Klimakonferenz kommt an den Hagerhof

Von Laura Schelo, Schülerin Schloss Hagerhof

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Foto: Claudia Hennerkes

Bad Honnef – Pressekonferenzen, Verhandlungen, Interviews und Skandale. Das, was man normalerweise nur aus der Politik kennt, durften die Schüler:innen des Gymnasiums Schloss Hagerhof in der vergangenen Woche hautnah erleben. Das jährlich durchgeführte Planspiel brachte die 30 Teilnehmer:innen dazu, sich näher mit dem Thema Klima zu beschäftigen.

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Durch ein Planspiel werden reale Situationen simuliert und Entscheidungsprozesse nachgeahmt. Ziel ist es, dass alle Beteiligten schlussendlich einen gemeinsamen Konsens finden. Am Modell einer (vereinfachten) Faktenlage werden von den Schüler:innen Handlungsentscheidungen gefordert und deren Auswirkungen geprüft. Hagerhof-Lehrer Joachim Harting führt das Planspiel seit mehr als 20 Jahren durch.

Die Schüler:innen wurden in sieben verschiedene Gruppen eingeteilt, die wichtige Organe in der „Klimakrise“ nachbildeten. China, Deutschland, OPEC (Organisation of the Petroleum Exporting Countries), AoSIS (Alliance of Small Island States), die Umbrella-Group und die Fridays for Future Bewegung diskutierten, um am Ende der beiden Tage einen gemeinsamen Vertrag der UNEP (United Nation Environment Programm), einer Unterorganisation der UN, zu verhandeln. Die Fragestellung dabei lautete: „Was soll, kann oder muss sich jetzt ändern und wie geht das konkret?“

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Foto: Claudia Hennerkes

Eine Presse, die stetig anregende Artikel veröffentlichte, durfte natürlich auch nicht fehlen. Geleitet wurde der „Klimagipfel“ von Laura Schelo und Jane Baumgärtner, die die Teilnehmenden durch beide Tage führten.

Das Planspiel ist keine neue Aktion am Hagerhof. Schon seit Jahren wird es für Schüler:innen der Stufen neun, zehn und elf angeboten. Das Ziel: eigenständiges Lernen. Die Durchführung des Planspiels erlebte dieses Jahr eine Premiere: Schülerin Laura Schelo verfasste eine Facharbeit über das Spiel, in der sie es von Grund auf erneuerte. In den vorherigen Jahren bekamen die Spieler immer ein sogenanntes Storybook, in dem die Informationen für die einzelnen, fiktiven

Gruppen standen und somit sich stetig wiederholte. Doch in der neuen, verbesserten Version gibt es kein Playbook und es werden echte Länder und Gruppen vertreten. Folglich müssen sich die Spieler ihre Informationen selbst zusammensuchen, indem sie Internetrecherche betreiben.

Da sich die Standpunkte der Politik regelmäßig ändern, bleibt das Spiel aktuell und es gibt jedes Jahr neue Informationen – es bleibt also spannend. Außerdem hat Laura Schelo eine sogenannte Hauptverhandlungsphase in den Ablauf des Planspiels eingearbeitet. In dieser wird ein Vertrag für alle Parteien diskutiert. Der Vertrag wird von weiteren Verträgen zwischen zweierlei Parteien unterstützt, die in den Verhandlungsphasen geschlossen werden konnten. Des Weiteren kam Laura Schelo auf die Idee, das Thema des Planspieles zu wechseln. Nun soll es sich nicht mehr um einen fiktiven Krieg handeln, stattdessen ist das Thema der Klimawandel.

Das Ergebnis des Planspiels war ein realitätsnahes Spiel. Während das Spiel lief, versetzten sich die Schüler:innen alle in ihre Rollen hinein. Unter neuen Namen zogen sie sich zusammen in Besprechungsräume zurück, um Taktiken zu entwickeln. Bei den Pressekonferenzen sprach jeweils ein Pressesprecher auf der Bühne. Dabei hakten die Reporter:innen mit geschickt formulierten Fragen nach, hitzige Diskussionen entwickelten sich nicht selten, dies nutzte die Presse gerne aus. Nach den Pressekonferenzen war sofort schnelles Tippen auf den Tastaturen zu hören. Unter den Namen und im Stil bekannter Zeitungen wurden die Konferenzen ausgewertet und Skandale veröffentlicht. „Haben die Vertreter von Fridays for Future gerade etwa wirklich Chicken Nuggets gegessen?“ „Ausbrüche bei der Hauptversammlung – Wird China gegen die OPEC in den Krieg ziehen?“ Diese und viele weitere Artikel wurden von der Pressegruppe in Rekordzeit recherchiert, getippt und veröffentlicht.

In den vielen Hauptversammlungen wurde schlussendlich eine gemeinsame Lösung gefunden. Der Vertrag wurde in großer Runde von Vertretern der Gruppen unterschrieben. Alle äußerten sich im Namen der zugewiesenen Rolle, ob ihre Interessen vertreten wurden.

Beeindruckend waren die politischen Affinitäten der Teilnehmer:innen. Nicht ein einziges Mal wurden die Rollen gebrochen. Die Absichten der eigenen Rolle durchzusetzen, das stand an höchster Stelle.

Noch bei den Nachbesprechungen konnte man die Spannung in der Luft spüren. Die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer:innen war unglaublich, einem Argument folgte das andere, auf jeden kleinsten Fehler des Gegenübers wurde geachtet, um diesen auszunutzen.

Die Entwicklerin des Spiels, Laura Schelo, ist positiv überrascht von den Ergebnissen. „In den vergangenen Tagen haben sich alle super in ihre Rollen eingefügt und sich in die Verhandlungen gestürzt. Ich bin beeindruckt, wie gut die Gruppen repräsentiert wurden. Meiner Meinung nach ist der letztendlich geschlossene Kompromiss hervorragend ausdiskutiert worden.“

 

 

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