Personalnot im Rathaus – Kommt auf Bürgerinnen und Bürger Serviceflaute zu?

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Bad Honnef – Auf die Verwaltung der Stadt Bad Honnef kommen schwere Zeiten zu. In den nächsten Jahren werden viele Abteilungen unter erheblichem Personalmangel ächzen. Allein 75 Prozent der Führungskräfte scheiden aus Altersgründen aus. 

Ein Dilemma, das auch hausgemacht zu sein scheint. 25 Jahre seien keine Mitarbeiter für den gehobenen Dienst ausgebildet worden, teilte Bürgermeister Otto Neuhoff heute Abend in der Ratssitzung mit. Zurzeit habe man 12 Azubis, zwei strebten den Bachelor-Abschluss an. Die wolle man unbedingt halten.

Was aber gar nicht so einfach zu sein scheint. Gabriele Herfurt, zuständig für Personal und Organisation, machte auf verschiedene Umstände aufmerksam. So konkurriere nicht nur die freie Wirtschaft um gut ausgebildete Fachkräfte, sondern auch Kommunen stünden miteinander im Wettbewerb. In manchen seien die Aussichten für Bewerber attraktiver.

Dass die Verwaltung immer weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat, habe aber auch mit der Mobilität zu tun. Früher sei es primär um einen guten Job gegangen, heute spiele ebenfalls die Erreichbarkeit seines Arbeitsplatzes eine große Rolle, so Herfurt. Wenn Mitarbeiter auswärts wohnten und jeden Tag eine Stunde im Stau stehen müssten, dann sei der Frust groß und sie würden sich einen günstigeren Arbeitsplatz suchen.

Die Themen Digitalisierung und Umwelt verschärfen die Personalsituation zusätzlich. In den Jahren der Haushaltssicherung wurde der Personalhaushalt massiv heruntergefahren, fast alle Stellen für die Aufgabe Organisation wurden eingespart. „Für das wichtige Thema Digitalisierung ist keine Ressource vorhanden“, teilte Gabriele Herfurth den Ratsmitgliedern mit.

Dabei müssen die Kommunen bis Ende 2022 das Onlinezugangsgesetz (OZG) umgesetzt haben. Das Gesetz besagt, dass die Interaktion zwischen Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen mit der Verwaltung in Zukunft deutlich schneller, effizienter und nutzerfreundlicher werden muss. Dazu müssen fast 600 Prozesse digitalisiert werden. Herfurth: „Ein riesiges Aufgabenpaket.“

Damit überhaupt die Möglichkeit besteht, diese Mammutaufgabe bewältigen zu können, benötigt die Verwaltung dringend eine neue Stelle für die „Sachbearbeitung Organisation“. Der Rat beschloss am Abend einstimmig, dass eine entsprechende Stelle im Stellenplan 2021 eingerichtet wird.

Jetzt muss nur noch jemand für die anspruchsvolle Tätigkeit gefunden werden. Gelingt das nicht, dürfte es mit dem Erreichen einer besseren Interaktion zwischen Verwaltung und Bürgerschaft noch ein bisschen dauern.

 

 

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3 Kommentare

  1. Ja nee, is klar. Wenn Mitarbeiter gehen, soll das auch schon mal mit dem Betriebsklima zu tun haben. Schon mal darüber nachgedacht?

  2. Heute sind allein 6 Stellenanzeigen der Stadt Bad Honnef im Gereral-Anzeiger. Nach allem, was man so hört, scheinen die bisherigen Stelleninhaber ja geradezu fluchtartig gekündigt zu haben. Warum wohl?

  3. Ja nee, is klar. Hab mal gerade nachgedacht: Wenn Mitarbeiter gehen, soll das auch schomal mim Alter zu tun haben. Die werden dann vielleicht nicht fluchtartig sondern altersmäßig – vielleicht sogar bettfluchtartig – ihren Arbeitsplatz verlassen (müssen?).

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