Nonnenwerth hilft: Sport für die Ukraine

Schülervertretung des Inselgymnasiums organisiert Spendenaktion – Sponsoren spenden für sportliche Leistungen – Schüler aus Ukraine halten bewegende Reden vor Schulgemeinschaft

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Die ukrainischstämmigen Nonnenwerther Elizaveta und Iwan brachten ihre aufgewühlten Gefühle angesichts des Angriffskrieges gegen ihre Heimat in Reden vor ihrer Schulgemeinschaft zum Ausdruck - Foto: Franziskus Gymnasium

Nonnenwerth – In Pausen und Sportstunden werden sich die Nonnenwerther Schülerinnen und Schüler in der nächsten Zeit oft ganz besonderen sportlichen Herausforderungen widmen, um mit ihren Leistungen den Menschen aus der vom russischen Machthaber Putin mit einem Angriffskrieg überzogenen Ukraine zu helfen. Sie werfen Basketballkörbe, geben beim Seilchenspringen alles oder laufen Inselrunden, um Spendengelder zu generieren. Sponsoren, die ihnen für eine bestimmte Anzahl Basketballkörbe, Seilsprünge oder Inselrunden Spendenbeträge versprechen, akquirieren sie zuvor.

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Am 2. März setzte die Nonnenwerther Schulgemeinschaft mit einer Lichterkette entlang der B9 ein Zeichen für den Frieden – Foto: Franziskus Gymnasium

Seit jeher ist die Nonnenwerther Schulgemeinschaft sozial besonders engagiert. So veranstaltet sie seit vielen Jahren regelmäßig einen 24-Stunden-Spendenlauf für wohltätige Zwecke – beim letzten vor Corona möglichen Lauf wurden über 30.000 Euro an Spendengeldern erlaufen – und etliche Schülerinnen und Schüler des Franziskus Gymnasiums packten auch nach der Flutkatastrophe in den Sommerferien an, um im Ahrtal zu helfen. Bereits unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hatte die Schulgemeinschaft mit einer Lichterkette entlang der B9 ein Zeichen für den Frieden gesetzt.

Bei der Auftaktveranstaltung für die Aktion „Sport für die Ukraine“ am Donnerstag, dem 17. März, hielten zwei ukrainisch-stämmige Nonnenwerther Elizaveta (MSS 10) und Iwan (MSS 11) Reden vor ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auf dem Schulhof. Sie brachten dabei ihre aufgewühlten Gefühle angesichts des Überfalls auf ihre Heimat, ihre Freunde und ihre Familie zum Ausdruck. Gleichzeitig riefen sie dazu auf, angesichts des Leids in der Ukraine als Nonnenwerther Schulgemeinschaft, ganz gleich welcher Herkunft, zusammenzuhalten. Sie hoben die Gemeinschaft insbesondere auch mit ihren russisch-stämmigen Mitschülerinnen und Mitschülern hervor: „Das ist nicht ihr Krieg, das ist Putins Krieg!“ Abschließend appellierten beide dazu, das Unrecht und die Gewalt, die dem ukrainischen Volk zugefügt wird, beim Namen zu nennen, darauf aufmerksam zu machen und es nicht zu verdrängen.

Sören Ahlhaus

Rede von Schülerin Elizaveta (MSS 10) an die Nonnenwerther Schulgemeinschaft

Es herrscht Krieg. Es ist die Realität. Es herrscht Krieg, in Europa, im 21. Jahrhundert.
Liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, liebe Lehrerinnen und Lehrer, liebe Schulgemeinschaft.

Ein Krieg ohne Zweck. Einer, der nicht diplomatisch zwischen zwei Anführern verläuft, sondern einer der Leben kostet und Blut vergießt. Das Blut unschuldiger Menschen, die in Frieden leben wollen. Menschen, die ich persönlich kenne, weil es das Volk meiner Heimat ist.

Die Ukraine ist ein selbstständiges und souveränes Land, geprägt durch ihre Freiheit und eine einzigartige Kultur. 20% des ukrainischen Volkes ist russischsprachig, von den 42, etwa 8 Millionen und sie gehören ebenso dazu wie die anderen 34 Millionen. Die russischsprachigen Menschen dort waren niemals Feinde den Ukrainern gegenüber.
Die Ukraine ist eine multikulturelle Nation, auch wenn nur zu einem kleinen Teil, aber dieser Teil gehört dazu. Ich bin in Transkarpatien geboren, einem einzigartigen Gebiet der Ukraine, wo die verschiedensten Sprachen gesprochen werden: ukrainisch, ungarisch, russisch, rumänisch, slowakisch, tschechisch, deutsch und polnisch.

Ich bin Ukrainerin, aber in meiner Familie sprechen wir auch viele Sprachen, unter anderem russisch. Ich weiß, dass wir viele russischstämmige oder -sprachige Mitschüler auf unserer Schule haben und auch in diesem Land. Viele von ihnen sind meine Freunde. Ich bitte euch diese Menschen nicht zu diskriminieren oder irgendwie anders zu behandeln als vor diesem Krieg, wenn sie die Sache nicht unterstützen, denn sie können nichts dafür und ihre Familien auch nicht. Es ist nicht ihr Krieg.

Doch diese Situation betrifft in erster Linie die Ukrainer. Ich habe Freunde, Bekannte und Familie, welche vor diesem Krieg, in Frieden, in Kiew, Charkiw und Mariupol gelebt haben, Städte unter dem momentan größten Beschuss. Die meisten von ihnen sind geflohen, nach Polen oder zu meiner näheren Familie in den Westen der Ukraine, wo die Lage sich nun auch von Tag zu Tag verschlimmert. Viele sind geblieben, um ihr Land zu verteidigen, und einige sind dabei gestorben.

Die Menschen dort haben Angst, Angst um ihr Leben. Sie wollen leben, überleben und fliehen deshalb oder kämpfen um ihre Freiheit, weil ihr Mut stärker ist als ihre Angst. Sie bleiben und kämpfen auch wenn sie wissen, dass sie dabei wahrscheinlich sterben werden. Denn wenn sie sterben, dann für ihr Land, ihr Volk, ihre Kultur, als Helden, mit Ehre.
Warum 80 Jahre in Deutschland „nie wieder“ sagen und schweigen, wenn die Bombe fällt? Ich sage das, weil ich euch dazu auffordern möchte: Schweigt nicht! Schreit! Schreit für den Frieden! Zeigt, dass diese Sache euch nicht egal ist! Wenn ihr Frieden wollt, dann zeigt das der Welt, geht da raus und zeigt es! Zeigt, dass Krieg euch nicht egal ist. Kein Land dieser Welt hat einen Krieg verdient. Lasst uns den Menschen dort zeigen, dass sie nicht alleine kämpfen. Lasst uns ihnen beistehen. Denn eines kann ich euch mit Sicherheit sagen: diese Menschen werden ihre Freiheit und ihr Land nicht aufgeben!

Zum Abschluss möchte ich euch noch etwas sagen: Wenn ihr etwas in den sozialen Medien lest, passt bitte auf. Ich nutze selbst sehr viele Plattformen und sehe täglich wie viel falsche Information fließt. Achtet darauf wer die Information veröffentlicht und wer sie weiterleitet und glaubt nicht alles was ihr seht oder hört, denn Social Media ist nicht die Realität! In keiner Weise. Schaut euch vertrauensvolle Quellen an und nicht nur eine, denn für Medien arbeiten Menschen, und Menschen sind Menschen und können auch Fehler machen.

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