Kiezkaufhaus: SPD fragt nach Daten und liest „Lyrik“

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Bad Honnef – Die Idee hat Charme: Online in Bad Honnefer Geschäften einkaufen, umweltfreundlich per Lastenfahrrad liefern lassen. Mit dem Online-Modell Kiezkaufhaus wollte die Stadt den Handel in Bad Honnef retten. Problem: Hohe Teilnehmergebühren, hohe Provisionen, hohe Transportkosten, kaum Teilnehmer, kaum Kunden. Bei Lieferkosten bis zu sieben EUR ein Service für Reiche. Auch Sonderaktionen führten nicht zu Verbesserungen.

Im Sommer sollte über die Zukunft des mit 200.000-EUR geförderten Projekts im Hauptausschuss und im Rat entschieden werden. Der Tagesordnungspunkt wurde allerdings abgesetzt. Die Verwaltung veröffentlichte  einen Kosten-Nutzen-Vergleich ab 1.7.2019. Im Ergebnis wies er in 2019 Verluste von 30.982 EUR aus. Auch in den folgenden Jahren rechnet sich das Modell offensichtlich nicht. Selbst 2022 sollen nach Berechnungen der Stadt Verluste in Höhe von knapp 14.000 EUR anfallen.

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Als Partner suchte sich die Stadt die Agentur Scholz & Volkmer GmbH aus Wiesbaden aus. Die präsentiert zwar auf ihrer Website 16 Auszeichnungen, weist aber selbst nur noch 13 teilnehmende Händler aus – obwohl Wiesbaden elf Mal so viele Einwohner hat wie Bad Honnef. Gestartet war sie mit über 30 Händlern.

Nun wollte die Bad Honnefer SPD Klarheit von der Verwaltung und bat um Daten, „um Erfolg oder Misserfolg und die Zukunftsaussichten besser beurteilen zu können – auch in Bezug auf evtl. finanzielle Belastungen der Stadt, die ja letztlich von den Bürgerinnen und Bürgern über Steuern und Gebühren mitgetragen werden“, so die SPD-Fraktion.

Die Antwort kurz vor Weihnachten löste offensichtlich Kopfschütteln aus. Auf konkrete Fragen nach Umsätzen, Kosten, Erlösen, Entwicklung der Teilnehmerzahlen und noch erforderlichen Investitionen sei eine Antwort aus dem Bürgermeisterbüro gekommen, die der SPD-Pressesprecher Klaus Munk als „reine Lyrik“ bezeichnet. Munk: „Keinerlei Zahlen sind vorgelegt worden sondern nur blumige Aussagen wie „Ziele zufriedenstellend erreicht“, „Händler stehen in den Startlöchern“, „tendenzieller Anstieg“, „positive Rückmeldungen“, „man muss langfristig denken“.

Der Fraktionsvorsitzende Guido Leiwig kommentiert: „Käme ein Existenzgründer nach einem Jahr mit einem solchen Bericht über das bisherige Ergebnis seiner Bemühungen zu einer Bank, er wäre schneller draußen als drinnen.“ Nach Auffassung der SPD lässt dieses „auffällige Vermeiden jeder konkreten Aussage eher auf einen veritablen Flop als auf eine positive Entwicklung schließen“.

Leiwig: „Der Bürgermeister mag uns vom Gegenteil überzeugen und endlich belastbare Zahlen vorlegen.“

 

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