Bad Honnef. Die Alanus Hochschule vereint 2027 in Bad Honnef alle Angebote, die Studierende bislang in Alfter und Mannheim wahrnehmen können. Somit bleibt Bad Honnef nicht nur Hochschulstadt, sondern gewinnt in vielerlei Hinsicht großes Potenzial. Wie bewertet Bürgermeister Philipp Herzog die Entscheidung der Hochschule und welche Chancen sieht er? Honnef heute fragte bei ihm nach.
Bad Honnef wird durch die Verlagerung der Alanus Hochschule künftig Heimat für rund 1.400 Studierende sein. Welche Chancen sehen Sie darin für die Entwicklung der Stadt?
Die Entscheidung der Alanus Hochschule ist eine große Chance für Bad Honnef. Dabei geht es um weit mehr als die Nachnutzung des bestehenden Campus. Mit den Studentinnen und Studenten kommen neue Perspektiven in unsere Stadt. Bad Honnef kann sich somit als Hochschulstandort weiterentwickeln und sich noch stärker als Ort für verschiedene Generationen positionieren.
Unser Ziel ist es, dass die Alanus Hochschule nicht nur einen Standort in Bad Honnef findet, sondern ein lebendiger Teil unserer Stadt wird. Ich bin überzeugt, dass sich daraus viele Möglichkeiten für gemeinsame Projekte und eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschule, Studentinnen und Studenten sowie Stadtgesellschaft ergeben werden.
Bad Honnef gilt eher als Stadt mit einer älteren Bevölkerungsstruktur. Kann die Hochschule dazu beitragen, die Stadt zu verjüngen und neue Zielgruppen dauerhaft an Bad Honnef zu binden?
Ja, davon bin ich überzeugt. Junge Menschen bringen Vielfalt, Kreativität und neue Ideen mit, die sich positiv auf Kultur, Vereine und das gesellschaftliche Leben insgesamt auswirken. Entscheidend wird dabei sein, wie wir die jungen Menschen in unserem Stadtleben mit Vereinen, Freizeitgestaltung, Brauchtum, Kultur und Sport proaktiv einbeziehen und auch, wie wir die Studentinnen und Studenten nach ihrem Studium in unserer Stadt halten können. Für einen dauerhaft attraktiven Wohn- und Lebensort braucht es Wohnraum, der auch für junge Erwerbstätige und junge Familien bezahlbar ist, ein gutes Angebot für Nahversorgung und auch Naherholung, aber auch eine gute Verkehrsinfrastruktur, um Arbeitsorte in der Region schnell und komfortabel erreichen zu können.
Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die lokale Wirtschaft – etwa für Gastronomie, Einzelhandel, Wohnungsmarkt und Dienstleistungen? Wird die Stadt die Ansiedlung studentischer Angebote aktiv unterstützen?
Die rund 1.400 Studentinnen und Studenten bedeuten eine zusätzliche Frequenz und neue Bedarfe. Dadurch ergeben sich neue Chancen nicht nur für die Gastronomie, den Einzelhandel und Dienstleister.
Als Stadt werden wir diese Entwicklung selbstverständlich begleiten. Dazu gehört auch, den Austausch zwischen Hochschule, Studentinnen und Studenten, Wirtschaft und weiteren Akteuren zu unterstützen. Welche konkreten Angebote sich daraus entwickeln, wird sich zeigen. Entscheidend ist, frühzeitig miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Alanus Hochschule steht für Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Dialog. Welche Impulse erwarten Sie für das kulturelle Leben in Bad Honnef? Gibt es bereits Überlegungen für gemeinsame Projekte zwischen Stadt und Hochschule?
Das Profil der Alanus Hochschule passt hervorragend zu Bad Honnef. Wir wünschen uns ausdrücklich, dass sich die Hochschule in die Bad Honnefer Stadtgesellschaft einbringt.
Konkrete Projekte stehen aktuell noch nicht fest. Nach der Entscheidung der Hochschule werden wir nun in den Dialog mit der Hochschulleitung treten. Ich sehe großes Potenzial für gemeinsame Ideen und Kooperationen, beispielsweise im kulturellen Bereich, mit Bildungseinrichtungen, Vereinen oder anderen Partnern in unserer Stadt.
Mit 1.400 Studierenden wächst auch der Bedarf an Mobilität, Wohnraum und Freizeitangeboten. Wo sieht die Stadt den größten Handlungsbedarf, um auf diese Entwicklung vorbereitet zu sein?
Themen wie Mobilität, Aufenthaltsqualität, Wohnraum und Angebote für junge Menschen werden selbstverständlich gemeinsam mit der Hochschule betrachtet.
Beim Thema Mobilität verfügt der Standort bereits über gute Voraussetzungen: Die Anbindung an den Nah- und Fernverkehr sowie die Fährverbindung auf die andere Rheinseite sind klare Vorteile. Mit dem geplanten Mobilitätsknoten werden die bestehenden Strukturen weiterentwickelt. Auch die Nahmobilität mit Bus, Rad und zu Fuß wird dabei eine wichtige Rolle spielen.
Beim Thema Wohnraum werden wir gemeinsam ermitteln, welche Bedarfe entstehen. Gleichzeitig gibt es durch die frühere Nutzung als Hochschule bereits bestehende Strukturen wie Wohnungen für Studentinnen und Studenten, auf denen aufgebaut werden kann.
Wie wichtig ist die Ansiedlung einer Hochschule für das Image Bad Honnefs als Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort? Erwarten Sie dadurch auch neue Unternehmen oder Start-ups?
Diese Entscheidung ist für Bad Honnef als Bildungs-, Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort von großem Wert. Hochschulen sind Orte, an denen neue Ideen entstehen, Menschen zusammenkommen und Netzwerke wachsen. Für die Ansiedlung neuer Unternehmen im Hochschulkontext und Gründungen von Startups , die dann hoffentlich auch innerhalb unserer Stadt werden wachsen können, bräuchte es rund um den Campus entsprechende Flächenangebote. Es wird Aufgabe unserer Wirtschaftsförderung und anderer Fachdienste der Verwaltung sein, hier in den kommenden Gesprächen mit der Hochschule und auch dauerhaft ein wirtschafts- und gründungsfreundliches Angebot zu bieten, wie es in der Vergangenheit bereits in der City erfolgreich geschehen ist.
Die Entscheidung der Alanus Hochschule ist eine langfristige Weichenstellung. Wie soll Bad Honnef in zehn Jahren von dieser Entwicklung profitieren, und welche Vision verbinden Sie persönlich mit dem neuen Hochschulcampus?
In zehn Jahren – sicherlich schon deutlich früher – werden wir sagen: Die Alanus Hochschule ist nicht nur nach Bad Honnef gezogen, sondern hier wirklich angekommen. Sie ist nun ein fester Bestandteil der Stadt.
Ich wünsche mir eine lebendige Partnerschaft mit der Hochschule, die durch Veranstaltungen, gemeinsame Projekte und einen engen Austausch wächst. Wenn uns das gelingt, können Hochschule und Stadt langfristig voneinander profitieren.










