Bad Honnef. Braucht die Stadt Bad Honnef an der Rommersdorfer Straße tatsächlich ein neues Parkhaus? Diese Frage stand am Mittwochabend im Mittelpunkt einer Bürgerdialogveranstaltung im Foyer des Rathauses. Die Antwort der anwesenden Bürgerinnen und Bürger fiel überwiegend kritisch aus.
Anlass der Veranstaltung war die Vorstellung des Bebauungsplans Nr. 1-157. Das Plangebiet umfasst im Wesentlichen den heutigen Parkplatz des Cura-Krankenhauses nordwestlich der Einmündung Rommersdorfer Straße/Bernhard-Klein-Straße. Ziel des Verfahrens ist die Schaffung von Baurecht für ein Parkhaus.
Nach Angaben der Stadt soll damit der Wegfall von Stellplätzen in der Rommersdorfer Straße sowie auf dem Rathausplatz nach dessen Neugestaltung kompensiert werden. Zudem habe das Cura-Krankenhaus zusätzlichen Bedarf angemeldet. Darüber hinaus soll die Maßnahme die Innenstadt als Einzelhandelsstandort stärken.

Den architektonischen Entwurf stellte die strauss architekten GmbH vor. Vorgesehen sind insgesamt 107 Stellplätze für Kurz- und Dauerparker auf vier Geschossen sowie einer zusätzlichen Dachparkebene. Drei Stellplätze sollen barrierefrei ausgeführt werden. Präsentiert wurden drei Gestaltungsvarianten mit unterschiedlichem Umfang an Fassaden- und Dachbegrünung.
Die Zu- und Abfahrt soll über die Bernhard-Klein-Straße erfolgen. Diese wäre künftig in beide Richtungen befahrbar. Dafür müssten bestehende Parkflächen im Straßenraum entfallen. Betreiber des Parkhauses soll die Bad Honnef AG (BHAG) werden.
Bereits vor Beginn der Veranstaltung hatten Anwohner ihre Zweifel an dem Vorhaben geäußert. Diese Skepsis prägte auch die Diskussion am Mittwochabend.
Mehrfach wurde die grundsätzliche Notwendigkeit des Projekts infrage gestellt. Eine Anwohnerin rechnete vor, dass gegenüber den heute vorhandenen Stellplätzen lediglich rund 34 zusätzliche Parkplätze geschaffen würden. Angesichts der Baukosten und der Eingriffe in das Umfeld sei fraglich, ob sich ein Parkhaus dafür überhaupt rechtfertigen lasse.
Auch der tatsächliche Bedarf wurde kontrovers diskutiert. Mehrere Anlieger verwiesen darauf, dass durch Veränderungen am Krankenhausstandort der ursprüngliche Stellplatzbedarf möglicherweise nicht mehr gegeben sei. Zudem sei in der Rommersdorfer Straße, der Bernhard-Klein-Straße und angrenzenden Straßen regelmäßig freier Parkraum vorhanden. Einen spürbaren Parkdruck könne man dort nicht erkennen.
Besonders kritisch wurde die geplante Verkehrsführung bewertet. Die Öffnung der Bernhard-Klein-Straße für Zu- und Abfahrten in beide Richtungen stößt bei Anwohnern vor allem wegen eines dort ansässigen Kindergartens auf Bedenken. Darüber hinaus verwiesen Teilnehmer auf drei Schulen und eine weitere Betreuungseinrichtung im näheren Umfeld. Sie befürchten, dass zusätzlicher Verkehr die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen könnte.
Mehrfach wurde zudem die Frage gestellt, ob ein neues Parkhaus nicht dem Ziel der Mobilitätswende widerspreche. Statt Verkehr zu reduzieren, könne ein zusätzliches Stellplatzangebot weiteren Autoverkehr in die Innenstadt ziehen.
Offen blieb auch die Frage der Wirtschaftlichkeit. Bürger äußerten die Sorge, dass das Parkhaus bei höheren Parkgebühren nicht ausreichend genutzt werden könnte. Mögliche Defizite müssten letztlich von der öffentlichen Hand getragen werden. BHAG-Vorstand Karsten Kerl erklärte, belastbare Aussagen zur Wirtschaftlichkeit seien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.
Für Diskussionen sorgte außerdem die Rolle des Denkmalschutzes. Nach Angaben der Verwaltung liegt bereits eine Stellungnahme vor. Diese sei jedoch „gemischt“ ausgefallen. Eine abschließende Bewertung und Abwägung stehe noch aus.
Die Stadtverwaltung betonte, sämtliche Hinweise und Anregungen würden in den weiteren Planungsprozess einfließen. Dies gelte für Fragen des Stellplatzbedarfs ebenso wie für Verkehr, Gestaltung und die Sicherheit von Kindern. Über das weitere Vorgehen werde letztlich der Stadtrat entscheiden.
