Bad Honnef. Die Folgen des Klimawandels sind längst auch in Bad Honnef spürbar. Immer heißere Sommer, längere Trockenperioden, Starkregenereignisse und die Belastung für Menschen, Natur und Infrastruktur stellen Städte und Gemeinden vor neue Herausforderungen. Wie bereitet sich Bad Honnef auf diese Entwicklungen vor? Welche Maßnahmen sind bereits geplant oder umgesetzt, und wo besteht noch Handlungsbedarf? Honnef heute fragte bei der Stadtverwaltung nach.
Honnef heute: Die Sommer werden immer heißer, Hitzewellen dauern länger und stellen insbesondere für ältere Menschen und Kinder ein Gesundheitsrisiko dar. Welche Priorität hat der Hitzeschutz inzwischen in der Stadtpolitik von Bad Honnef?
Stadt Bad Honnef: In der Stadtpolitik hat der Hitzeschutz inzwischen eine hohe Priorität. So ist Hitzestress im Klimaanpassungskonzept unter dem Handlungsfeld „Gesundheit und Bevölkerungsschutz“ verankert. Der Maßnahmenkatalog umfasst unter anderem Warn- und Informationsangebote, die Bereitstellung von öffentlichem Trinkwasser, die Schaffung kühler Orte sowie den Hitzeschutz sozialer Einrichtungen.
Bad Honnef verfügt über stark versiegelte Bereiche, etwa die Rommersdorfer Straße oder Teile der Innenstadt. Welche konkreten Maßnahmen plant die Stadt, um solche Hitzeinseln zu entschärfen – beispielsweise durch mehr Bäume, Entsiegelung, Verschattung oder helle Beläge?
Es ist ein Maßnahmenmix aus zusätzlichen Stadtbäumen, Begrünung und Entsiegelung, Verschattung sowie baulichem Hitzeschutz vorgesehen. Die konkreten Maßnahmen werden im Einzelfall geprüft und ausgearbeitet. Beim Umbau der Rommersdorfer Straße kommen bereits hellgraue Beläge in Rand- und Querungsbereichen zum Einsatz. Unter anderem mithilfe von Hitzekartierungen sollen weitere konkrete Standorte für Bäume, Sitzgelegenheiten, Trinkwasserangebote oder angenehmere Haltestellen bestimmt werden.
Viele Kommunen entwickeln inzwischen Hitzeaktionspläne. Gibt es in Bad Honnef bereits einen solchen Plan oder wird derzeit daran gearbeitet? Welche konkreten Maßnahmen sollen bereits im kommenden Sommer umgesetzt werden?
Die wesentlichen Bausteine eines Hitzeaktionsplans sind im Klimaanpassungskonzept enthalten, dessen Umsetzung in der letzten Ratssitzung am 16. Juli 2026 beschlossen wurde. Bereits vorhanden oder im Jahr 2026 erprobt sind die Kühle-Orte-Karte, Hitzeinformationen, Trinkwasser-Auffüllmöglichkeiten, Hitzekartierungen und eine Nebeldusche an einer Schule. Der Arbeitsplan für die Stadtverwaltung zur Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes sieht unter anderem die Einrichtung weiterer öffentlicher Trinkwasserstellen, die hitzesichere Umgestaltung sozialer und städtischer Einrichtungen sowie die Gestaltung einer Kampagne zur Steigerung der Selbsthilfefähigkeit bei Hitze vor. Der Umfang der Umsetzung hängt vom kommenden städtischen Haushalt und den verfügbaren Ressourcen ab.
Hitze betrifft auch den Alltag der Bürgerinnen und Bürger. Wird die Stadt darüber nachdenken, Öffnungszeiten städtischer Einrichtungen – etwa des Rathauses – während extremer Hitze anzupassen oder zusätzliche digitale Dienstleistungen anzubieten, damit Wege in der Mittagshitze vermieden werden können?
Die Stadt Bad Honnef hat ihre digitalen Angebote massiv ausgebaut – unabhängig von der Hitzesituation. Seit Mai 2026 ist das neue Bürgerportal online. Bürgerinnen und Bürger können dort unabhängig von den Öffnungszeiten Dienstleistungen aus den Bereichen Baugenehmigung, Ordnung, Gewerbe und An- und Abmeldung beantragen. Für das Bürgerbüro besteht zudem die Möglichkeit, komplizierte und individuelle Termine online zu buchen. Damit können die meisten Dienstleistungen entweder digital beantragt oder mit einem individuell vereinbarten Termin vor Ort erledigt werden. Somit können die Bürgerinnen und Bürger der Stadt die Mittagshitze vermeiden. Dennoch arbeiten wir stetig daran, das Angebot an digitalen Dienstleistungen weiter auszubauen.
Auch der Einzelhandel leidet unter den hohen Temperaturen. Könnte sich die Stadt vorstellen, gemeinsam mit den Geschäftsleuten über flexiblere Öffnungszeiten nachzudenken – etwa längere Öffnungen in den Abendstunden nach dem Vorbild südeuropäischer Städte?
Rechtlich gesehen dürfen Geschäfte in Nordrhein-Westfalen montags bis samstags grundsätzlich rund um die Uhr öffnen. Welche Öffnungszeiten sie tatsächlich anbieten, bleibt den Unternehmen überlassen.
Wie werden besonders gefährdete Menschen geschützt? Gibt es Pläne für mehr öffentliche Trinkwasserstellen, zusätzliche Schattenplätze, klimatisierte Aufenthaltsräume oder ein gezieltes Informationsangebot für Senioren und Pflegeeinrichtungen?
Eine eigene Hitzeschutzseite, Informationsmaterial und die Kühle-Orte-Karte richten sich insbesondere an ältere Menschen, Kinder und Personen mit gesundheitlichen Vorbelastungen. Geplant sind mehr Trinkwasserangebote, zusätzliche kühle Aufenthaltsorte, ein kommunales Warnsystem beziehungsweise ein Hitzetelefon sowie hitzerobustere soziale Einrichtungen. Öffentliche Trinkbrunnen befinden sich auf der Insel Grafenwerth und in der Fußgängerzone der Innenstadt. Zudem gibt es weitere Auffüllmöglichkeiten über die Refill-Initiative.
Viele Bürger fragen sich, ob Bad Honnef auf den Klimawandel noch mit den Planungen von gestern reagiert. Werden künftig alle größeren Bau- und Verkehrsprojekte – vom Straßenumbau bis zu neuen Baugebieten – einem verbindlichen Hitze- und Klimacheck unterzogen?
Die Erarbeitung von Richtlinien für Klimaschutz und Klimaanpassung in der Bauleitplanung ist Teil des im Jahr 2023 beschlossenen Klimaschutzkonzepts der Stadt. Die Maßnahme befindet sich derzeit in der Bearbeitung.










