Bad Honnef. Vielleicht sind Sie auch schon an dieser Skulptur im Honnefer Kurgarten vorbeigelaufen und haben sich gefragt, von welchem Künstler sie ist und was die Geschichte zu dieser Skulptur ist. Ich möchte den Hintergrund mit diesem Interview aufklären.
C. Solzbacher: Lieber Christian, von Deinem Bruder Stefan erfuhr ich vor einigen Jahren, dass Du der Künstler bist, der diese Skulptur in unserem Kurpark geschaffen hat. Das hat mich sehr gefreut, weil ich Deine Familie seit Jahrzehnten kenne. Kannst Du uns erzählen, wie die Skulptur in den Kurpark von Bad Honnef kam?
Ch. Breme: Gerne! Diese Kindergruppe hat den Namen «Die Helden». Sie wurde schon 1995 gegossen und 1998 hier aufgestellt. Anstoß gab damals die Sanierung der Brunnenanlage im Kurpark. Da wurde ein Künstler gesucht, der diesem wichtigen Ort noch einmal ein neues Gesicht geben sollte. Dass ich den Auftrag bekam, war für mich erfreulich, verband es sich, wie sich erst bei meinen Recherchen herausstellte, mit unserer weiteren Familiengeschichte. Unsere Großmutter Alice Clemens stammte aus Koblenz und hatte einen Onkel namens Carl Weckbecker, der sein Vermögen eingesetzt hatte, um dem immer schneefreien Fleck in seinem Garten in Bad Honnef auf den Grund zu gehen. Er war der Entdecker der Drachenquelle, die eine so wichtige Rolle in der Geschichte von Honnef spielen sollte.
Wer an der Kindergruppe im Kurpark vorbeikommt, hat sich vielleicht schon gefragt, wer sie geschaffen hat und welche Geschichte sich hinter der Skulptur verbirgt. Im Gespräch mit dem Bildhauer Christian Breme wird deutlich, dass das Werk „Die Helden“ weit mehr ist als ein Kunstobjekt: Es entstand im Zuge der Neugestaltung der Brunnenanlage Ende der 1990er Jahre und steht zugleich in einer besonderen Verbindung zur Geschichte Bad Honnefs und zur Familie des Künstlers. Anlass für das Interview ist der bevorstehende Umzug der Alanus Hochschule nach Bad Honnef, an der Breme zu den ersten Studierenden gehörte. Er erzählt von der Entstehung der Skulptur, seiner künstlerischen Motivation und der inspirierenden Atmosphäre der jungen Hochschule.
C. Solzbacher: Kurz etwas zum historischen Hintergrund: Die Erschließung der Quelle 1897 auf dem an der Steinstraße gelegenen Grundstück von Carl Weckbecker (1850-1900) läutete die Entwicklung Bad Honnefs zum Heilbad ein, so liest man. Mit der Mineralquelle und deren Einweihung 1898 wurde Bad Honnef Badestadt. 1998 feierte sie also ihren 100. Geburtstag. Und wie kam man auf Dich als Künstler?
Ch. Breme: Nach dem Studium an der Alanus Hochschule war ich 12 Jahre Klassen- und Kunstlehrer an der Waldorfschule in Tannenbusch. Ein Vater aus der Elternschaft war damals Baudezernent in Bad Honnef. Von daher kannte er meine plastischen Arbeiten. Er selbst hat in Absprache mit dem Bürgermeister in den späten 90er Jahren die Initiative für eine Neugestaltung der Brunnenanlage ergriffen und Spender für das Projekt gesucht. Ich wurde aufgefordert, einen Entwurf zu machen, der in den Entscheidungsgremien auf Zustimmung stieß.
C. Solzbacher: Du warst damals einer der ersten Studenten der Alanus Hochschule. Später studierten dort auch Dein Bruder Jochen Breme und Deine Schwester Mechthild. Jochen übernahm dort auch eine Professur für Bildhauerei und hat die Hochschule maßgeblich mit aufgebaut. Nun kommt „Eure“ Hochschule nach Bad Honnef und ich musste sofort an Euch denken. Was war damals Deine Motivation, auf die Hochschule zu gehen?
Ch. Breme: Die Ideale, die sich mit dieser Neugründung 1973 verbunden hatten, begeisterten mich sehr: Das Gespräch der Künste! Eine alte Sehnsucht, dass die Künste zu einem Erneuerungsquell der Gesellschaft werden könnten. Musik, Bildhauerei, Malerei, Sprache und Schauspiel und zuletzt die Erziehungskunst und die Kunst im Sozialen. Es war ein ungeheuer lebendiger, inspirierender Ort, der vielen jungen Menschen die Richtung zu einer beruflichen Wirksamkeit gewiesen hat. Kleine Bemerkung am Rande: Meine Skulpturen waren damals dort eher verpönt, weil niemand damals figürliche Bildnisse schuf.
C. Solzbacher: Und last not least die Frage: Was stellt die Figur nun dar?
Ch. Breme: Ich habe immer neben größeren abstrakten Skulpturen auch mal kleine figürliche Dinge in die Welt gesetzt und dabei mitunter aus der Familiengeschichte meiner kinderreichen Ursprungsfamilie geschöpft. So hieß die Skulptur tatsächlich anfangs „bang, bänger am bängsten“. Inspiration war nämlich ein Foto aus dem Familienalbum, das uns Kinder der Reihe nach vor dem strengen Nikolaus zeigte. Bei Ausstellungen bekam sie dann aber den Titel „Die Helden“, was im Grunde ja nur der Erste in der Gruppe einlöst, hinter dessen Rücken sich die weniger Mutigen staffeln.
C. Solzbacher: Lieber Christian, danke für die Erläuterung. Man kann vielleicht noch hinzufügen, dass Deine Herkunftsfamilie aus Bonn – Oberkassel stammt. Du lebst jetzt seit längerem in der Schweiz. Du warst 35 Jahre lang als Kunst- und Werklehrer an Waldorfschulen in Deutschland und der Schweiz tätig, warst Dozent an der Akademie für anthroposophische Pädagogik in Dornach und Gastdozent in der Lehrerbildung in vielen Ländern. Heute bist Du Autor vieler pädagogischer Bücher und Aufsätze.
Ich freue mich sehr, den Hintergrund unserer Skulptur im Kurpark in dem Gespräch mit Dir aufgeklärt zu haben und damit auch auf meine Weise die Alanus Hochschule in Bad Honnef zu begrüßen. Vielleicht gibt es ja demnächst auch eine Werkbeschriftung an Deiner Skulptur.












Wunderbar. Endlich eine kompetente Erläuterung zu der beachtenswerten Kindergruppe. Ich habe gesehen, dass viele Touristen sie fotografieren. Anscheinend spricht sie viele Menschen an. Vielen Dank für die Ausführungen, die Veröffentlichung und natürlich an den Künstler!