Bad Honnef. Die Stadt Bad Honnef stellt sich auf die Folgen des Klimawandels ein. Der Rat hat in seiner Sitzung am Donnerstag (16. Juli) das Klimaanpassungskonzept beschlossen. Es soll den strategischen Rahmen schaffen, um die Stadt besser gegen zunehmende Hitze, Trockenperioden und Starkregen zu wappnen.
Die Auswirkungen des Klimawandels sind auch in Bad Honnef längst spürbar. Heiße Sommertage und Tropennächte nehmen zu, längere Dürrephasen belasten Pflanzen und Böden, während Starkregen immer häufiger zu lokalen Überflutungen führen kann. Betroffen sind nicht nur Natur und Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Menschen, die Infrastruktur und die Lebensqualität.
„Mit dem Klimaanpassungskonzept schaffen wir die Grundlage, um diesen Herausforderungen gezielt zu begegnen. Unser Ziel ist es, Bad Honnef auch in Zukunft als lebenswerte Stadt zu erhalten. Wir wollen frühzeitig Vorsorge treffen, statt später Schäden bewältigen zu müssen“, erklärt der Erste Beigeordnete Holger Heuser.
Klimarisiken analysiert
Grundlage des Konzepts ist eine umfassende Klimarisikoanalyse. Sie zeigt auf, welche Bereiche der Stadt besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels sind und wo vorrangig gehandelt werden muss. Darauf aufbauend wurden konkrete Maßnahmen entwickelt, die auf die örtlichen Gegebenheiten zugeschnitten sind.
Im Mittelpunkt steht ein Katalog mit insgesamt 34 Maßnahmen. Vorgesehen sind unter anderem:
- mehr Stadtgrün und Baumpflanzungen,
- die Entsiegelung von Flächen,
- eine stärkere Berücksichtigung der Klimaanpassung bei Neubauten und Sanierungen,
- Maßnahmen zum Bevölkerungsschutz,
- sowie Informationsangebote, die Bürgerinnen und Bürger bei der eigenen Vorsorge unterstützen.
Bürger waren beteiligt
Erarbeitet wurde das Konzept nicht allein in der Verwaltung. Neben fachlichen Untersuchungen flossen die Ergebnisse öffentlicher Veranstaltungen, einer Online-Beteiligung sowie Gespräche mit Vereinen, Unternehmen, politischen Gremien, dem Klima- und Umweltbeirat und verschiedenen Fachbereichen der Stadt ein.
Die Umsetzung wird nach Angaben der Stadt schrittweise erfolgen und regelmäßig überprüft. Ein Monitoring soll dokumentieren, welche Maßnahmen umgesetzt wurden und wie wirksam sie sind.
„Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Stadtverwaltung kann zwar wichtige Rahmenbedingungen schaffen und Maßnahmen vorantreiben, doch eine klimaangepasste Stadt kann nur gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie den vielen Akteuren vor Ort gelingen“, betont Klimaanpassungsmanager Ilja Illert.
Abschlussveranstaltung im November
Die Ergebnisse des Klimaanpassungskonzepts werden am Donnerstag, 5. November 2026, um 18 Uhr im Rathaus vorgestellt. Gleichzeitig soll dort der Startschuss für die Umsetzung der ersten Maßnahmen erfolgen. Die Veranstaltung ist öffentlich, alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen.
Das vollständige Klimaanpassungskonzept steht auf der Internetseite der Stadt Bad Honnef zum Download bereit.
Beispiel Selhof Süd: Um wieviel Grad würde sich die Erde erwärmen?











Wenn Honnef schläft, kühlt Selhof-Süd
„Frühzeitig Vorsorge treffen, statt später Schäden bewältigen zu müssen“ – diesem Satz kann man nur zustimmen.
Das Klimaanpassungskonzept fordert mehr Stadtgrün, weniger Versiegelung, den Erhalt natürlicher Bodenfunktionen und eine konsequente Berücksichtigung der Klimafolgen bei der Stadtentwicklung. Selhof-Süd zeigt, wie ernst es der Stadt mit diesen Zielen ist: Das Konzept weist die dortigen Grünflächen ausdrücklich als Kaltluftentstehungsgebiet aus. Sie kühlen nachts die Umgebung in einer Tallage, die schon heute zu den besonders hitzebelasteten Bereichen Bad Honnefs gehört. Dennoch wird erwogen, eine der größten zusammenhängenden Grün- und Freiflächen der Stadt zu bebauen. Das ist ein eklatanter Widerspruch.
Während Bürger ihre Gärten begrünen sollen, Schulhöfe entsiegelt werden und einzelne Plätze durch neue Bäume Kühlung erhalten, ginge in Selhof-Süd eine bereits wirksame, großräumige Kühl- und Versickerungsfläche verloren. Es wäre paradox, im Quadratmetermaßstab mühsam Kühlung zurückzugewinnen und gleichzeitig eine Fläche zu opfern, die diese Funktion längst erfüllt.
Gründächer, Rigolen und neu gepflanzte Bäume können die Folgen eines Baugebiets mindern. Aber sie ersetzen keinen gewachsenen Boden und kein bestehendes Kaltluftentstehungsgebiet.
Klimaanpassung beginnt nicht beim „Wie“, sondern beim „Ob“.
Ein Konzept ist erst glaubwürdig, wenn es politische Entscheidungen verändert. Selhof-Süd wird zum Prüfstein dafür.