Inselcafé: Wer pachten will, muss 800.000 EUR Renovierungskosten einkalkulieren

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Bad Honnef – Für viele Besucher ist der Biergarten neben den Grün-, Chill- und Spielflächen eine weiterer wichtiger Anziehungspunkt auf der Insel Grafenwerth. Besonders an schönen Tagen steppt dort der Bär und die trinkenden und speisenden Massen verleiten zu der Annahme, dass sich ein Pächter oder eine Pächterin dort eine goldene Nase verdienen kann. Vermutlich dürfte es dennoch hartes Brot sein, um an dieser Stelle lukrativ und sorglos einen gastronomischen Wirtschaftsbetrieb zu führen. Hinzu kommt, dass der Biergarten verknüpft ist mit dem Inselcafé. Und hier standen die Besucher in den letzten Jahren öfter vor verschlossenen Türen. Was wohl seine Gründe hatte.

Vor zwei Jahren schien mit Hans Hatterscheid der ideale neue Pächter gefunden zu sein. Der bekannte und beliebte Gastronom hatte nicht nur Glückstränen in den Augen, als er den Pachtvertrag im Rathaus unterschreiben konnte, sondern auch große Pläne. Zu denen gehörte neben einem attraktiven Konzept die Kernsanierung des Cafés. Dann gab es Unstimmigkeiten zwischen ihm und der Stadt, die letztlich dazu führten, dass Hatterscheid nicht mehr für den Betrieb der Fläche zur Verfügung steht. Die Juristen übernahmen.

Nun sucht die Stadt nach einem neuen Partner. Ende November veröffentlichte sie das Interessensbekundungsverfahren Inselcafé. Dort ist ausführlich über den Ist-Stand der Anlage zu lesen, über Erwartungen, Kosten, Pflichten usw. Gesucht wird ein „privater Anbieter, der eigenverantwortlich die Maßnahmen zur Renovierung des Inselcafés durchführt“. Weiter: „Die Interessenten haben ferner den Betrieb und den Unterhalt des Inselcafés (einschließlich der in der Folgezeit erforderlichen weiteren Renovierungsmaßnahmen) für die Dauer von 10 Jahren mit Verlängerungsoption ab Vertragsabschluss zu übernehmen“. Erwartet wird ein familienfreundliches, nachhaltiges gastronomisches Angebot mit regionalen Produkten.

In der Folge werden die nötigen Renovierungsmaßnahmen aufgelistet: Einbau einer Küche, Einrichtung von Kühlräumen, Erneuerung der Sanitäranlage, Instandsetzung der technischen Anlagen usw. Die Stadt geht derzeit von einem Investitionsvolumen von bis zu 800.000 EUR aus, aufzubringen vom neuen Pächter. Allerdings steigen fast täglich die Bau- und Handwerkerpreise, sodass die Summe durchaus höher ausfallen könnte. Die mit den Renovierungsmaßnahmen geschaffenen Verbesserungen gehen mit Abschluss der Umsetzung dann in das Eigentum der Stadt Bad Honnef über.

Zahlungen der Stadt zur Finanzierung der Maßnahmen oder des laufenden Betriebs sind laut Veröffentlichung der Interessensbekundung übrigens nicht vorgesehen, dafür eine Reduzierung des marktüblichen Mietzinses.

Interessenten haben nun bis zum 10.1.2022 Zeit, die geforderten Unterlagen einzureichen.

Am 6. Juni startet die große Konzertreihe auf der Insel mit insgesamt acht geplanten Veranstaltungen. Mal sehen, ob sich bis dahin die Inselgastronomie ähnlich attraktiv präsentiert, wie die Palette der Musikerinnen und Musiker. Oder ob das Inselcafé dann immer noch „auf Grundlage eines Interimspachtvertrages“ bewirtschaftet wird.

 

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