Eine klare Antwort auf die Frage mehrerer Teilnehmer, ob der geplante Standort grundsätzlich noch aufgegeben werden könne, blieb die Verwaltung am Mittwochabend schuldig.
Sieht nicht wirklich nach Parkdruck aus
Bernhard-Klein-Straße und Schülgenstraße Mittwochabend gegen 21.30 Uhr
Parkhaus im Wohnviertel – löst die Stadt ein Problem, das es gar nicht gibt?











Mobilitätswende, Mobilitätswende ….. In alle Projekte, die Verkehrsteilnehmer betrifft, sollten nicht nur ideologische Aspekte einfliessen.
Vor einigen Tagen hatte ich erfahren, dass an der Gesamtschule St. Josef die Lehrer nicht über genügend Parkplätze verfügen, obwohl Grund und Boden reichlich vorhanden sind.
Was ich in all diesen Debatten und Vorgehensweisen immer wieder vermisse, ist das sogenannte komplexe Denken, das der vor kurzem verstorbene frz. Denker Edgar Morin so bemerkenswert ausgearbeitet hat. Dieses Denken stellt es sich zur Aufgabe, das gesamte Lebende in Betracht zu ziehen, nicht nur Einzelaspekte. Rühren wir an ein kleines Untersystem von einem System, dann wird alles dadurch beeinflusst. Mit anderen Worten: Finanzielle Aspekte sind ein kleiner Teil, Sozialleben in der Stadt ein weiterer, freier Zugang für all die, die in Honnef arbeiten, aber nicht da wohnen, ein dritter. Bequemen Zugang zur Stadt für Gehbehinderte, die weder Bus noch Bahn nehmen können, wird kaum angesprochen. Die leerstehenden Geschäfte, weil zu wenig Parkplätze vorhanden sind, ein weiterer. Komplexes Denken heißt: Da sind Knoten, aber in diesen Knoten stecken Lösungen. Und wenn ich sehe, mit welcher Weitsicht kleine französische Städte ihre Parkprobleme lösen (oft an die hundert kostenlose Plätze in der Innenstadt, damit die Menschen (alle!!!) kommen, einkaufen, bummeln, essen, trinken können), kann ich nur sagen: Von diesen Städten ist so Einiges zu übernehmen und zu lernen. Ich finde, es ist an der Zeit, anders denken zu lernen, nicht nur einseitige Themen (Mobilitätswende) umsetzen zu wollen. Das betrifft auch die Pflanzung von Bäumen. Viele sagen: Bäume für Generationen. Ich sage aber auch: Generationen für Bäume. Was da bei schweren Stürmen und Gewittern passiert, die immer mehr auf uns zukommen, sollte jedem im Vorfeld zu denken geben.
Hallo Herr Kubis,
schon ein interessanter Aspekt, den sie da in die Diskussion einfließen lassen. Ich denke aber auch an noch etwas anderes. Sie schreiben, dass in französischen Kleinstädten ausreichend Parkplätze für hunderte Fahrzeuge in der Innenstadt bereitständen. Fragen wir doch einmal die Partnerschaftskomitees der Städte, mit der Band Honnef eine Partnerschaft eingegangenmist. Wäre doch einmal interessant zu erfahren, wie das Problem dort angegangen wird: Parkraum, Klimawandel, Mobilität usw. Wäre bestimmt mal genauso interessant wie das alljährliche Treffen mit Musik, Tanz und Geselligkeit.
Hallo, Herr Thinen,
vielen Dank für Ihre Idee zum Thema Platz in französischen Innenstädten mit einer Umfrage, wie das in unseren Partnerstädten verläuft. Prima Idee.
Ich habe nur noch einige persönliche Kontakte mit Berck, war aber letztes Jahr eingeladen zum 60. Partnerschaftsfest zwischen Bruchsal und Sainte Ménehould in Ostfrankreich. Und die Diskussionen mit den Gästen und Freunden aus Bruchsal zeigten klar auf, wie gut sie das Parksystem in ihrer franz. Partnersttadt finden.
Für mich wird zu oft vergessen, dass wir hier in einer Stadt leben, in der die Anzahl der älteren Menschen zunimmt. Das heisst aber auch, mehr Gehbehinderte. Die Personen müssen nicht unbedingt alle einen Behindertenausweis haben,denn dann sind sie meistens schon im Rollstuhl. Ich denke an all die, deren Behinderungen langsam fortschreiten. Mal geht es etwas besser, mal ist es schwieriger. Mal können diese Menschen mit Stöcken oder Rollator kleine Strecken zurücklegen, mal geht es nicht mehr.
Es fehlt mir das nuancierte Denken. Oft habe ich den Eindruck, die Antwort ist für viele ja oder nein.
Dazwischen liegen aber Welten, und die sollte eigentlich jeder an sich selbst erfahren haben.
Treffen wir uns mal zu einem Kaffee in der Innenstadt ?