Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge dringend gesucht

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Bad Honnef | Ulrike Wilhelmy aus Aegidienberg hat seit einiger Zeit einen ausgebauten Dachboden. Ohne Daud und dessen Familie hätte sie sich sicherlich an diese Arbeit nicht herangemacht. Warum auch. Für sie und ihre Familie reicht der Platz in ihrem Häuschen allemal.

Daud ist Flüchtling und kommt aus dem Irak. Als er nach einer Wohnung für sich und seine große Familie suchte, traf er Ulrike Wilhelmy. Sie sagte, gerne würde sie Wohnraum zur Verfügung stellen, allerdings habe sie nur zwei Zimmer, dann müssten sich vier Personen ein Bett teilen – womit sich Daud zufriedengegeben hätte. Die hilfsbereite Aegidienbergerin aber nicht: „Das geht doch nicht!“

Also brachte sie den Dachboden ins Spiel und gemeinsam bauten ihn ihre Familie und die Gäste aus dem Irak zum Wohnen aus. „Der ist wirklich toll geworden und dort oben ist es immer sehr aufgeräumt“, erzählte sie heute bei einem Pressegespräch in der Selhofer Oase. Eingeladen hatte der Ökumenische Netzwerk Integration e.V.

Es gibt große Not! 450 Flüchtlinge leben in Bad Honnef, 150 von ihnen haben mittlerweile die Anerkennung erhalten, müssen sich als Neukunden beim Jobcenter anmelden, um Arbeitslosengeld (ALG II) und andere Sozialleistungen zu bekommen. Nun sind sie aber auch verpflichtet, sich selbst um eine Wohnung zu kümmern, ansonsten springt das Hamsterrad an: Keine Wohnung, keine Arbeit, keine Integration.

In Bad Honnef können sich allerdings kaum noch Normalverdiener Wohnraum leisten. Laut Mietspiegel vom Februar 2017 kann eine Wohnung von 40 Quadratmetern bis zu 14 EUR/Quadratmeter kosten. Kleine Wohneinheiten werden von den Flüchtlingen gerade im Tal gesucht. Auf dem Berg gibt es mehr größere Flüchtlingsfamilien. Hier dürfen Vermieter für Wohnungen von 80 bis 120 Quadratmeter zwischen 8 und 12 EUR pro Quadratmeter fordern.

Einem Single mit ALG II steht eine Wohnung bis 50 Quadratmeter zu, die Miete könnte in Bad Honnef 700 EUR ohne Nebenkosten betragen. An Wohnzuschuss bekäme der Antragsteller lediglich rund 387 EUR.  Je nach Alter und Lebensumständen haben anerkannte Flüchtlinge Anspruch auf eine Regelsicherung zwischen 327 und 409 EUR. Unterm Strich stünde also kein Cent mehr zum Leben zur Verfügung.

Das Ökumenische Netzwerk schlägt Alarm. 116 anerkannte Flüchtlinge finden aktuell einfach keine eigene Bleibe, leben weiterhin in den städtischen Notunterkünften. Erschwerend kommt hinzu, dass sie wegen der Wohnsitzauflage nicht aus Bad Honnef wegziehen dürfen. Die landesinterne Wohnsitzauflage verpflichtet Geflüchtete, für maximal drei Jahre in der Kommune zu wohnen, in die sie als anerkannte Schutzberechtigte nach dem NRW-Integrationsschlüssel zugewiesen wurden.

Ohne Wohnung keine Integration und „erst, wenn die Flüchtlinge integriert sind, können sie auch Teil der Gesellschaft sein“, so die Erste Beigeordnete, Cigdem Bern. Sie warnt eindringlich vor der Bildung von Parallelgesellschaften.

Dabei scheint es in Bad Honnef leere Wohnungen zu geben. Rita Pütz, Flüchtlingshelferin der ersten Stunde, hat bei ihrer Suche nach Wohnungen so einigen Leerstand entdeckt. „Und wenn ich dann gefragt habe, ob die Eigentümer die Zimmer nicht an Flüchtlinge vermieten könnten, habe sie oft gehört: ‚Och, daran habe ich noch gar nicht gedacht‘.“

Was aber, wenn die anerkannten Flüchtlinge absolut keine Wohnungen finden? „Wir werden niemanden vor die Türe setzen“, versichert Nadine Batzella, verantwortlich für Aussiedleranfragen bei der Stadt Bad Honnef. Wohl wissend, dass im Extremfall auch Obdachlosigkeit droht – wie bei jedem Bürger, der in eine Krise gerät. Bislang soll noch kein Flüchtling auf der Straße liegen.

Felix Trimborn vom Fachdienst Soziales und der Vorsitzende des ökumenischen Netzwerks, Hans-Joachim Ewald, sind trotz aller Schwierigkeiten guter Hoffnung, dass Bad Honnef auch dieses Problem lösen wird. Schließlich habe die Honnefer Flüchtlingshilfe im Kreis den allerbesten Ruf. Fast alle 100 Ehrenamtlichen, die vor zwei Jahren schon dabei waren, würden sich auch heute noch engagieren.

Ex-Bürgermeisterin Wally Feiden hörte sogar Lob in Berlin. Beim Besuch der Bundestagsabgeordneten aus dem Rhein-Sieg-Kreis hätte man ihr gesagt, selbst in der Hauptstadt würde über die Bad Honnefer Flüchtlingshilfe in höchsten Tönen gesprochen.

Wer Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, kann sich an diese Stellen wenden:

Ökumenisches Netzwerk Integration e.V.
Dellenweg 2
53604 Bad Honnef
Rita Pütz
Tel.: 02224-900030
wohnung@oekumenisches-netzwerk.integration.de

Stadt Bad Honnef
Fachdienst Soziales, Bereich Asyl
Felix Trimborn
Tel.: 02224-184-185
Felix.Trimborn@bad-honnef.de

 

 

 

 

 

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