Bad Honnef. Wer am Samstagabend im DragonDome auf ein entspanntes Basketballspiel gehofft hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Im Duell zwischen den Dragons Rhöndorf und der zweiten Mannschaft aus Rostock entwickelte sich ein echter Krimi – mit dem besseren Ende für die Gastgeber: 81:79.
Von Beginn an gaben die Dragons vor heimischer Kulisse den Ton an. Angetrieben von ihren Fans erspielten sie sich immer wieder Vorteile und lagen über weite Strecken der Partie in Führung. Doch wie so oft in dieser Saison machten sie es unnötig spannend.
Kurz vor Ende des dritten Viertels kippte das Spiel: Rostock ging in Führung und schien das Momentum auf seiner Seite zu haben. Doch Juhwan Harris-Dyson behielt die Nerven und sorgte mit einem wichtigen Zweipunktewurf mit der Schlusssirene des dritten Abschnitts für den Ausgleich.
Im Schlussviertel folgte jedoch zunächst ein Rückschlag für die Dragons. Die Gäste setzten sich zwischenzeitlich auf 71:63 ab. Unkonzentriertheiten, Ballverluste und eine schwache Chancenverwertung brachten die Hausherren in Bedrängnis. Doch Rhöndorf kämpfte sich zurück: Beim Stand von 67:74 starteten die Dragons einen beeindruckenden Lauf und drehten das Spiel erneut – plötzlich lagen sie wieder mit einem Punkt vorn.
Die Schlussphase hatte es dann in sich. Beim Stand von 79:79 lag die Spannung förmlich in der Luft, die Zuschauer stellten sich bereits auf eine Verlängerung ein. Doch dazu sollte es nicht kommen: Duje Dujmovic bekam zweimal zwei Freiwürfe zugesprochen. Zwei erzielte Körbe reichten für den umjubelten Sieg für die Dragons.
Am Ende bleibt ein hart erkämpfter Erfolg, der einmal mehr zeigte, welches Potenzial in der Mannschaft steckt – aber auch, wie schnell sie sich selbst in Schwierigkeiten bringen kann. Für die Fans war es ein Abend mit hohem Puls – und einem Happy End. (Hh)
Rhöndorf krönt die Rückrunde und macht die Playoffs klar!
Von Klaus Beydemüller
Das Finale der regulären Saison zwischen Rhöndorf und Rostock ließ nichts zu wünschen übrig. Erst mit dem letzten Wurfversuch fiel die Entscheidung. Rund 915 Fans im DragonDome hielten den Atem an, doch der Wurf der Seawolves landete den Bruchteil einer Sekunde zu spät im Korb der Hausherren. Damit war der denkbar knappe 81:79-Sieg (48:39) und die Playoff-Qualifikation der Rheinländer perfekt.
Totenstill war es in der Halle, als die letzten 19 Sekunden der Partie anbrachen. Rostock hatte Einwurf und beim Stand von 81:79 die Entscheidung in eigener Hand. Jalen Page dribbelte in Rhöndorfs Zone, um ein Foul zu erzwingen, doch die Dragons verteidigten konsequent und sauber. So folgte ein Kickout auf Chris Frazier, der wenige Sekunden vor Spielende zum Dreier hochstieg. Der Ball rollte über den Ring, Jalen Page angelte sich den Rebound, setzte zum Tip-in an und traf – allerdings zu spät, die Spieluhr war bereits abgelaufen. Danach glich der DragonDome einem Tollhaus: Spieler, Trainer und Fans lagen sich in den Armen, Freudentränen kullerten.
Nachvollziehbar, denn nach dem Spielverlauf hätte wohl kaum jemand auf die Dragons gewettet. Dabei begann die Begegnung aus Sicht der Gastgeber verheißungsvoll. Rhöndorf war nicht wirklich dominant, erspielte sich im ersten Viertel aber leichte Vorteile und ging mit 18:11 in Führung. Allerdings bekam man Rostocks Jalen Page nicht in den Griff. Der agile US-Amerikaner machte mächtig Druck, riss Lücken in die Defensive der Dragons, scorte selbst oder bediente Benedict Baumgarth unter dem Korb.
Im zweiten Spielabschnitt fiel dann auch noch der gefürchtete Dreier der Gäste, und sie glichen in der 13. Minute zum 34:34 aus. Rhöndorf ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und konterte unter anderem mit zwei blitzsauberen Distanzwürfen von Kenan Reinhart sowie einem von Vuk Scepanovic zur 48:39-Pausenführung.
Nach dem Seitenwechsel kam Rhöndorf dann nicht richtig in die Gänge, und es folgte die erste wirklich kritische Phase für das Heimteam. Kurz vor Ende des dritten Viertels gingen die Seawolves erstmals in Führung (60:61). Wenig später kassierte Rhöndorfs Jorge Mejias sein viertes Foul und musste vorsichtshalber auf die Bank. Doch auch aus diesem Tief befreiten sich die Dragons und gingen mit einem 63:63 in den Schlussabschnitt.
