Foto: Pixabay/ivabalk

Region – Das Osterfest macht aus meteorologischer Sicht traditionell einiges her. Zu dieser Jahreszeit kann man bei uns in Mitteleuropa die volle Bandbreite des Wettergeschehens abgreifen – vom Sommergewitter bis zum Wintereinbruch. Auch in diesem Jahr wird es gewiss nicht langweilig, denn ein markanter Kaltluftausbruch steht ins Haus.

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Wenn man einen Meteorologen fragt, welches die zweithäufigste Frage nach “Bekommen wir weiße Weihnachten?” ist, die er gestellt bekommt, dann lautet die Antwort meistens: “Wie wird das Wetter zu Ostern?”.

Diese Frage ist manchmal schwerer zu beantworten als die nach Schnee zu Heiligabend, denn gerade in der Übergangsjahreszeit im März und April zeigt sich das Wetter oft von einer sehr launischen Seite. Das liegt begründet in zunehmenden Temperaturgegensätzen. Während die Sonne in Südeuropa schon kräftig einheizt, ist es in Nordeuropa auch im Frühling meist noch ziemlich kalt. Das führt dann beim stets um Ausgleich bemühten Wettergeschehen zu einer gewissen Turbulenz, die bei uns weitläufig als typisches “Aprilwetter” bekannt ist. Je nachdem, ob bei uns in Deutschland die “warme” oder die “kalte” Seite gewinnt, kann das Wetter zu Ostern dementsprechend äußerst unterschiedlich ausfallen. Von sommerlichen 25 Grad und Sonnenschein bis zu jeder Menge Neuschnee war schon alles dabei.

In diesem Jahr wird die “kalte Seite” das Spiel gewinnen. Wobei man nicht vergessen darf, dass die “warme Seite” bereits zum Zuge kam und uns Ende März sogar neue Temperaturrekorde beschert hat. Aber was passiert nun genau in der Wetterküche?

Nördlich von Großbritannien liegt auf dem Atlantik das umfangreiche Hoch “Odette”, das seine Fühler bis nach Mitteleuropa ausgestreckt hat und damit am heutigen und morgigen Osterwochenende zunächst verbreitet für Sonnenschein sorgt. Allerdings macht “Odette” im Laufe des Sonntags zunehmend einen Rückzieher Richtung Norden. Das führt dazu, dass die Luftströmung am östlichen Rand des Hochs, unter dem wir dann liegen, zunehmend auf Nord dreht. Gleichzeitig befindet sich über Nordskandinavien noch ein Tiefdruckgebiet, das auf seiner Rückseite ebenfalls die Luft nach Süden schaufelt. Freie Bahn also für die dort befindliche kalte Polarluft, die nun in der Nacht zum Montag zwischen
diesen beiden Druckgebieten ungehindert nach Süden rauschen kann und uns am Ostermontag fluten wird.

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Das Ganze bleibt natürlich nicht folgenlos. Mit diesem Kaltlufteinbruch geht eine markante Kaltfront einher, die am Montagmorgen Norddeutschland erreicht und im Laufe des Ostermontags nach Süden durchzieht. An dieser Kaltfront frischt zunächst einmal
der Wind kräftig auf. An den Küsten und im Bergland muss dann mit teils schweren Sturmböen gerechnet werden. Gleichzeitig hat die Front eine Menge Niederschlag im Gepäck. Zunächst regnet es in einem breiten Streifen, der sich im Laufe des Tages von Nord nach Süd verlagert. Dabei fließt dann die Polarluft ein und sorgt für ein schlagartiges Absinken der Schneefallgrenze, sodass auf der Rückseite der Front im Tagesverlauf vor allem in höheren Lagen bereits der erste Schnee fallen kann. Am Abend erreicht die Kaltfront dann auch den süddeutschen Raum und die Alpen. Mit dem tagesgangbedingten
Temperaturrückgang sinkt die Schneefallgrenze noch weiter ab, so dass am Montagabend in Süddeutschland nahezu überall Schnee fällt. An den Alpen können dabei die Schneefälle staubedingt auch länger anhalten und durchaus nennenswerte Neuschneemengen von 10 bis 20 cm bringen.

Auch nach dem Durchzug der Kaltfront bleibt es weiter spannend, denn die kalte Polarluft legt ihren Weg unter anderem über die vergleichsweise warme Nordsee zurück. Manch Leser kann sich sicher jetzt schon denken, was passiert: Es bilden sich dadurch jede Menge
Schauer und Gewitter, die ihren Weg ins Landesinnere suchen. Und dadurch, dass die Luftmasse sehr kalt ist (in 5000 m Höhe sinken die Temperaturen teils auf unter -40 Grad), fallen diese dementsprechend kräftig aus. Wenn sich die Polarluft dann am Dienstag endgültig überall durchgesetzt hat, bekommen wir somit einen Aprilwettertag wie aus dem Bilderbuch. Es wird alles geboten: Sonne, Wolken, Regen, Schneeregen, Schnee, Graupel, Gewitter und kräftiger Wind im ständig wechselnden Takt.

Das Ganze hält anschließend noch bis zum Mittwoch an, erst ab Donnerstag beruhigt sich das Wettergeschehen etwas. Bis die Temperaturen aber wieder steigen, muss man voraussichtlich noch bis zum nächsten Wochenende warten. Bis dahin bleibt es vorerst bei Höchstwerten im einstelligen Bereich und verbreitet auftretenden Nachtfrösten. Mit Pflanzen und Sommerreifen sollte man also vielleicht noch etwas warten.

 

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