Bad Honnef – In der Kita St. Johannes in Bad Honnef spitzt sich die Betreuungskrise weiter zu. Eltern berichten von monatelangen Phasen der Notbetreuung, kurzfristigen Änderungen der Betreuungszeiten und teils massiv eingeschränkten pädagogischen Angeboten. Die Folgen: Weniger Verlässlichkeit für die Kinder und erhebliche Belastungen für berufstätige Eltern.
In einem Brandbrief an Bürgermeister Philipp Herzog fordert der Elternbeirat der Kita St. Josef nun schnelle Lösungen und wirft dem Träger vor, die Situation trotz Personalmangel nicht ausreichend anzugehen.
Laut Deutschem Kinderhilfswerk fehlen deutschlandweit rund 125000 Fachkräfte in Kitas – ein Problem, das in Bad Honnef derzeit deutlich spürbar ist.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Herzog,
wir als Eltern wenden uns heute an Sie, da uns die aktuelle Situation in der Kita St. Johannes in Bad Honnef seit längerer Zeit sehr beschäftigt und belastet.
Im Wahlkampf sowie in Ihren öffentlichen Aussagen haben Sie betont, dass Ihnen eine familienfreundliche Stadt Bad Honnef und gute Bedingungen für Familien und Kinder besonders wichtig sind. Viele Eltern haben diese Aussagen mit großer Hoffnung aufgenommen.
Leider erleben wir in unserer Kita seit mittlerweile knapp zwei Jahren einen Zustand, der ganz und gar nicht familienfreundlich ist. Nicht nur in den Wintermonaten kommt es zu langen Phasen der Notbetreuung. Seit Oktober des vergangenen Jahres gibt es einen Zustand der durchgehenden Notbetreuung, lediglich unterbrochen von wenigen Tagen des Regelbetriebs. Insgesamt hat unsere Kita in diesem Kitajahr weniger als 50 % der Betreuungstage im Regelbetrieb durchgeführt. Für alle Familien ist dieser Zustand aufgrund der Länge und des nicht absehbaren Endes kaum noch vereinbar mit einer geregelten Berufstätigkeit.
Zusätzlich zum erheblichen Ausmaß der Notbetreuung wird die Planung der Notbetreuung regelmäßig sehr kurzfristig – oft mit einem Vorlauf von weniger als 24 Stunden – an die Eltern übermittelt. Für viele Eltern bedeutet dies, regelmäßig sehr kurzfristig Lösungen für die Betreuung ihrer Kinder finden zu müssen, die es in der Regel schlichtweg nicht gibt. Dies führt immer wieder zu Problemen mit Arbeitgebern, da Arbeitszeiten spontan angepasst oder Termine abgesagt werden müssen. In einzelnen Fällen hat diese Situation bereits dazu geführt, dass Eltern ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Besonders belastend empfinden wir, dass der Träger unsere Sorgen und die Auswirkungen auf die Familien zwar zur Kenntnis nimmt und auch Mitgefühl versichert, jedoch keine Lösungen sucht und anbietet. Mit Verweis auf die „Wirtschaftlichkeit“ wird seitens der GFO argumentiert, dass die derzeitige Personalsituation mit 20 Stunden über Mindestbesetzung völlig ausreichend sei. In der Praxis heißt das aber: Es ist gar nicht möglich, dass es Regelbetrieb gibt, weil naturgemäß immer mindestens ein Mitarbeiter Urlaub hat oder krankgeschrieben ist. Seitens der Personalabteilung der GFO wird dies kommentiert mit „wenn alle an Bord sind, gibt es auch Regelbetrieb“.
Durch die Gespräche und Rückmeldungen des Trägers ist das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung mittlerweile fundamental erschüttert. Der Träger stützt sich auf die rechtlichen Rahmenbedingungen, unternimmt aber keine Anstalten, um die unbesetzten Stellen in der Kita (durch Schwangerschaften oder Langzeiterkrankungen) neu zu besetzen. Der Träger ist der Meinung, dass eine Ausschreibung auf einem Stellenportal völlig ausreichend wäre und es keiner weiteren Maßnahmen bedarf – obwohl die Stellen schon seit Herbst letzten Jahres vakant sind.
Wir haben uns als Eltern bereits an das zuständige Jugendamt sowie auch an das Landesjugendamt gewandt, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Leider haben wir bislang stets nur die Rückmeldung bekommen, dass die Situation in unserer Kita politisch bedingt ist und den Jugendämtern die Hände gebunden sind.
Gerade deshalb bitten wir Sie, sich der Situation der Kita St. Johannes anzunehmen und zu prüfen, welche Möglichkeiten seitens der Stadt bestehen, hier unterstützend tätig zu werden. Familien sind auf eine verlässliche Kinderbetreuung angewiesen, um Beruf und Familie miteinander vereinbaren zu können.
Da die Situation viele Familien betrifft und seit langer Zeit ungelöst ist, haben wir uns entschieden, unser Anliegen auch öffentlich zu machen und diese E-Mail ebenfalls an Vertreter der lokalen Presse weiterzuleiten.
Wir hoffen sehr auf Ihre Unterstützung und eine zeitnahe Rückmeldung.
Mit freundlichen Grüßen
Alina Schippel
Elternbeirat
Kita St. Johannes
Bad Honnefhttps://honnef-heute.de/personalmangel-in-kitas-wie-gravierend-ist-die-situation-in-deutschland/












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