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“Fällen statt schützen, sägen statt reparieren”

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leserbrief

Zum Beitrag: Neuhoff zum Klimaschutz: Wir müssen gemeinsan handeln

M. Ali: “Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist wie ich.”

An welchen lebenden Mann ohne Selbstzweifel denke ich da wohl? Genau! Jetzt die fünfte (oder mehr?) persönliche Werbebroschüre aus öffentlichen Geldern als Information getarnt. Zu Klimaschutz.(!?) Mensch glaubt es nicht.

Der Rein-Sieg-Kreis hat 19 Kommunen. Es wird schwer sein, in einer der anderen 18 Gemeinden und Städte ähnlich kapitale Verstöße gegen Klimaschutz zu finden wie in Bad Honnef. Dermaßen grotesk sind unsere Verirrungen, dass noch so viele Feigenblätter nichts kaschieren können.

Wer sonst will ein größeres Wäldchen mit hoher Schutzfunktion direkt neben einer Schnellstraße abholzen (!) und durch einen Riegel mit öff. gef. Wohnungsbau ersetzen, dessen Bewohner dann die reichlich anfallenden Schadstoffe wegatmen sollen/müssen? (nördlicher Stadtgarten)

Wer sonst überplant ein in 4 Jahrzehnten gewachsenes Wohngebiet, in dem Rücksicht nehmende Verkehrsteilnehmer*innen ihre zahlreichen Kinder 40 Jahre ohne Unfall zu Schule und Sport schicken, mit einer hunderte Meter langen geraden Fahrrinne samt bisher nicht existierender Bordsteine als Fallen? Wer sonst nimmt zufriedenen Menschen ihr Quartier, in dem sie gern wohnen UND leben? Macht aus einer Anwohnersiedlung eine Durchgangsstraße? (Floßweg)

Wo traut sich eine Verwaltung, derart viele und auch “prominente” Bäume zu fällen? Wo hat mensch den Eindruck, dass es im Zweifelsfall immer oder viel zu oft gegen den Baum ausgeht? Fällen statt schützen, sägen statt reparieren – oder haben Sie ernsthaft einen anderen Eindruck, wenn Sie durchs Schmelztal fahren, über die Insel flanieren, die Adenauerstraße besuchen undundund?

Wo plant ein Rathaus die Betonierung und Bebauung innerstädtischer Sport- und Grünflächen? Verrückt, aber wahr an Hockeyplatz, neuer Gesamtschule samt Bolzplätzen (Selhof und Sankt Josef). Gegen jedes Interesse von Jugend und Familien.

Wo sonst wollte eine Stadtregierung der Katholischen Kirche erlauben, ein durchaus großes und erheblichen Verkehr evozierendes Begegnungszentrum mitten in die City zwischen Rathaus und Kirche zu setzen ohne (!) einen einzigen Tiefgaragenplatz?

Wo sonst würde einem in wirklich allen Facetten als Fahrradstraße geeigneten Frankenweg genau diese Funktion gegen den ausdrücklichen Willen seiner Anwohner*innen verweigert? Wird Shared Space auch in der dritten Dekade des dritten Jahrtausends so kategorisch wie ignorant konsequent nicht verstanden? Wird ein ganzer Ortsteil (Aegidienbeg) nicht endlich von seinem zum Großparkplatz missratenen Dorfplatz (Aegidiusplatz) befreit durch Pflanzung einiger Bäume und – auch noch preiswerter – Umgestaltung?

Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Und wenn ein Sündenregister derart umfangreich und vor allem gewichtig ist, dann erledigen sich wenige positive Ansätze von selbst. Zumal es keine Quartiersplanung (Wohnen, Leben & Arbeiten im ökologisch verantwortlich gestalteten Raum) oder sonstige innovative Ansätze gibt.

Wenn Bad Honnefs Gangart woanders Schule machen dürfte, wäre ein Fridays-for-Future-Transparent bestätigt: “Das Klima ist aussichtsloser als unser Mathe-Abi!” Oder: “Wir haben die Erde für unsere Kinder nur erwärmt.” Die kommunale Werbebroschüre schummelt in einem Maße, das schon irritiert – “Something between Speeker’s Corner and flying carpet”.

Aufgeben und Sich-Ergeben? Der Frust ist schon riesig. Enttäuschung auch in einer Mail aus der letzten Woche, “seit ich … wieder nach Bad Honnef gezogen bin und feststellen muss, dass die Stadt gekapert und in eine Firma verwandelt wurde”.

Vom Blingbling zur Veschleierung des lokalen Orientierungsdesasters lohnt sich nur wenig Nachhaltiges zum Erhalt. Solches wie die Energieagentur Rhein-Sieg, die bereits im ersten Jahr unserer Stadt zu erheblichen Einsparungen verhalf. Als ich 2014 in Kreistag und Kreishaus die Energieagentur als zentrales Gestaltungsinstrument vorschlug, lachten (fast) alle ob der Größe solcher “Vision”. – Heute sieht es anders aus. Und ermuntert zu weiteren Initiativen. Schade, dass Bad Honnef entgegengesetzt marschiert.

Spätestens die zunehmenden juristischen Auseinandersetzungen mit dem Umweltverband BUND betreffend unsere Stadt – und weit weniger andere Orte – sind Alarmzeichen. Das ist falsch. Und geht so nicht gut.

Burkhard Hoffmeister
Bündnis 90 – Die Grünen
Mitglied des Kreistags

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