Hier verlor Rhöndorf dann für einige Minuten die Kontrolle über das Spiel. Auf der Gegenseite legten die Gäste eine 8:0-Serie hin. Beim Stand von 63:71 schienen die Dragons auf der Verliererstraße. Doch das Team um Max Becker hat in den letzten Wochen viel Selbstbewusstsein getankt und kämpfte sich zurück. Als Juhwan Harris-Dyson mit einem Drei-Punkte-Spiel zum 74:74 ausglich, war klar: Es würde eine Schlussphase mit Haken und Ösen geben.
Als Jalen Page, mit 25 Punkten Topscorer der Begegnung, per Dreier zum 79:79 ausglich, war die Spannung auf den Rängen greifbar, und auch auf dem Spielfeld lagen die Nerven blank. Zunächst ließ Duje Dujmovic 37 Sekunden vor dem Ende einen Freiwurf liegen, dann produzierte Chris Frazier zwölf Sekunden später einen ärgerlichen Ballverlust durch ein Rückspiel. Wenig später war Duje Dujmovic wieder nur einmal von der Linie zum 81:79 erfolgreich. Darüber sprach allerdings kurz darauf niemand mehr – der Schlussakt wurde eingangs bereits erzählt.
In der Endabrechnung kämpfte sich Juhwan Harris-Dyson mit sichtlichen Schmerzen durch die Begegnung und lieferte wertvolle 15 Punkte und fünf Rebounds. Duje Dujmovic überzeugte mit neun Punkten und acht Rebounds. Kenan Reinhart war einmal mehr mit 17 Punkten Topscorer seiner Farben. Jorge Mejias (9 Pkt./7 Ass.), Vuk Scepanovic (8 Pkt.) und Benjamin Sadikovic (8 Pkt.) steuerten solide Leistungen bei. Bei Rostock überzeugten neben Jalen Page (25 Pkt.) auch Bruno Loll (17 Pkt.), Jonas Zilinskas (13 Pkt.) und Matthes Tilsen (10 Pkt./9 Reb.).
Nun stehen die Dragons doch noch in den Playoffs – womit vor fünf Wochen nicht einmal die kühnsten Optimisten gerechnet hätten. Dort trifft Rhöndorf auf Ulm II, den Spitzenreiter der ProB Süd.
Max Becker (Headcoach Dragons Rhöndorf): „Danke an alle Fans, die uns heute zum Sieg getragen haben. Es war eine unfassbare Atmosphäre und für mich unbeschreiblich so viele bekannte Gesichter zu sehen. Es war mich der emotionalste Moment, den ich bislang im Basketball erleben durfte. Ich hoffe, dass wir in den Playoffs wieder so viele Fans begrüßen dürfen. Diese Unterstützung war einzigartig und macht den Charakter der Dragons aus.
Es war heute der krönende Abschluss unseres letzten Saisonviertels. Wir haben es mit einer geschlossenen Teamleistung geschafft auf die Up and Downs im Spiel zu reagieren und haben am Ende irgendwie den Weg gefunden, das fünfte Spiel in Folge zu gewinnen und uns für die Playoffs zu qualifizieren. Wenn man bedenkt, wo wir vor fünf Wochen standen, ist das eine unglaubliche Leistung, die dieses junge Team gezeigt hat. Sich aus der Abstiegsangst so zu lösen und sich so zu entwickeln ist bemerkenswert. Jetzt gilt es erstmal ein paar Tage durchzuatmen und dann den vollen Fokus auf Ulm zu setzten. Jetzt haben wir nichts mehr zu verlieren.“
Dragons Rhöndorf: Schmid, Harris-Dyson (15 Pkt.), Dujmovic (9/8 Reb.), Ilic (13/1-3er/6 As.), Scepanovic (8/2), Reinhart (17/2), Diallo, Böning (2), Mejias (9/7 As.), Sadikovic (8)
Seawolves Academy: Baumgarth (4 Pkt.), Schmundt (2), Freitag, Tilsen (10/9 Reb.), Page (25/4-3er/7 As.), Rühling, Zilinskas (13/2), Loll (17/3), Frazier (7)
Dragons Rhöndorf / Seawolves Academy: 2er 24/45 (53%) / 19/36 (53%), 3er 5/16 (31%) / 9/36 (25%), FG 29/61 (48%) / 28/72 (39%), FT 18/25 (72%) / 14/18 (78%), REB 41 / 37, ST 8 / 7, TO 17 / 11, BS 3 / 1, PF 19 / 23









