Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2023: „Giovanni Vetere“

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Giovanni Vetere „Im Zug 60-er Jahre“ - Foto: Brigitte Vetere

Rhein-Sieg-Kreis (hei) – „Als ich ein Jahr alt war, malte mein Vater für mich einige Bilder – die ersten überhaupt in seinem Leben. Dies war die Initialzündung für sein zukünftiges künstlerisches Schaffen“, schreibt Carmen Clea Vetere in ihrem persönlich gehaltenen Porträt des Vaters: Giovanni Vetere, international bekannter Künstler, wohnhaft in Eitorf.

Carmen Clea Vetere arbeitet heraus, wie sehr ihr Vater mit seiner Kunst, die aus seiner Seele zu kommen scheint und ihm als „neue Sprache“ dient, seine Emigrationsgeschichte verarbeitet. „In der Kunst hat mein Vater einen neuen Weg der Kommunikation, eine andere Art sich mitzuteilen, gefunden. Er nennt die Kunst auch seine neue Sprache – ist ihm doch seine eigene Sprache als Träger seiner Mentalität und Zugehörigkeit durch die Emigration verloren gegangen“, so die Tochter. Gleichzeitig aber sei der Vater „jederzeit offen für ein Gespräch, lernt gerne neue Menschen kennen und ist auch mit 81 Jahren immer noch neugierig auf seine Umwelt.“ „Der Weg hin zum international anerkannten Künstler, der öffentlich die Kultur im Kreis repräsentiert, war allerdings lang und oft auch sehr steinig.“, so Carmen Clea Vetere.

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Giovanni Vetere im Kunsthaus Troisdorf 2021“ – Foto: Kirsten Reinhardt

Geboren 1940 in Strongoli, einem kleinen Bergdorf im süditalienischen Kalabrien, suchte der junge Vetere eine Möglichkeit, dem Militärdienst zu entkommen. Diese fand er mittels des 1955 zwischen Deutschland und Italien geschlossenen Anwerbeabkommens. Die im Ausland arbeitenden Italiener erhielten auf diesem Weg eine Befreiung vom Militärdienst – wenn sie sich verpflichteten, bis zum 26. Lebensjahr außerhalb Italiens zu arbeiten. So führte der erste Arbeitsvertrag Vetere nach Niederdollendorf. Nach einigen Jahren im Bonner Raum, während derer er vielen Männern aus dem Heimatdorf zu einem Arbeitsplatz verhalf, so dass bis etwa 400 Strongolesen in Bonn und Umgebung arbeiteten, führte ihn sein Weg weiter nach Wissen an der Sieg. Nach einem schweren Verkehrsunfall, der Vetere über Monate ans Krankenhausbett fesselte, traf er nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bald in der Wissener Eisdiele seine spätere Ehefrau Brigitte.

1968 zog das Ehepaar Vetere von der Oberen Sieg nach Troisdorf. Hier nahm Vetere eine Stelle bei der Dynamit Nobel an. Der Aufenthalt in Troisdorf war von politischem Engagement im bundesweit ersten Ausländerparlament Troisdorf und von erstem künstlerischen Schaffen geprägt. Bald schon hatte Giovanni Vetere die Möglichkeit an ersten Ausstellungen teilzunehmen, bei denen er auch gleich Beachtung und erste Käufer fand. Ehefrau Brigitte erkannte, wie wichtig die Kunst für ihn war und meldete ihn bei Kunstmärkten in der Region an. Einige der Betriebsleiter und Direktoren seines Arbeitgebers Dynamit Nobel wurden Sammler seiner Bilder und schafften ihm einen gewissen Freiraum am Arbeitsplatz. Bereits 1975 eröffnete das Ehepaar Vetere eine Galerie im Erdgeschoss des Hauses. 1989 erfolgte der Umzug in die ehemalige Zigarrenfabrik Keysers in Eitorf mit dazugehöriger Villa und Garten. Diese bot Platz für Atelier, Depot, und Wohnhaus.

Prägende Lebenserfahrungen und menschliche Begegnungen finden ihren Platz in der persönlich gehaltenen und reich bebilderten Schilderung des Lebenswegs von Giovanni Vetere durch die Tochter. Sie sei gebeten worden, im Zusammenhang eines Beispiels für gelungene Integration einen Artikel über ihren Vater zu schreiben. Ihr gesamtes Fazit dazu und die Entscheidung Giovanni Veteres, wo sein Lebensweg ihn hinführen möge, ist nachzulesen im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises mit dem Titel „Zu Hause – Der Rhein-Sieg-Kreis als alte und neue Heimat“. Die zahlreichen, spannend zu lesenden Lebensgeschichten im aktuellen Jahrbuch, zeichnen das Bild einer Region, die schon immer in einem regen Austausch mit Menschen unterschiedlicher Kulturen und Nationen gestanden hat und steht; ebenso wie von dem Austausch beide Seiten profitieren. Auch für die kommenden Festtage ist das Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises ein geeignetes Geschenk für alle, die an Heimatgeschichte interessiert sind.

Das Jahrbuch 2023 ist in der Edition Blattwelt von Reinhard Zado erschienen und für 13,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Details zum Inhalt sind unter www.rhein-sieg-kreis.de/jahrbuch abrufbar.

Nach dem Jahrbuch ist auch immer wieder vor dem Jahrbuch: im neuen Jahrbuch wird es um das Ehrenamt gehen. Die Redaktion des Jahrbuchs freut sich über Vorschläge, Ideen und Anregungen, bevorzugt einzureichen per E-Mail unter jahrbuch@rhein-sieg-kreis.de, oder telefonisch über 0172/8880503.

 

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