vor dem Finale am Sonntag, dem Zoch in Honnef. Alle Selhofer kommen auch, das wurde versprochen.

Heute allerdings steht noch ein besonderer Termin an: Eschi vom Vierkotten hat Geburtstag, wird irgendwas mit Fünfzig. Da sin se dann widder alle dabei. Ab 11.11.2014 hoffentlich auch. Dat is prima.

Wer den Tag ein bisschen nachlesen will, hat im Livestream von Honnef heute die Möglichkeit

* Zunächst schrieb Honnef heute, bei den Öttemicher handele es sich um „jecke Loser“ und es habe kein Freibier gegeben. Alles falsch, so Manfred Limbach. Es gab Freibier, die Öttemicher seien keine jecken Loser und heute hätten sie sogar nochmal einen ausgegeben.

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