Bonn. Das Projekt einer Seilbahn in Bonn ist einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Nach Angaben von Stadtverwaltung und Stadtwerken wurde die Trasse gemeinsam mit dem Programmsteuerer Drees & Sommer in den vergangenen Monaten nahezu finalisiert. Auch zentrale Kennzahlen wie der Nutzen-Kosten-Index sowie der Zeitplan wurden aktualisiert. Eine Inbetriebnahme ist aktuell für das Jahr 2032 vorgesehen.
Die geplante Seilbahn soll auf einer Strecke von rund 3,8 Kilometern vom rechtsrheinischen Beuel über den Rhein bis hinauf zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg führen. Insgesamt sind fünf Stationen vorgesehen. Ziel ist es, eine schnelle und staufreie Verbindung zu schaffen und insbesondere die stark belasteten Straßen in Richtung Venusberg zu entlasten.
„Die Seilbahn ist ein strategisches Leuchtturmprojekt für die Bonner Nahverkehrsplanung. Sie ist die bestmögliche, staufreie Verbindung über den Rhein, mit der wir unter anderem eine Entlastung der sehr stark befahrenen Straßen hinauf zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg erreichen wollen“, betont Oberbürgermeister Guido Déus. „Die Kosten werden transparent in die Haushaltsplanung 2027/28 eingeordnet. Trotz steigender Preise bleibt die Seilbahn, die breite Unterstützung im Stadtrat genießt, dank hoher Förderquoten attraktiv – allerdings unter dem Vorbehalt einer dauerhaft tragfähigen Finanzierung. Deshalb führen wir die Planungen konsequent zu Ende und entscheiden erst nach der Planfeststellung und auf Basis aller Fakten über die bauliche Umsetzung“, macht der Oberbürgermeister deutlich.
Auch bei den Stadtwerken sieht man das Projekt als richtungsweisend: „Die Bonner Seilbahn zählt zu den Pionierprojekten, weil wir zu den ersten in Deutschland gehören, die eine vollständige Integration in den Öffentlichen Personennahverkehr realisieren wollen. Sie soll kein Tourismus-Gadget sein, sondern ein hochfrequentes Verkehrsmittel. Zum modernen Seilbahn-Fuhrpark gehören 95 barrierefreie Kabinen, die im 20 bis 40-Sekundentakt abheben, und auch Fahrräder, Kinderwägen sowie Rollstühle befördern werden. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl der Bau als auch der Betrieb finanzierbar sind“, betont SWB-Konzerngeschäftsführerin Anja Wenmakers.
Deutlich verbesserter Nutzen-Kosten-Wert
Ein wichtiger Meilenstein ist die aktuelle Bewertung der Wirtschaftlichkeit. „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Seilbahn ein sinnvolles Projekt. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Nutzen-Kosten-Tendenz von 1,79 und liegen damit deutlich über 1,0, dem Schwellenwert für eine Förderung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG)“, erläutert Stadtbaurat Helmut Wiesner. „Gegenüber der alten Berechnungsmethode nimmt die Bewertung seit der jüngsten Erhebung im Jahr 2022 eine breitere gesamtwirtschaftliche Perspektive ein, das heißt sie geht spezifischer auf Mobilitätsformen wie die Seilbahn ein und ist insgesamt klimaorientierter ausgerichtet.“
Die Gesamtinvestition wird derzeit auf rund 155 Millionen Euro netto geschätzt. Ein Großteil davon soll durch Fördermittel gedeckt werden. Für die Stadt Bonn verbleibt nach aktuellem Stand ein Eigenanteil von etwa 17,6 Millionen Euro. Die jährlichen Betriebskosten werden auf rund 5,2 Millionen Euro beziffert.
Optimierte Trasse und Standorte
Im Zuge der Detailplanung wurde die Streckenführung an mehreren Punkten angepasst. So wird die Rheinquerung etwas weiter südlich erfolgen. Auch die Lage einzelner Stationen wurde optimiert, um bessere Umsteigemöglichkeiten zu schaffen, Eingriffe zu reduzieren und Kosten zu senken.
Zu den wichtigsten Änderungen zählen:
Schießbergweg: Verschiebung näher an die geplante S-Bahn-Linie 13
Rheinaue: Anpassung zur Vermeidung von Stützen auf Firmengelände
UN Campus: Verbesserte Wegeführung für Fahrgäste
Loki-Schmidt-Platz: Standort bleibt unverändert
Universitätsklinikum: Verlagerung auf Parkplatzfläche mit besserer Anbindung
Insgesamt wird die Anlage auf 22 Stützen errichtet und soll täglich bis zu 15.000 Fahrgäste transportieren. Ein Großteil davon sind zusätzliche Fahrten, die voraussichtlich vom Auto auf den ÖPNV verlagert werden.
Nächste Schritte bis 2032
Die weitere Planung ist klar strukturiert: Bis Ende 2026 soll die Vorplanung abgeschlossen sein. Anschließend folgt die Ausschreibung, sodass bis Ende 2027 ein Totalunternehmer beauftragt werden kann. Das Planfeststellungsverfahren ist ab Mitte 2028 vorgesehen. Erst danach fällt die endgültige Entscheidung über den Bau.
„Die Planung hat einen hohen Reifegrad erreicht – technisch, organisatorisch und in der Abstimmung mit den Beteiligten. Die Trasse liegt in einer weitgehend finalen Fassung vor, zentrale Fragen sind geklärt. Damit ist auch der weitere Terminplan sauber strukturiert, so dass wir die nächsten Schritte geordnet angehen und zielstrebig auf die Inbetriebnahme im Jahr 2032 hinarbeiten können“, sagt Sebastian Beck von Drees & Sommer.
Ob die Seilbahn tatsächlich gebaut wird, hängt jedoch maßgeblich von der finanziellen Leistungsfähigkeit der Stadt ab. Angesichts der angespannten Haushaltslage wird die Umsetzung im Zuge der Haushaltsplanung 2027/28 sowie der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans nochmals intensiv geprüft werden.










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