Rhein-Sieg-Kreis. Im Rhein-Sieg-Kreis liegen wirtschaftlicher Erfolg und finanzielle Unsicherheit oft nur wenige Straßen voneinander entfernt. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam – und zeichnet anhand aktueller Zahlen ein Bild sozialer Gegensätze in der Region.
Nach Angaben der NGG Köln, die sich auf Daten des Statistischen Landesamtes IT.NRW und der Arbeitsagentur stützt, gibt es im Rhein-Sieg-Kreis rund 250 Einkommensmillionäre. Dem gegenüber stehen etwa 171.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Rein rechnerisch kommt damit ein Einkommensmillionär auf 685 Beschäftigte.
Für Marc Kissinger, Geschäftsführer der NGG Köln, ist das ein deutliches Signal: „So sieht das Gefälle zwischen Normal- und Spitzenverdienern im Rhein-Sieg-Kreis aus.“ Während viele Menschen in Handwerk, Industrie und Dienstleistung arbeiteten und „die Ärmel hochkrempeln“, würden hohe Einkommen häufig aus Kapitalerträgen wie Aktiengewinnen oder Unternehmensbeteiligungen erzielt.
Warnung vor sozialer Schieflage
Die Gewerkschaft sieht darin mehr als nur eine statistische Momentaufnahme. Kissinger warnt vor einer zunehmenden sozialen Schieflage: Immer mehr Menschen hätten trotz Vollzeitjob Schwierigkeiten, steigende Lebenshaltungskosten für Miete, Mobilität und Lebensmittel zu stemmen. Gleichzeitig wachse die Gruppe derjenigen, die im Alter von Armut bedroht seien oder gar keine Arbeit hätten.
„Es geht nicht darum, dass die einen mehr haben als die anderen“, so Kissinger. Problematisch sei vielmehr, dass sich eine kleine Gruppe auf sehr hohem Wohlstandsniveau bewege, während ein wachsender Teil der Bevölkerung finanziell unter Druck gerate. Diese Entwicklung könne langfristig auch gesellschaftliche Spannungen verstärken und das Vertrauen in politische Strukturen beeinträchtigen.
Forderungen an die Bundespolitik
Mit Blick auf geplante Reformen der Bundesregierung appelliert die NGG an die Bundestagsabgeordneten aus der Region, einen „sozialen Kurs“ beizubehalten. Im Fokus stehen dabei vor allem steuerpolitische Fragen.
Kritisch sieht die Gewerkschaft die unterschiedliche Besteuerung von Arbeit und Kapital. Während Arbeitseinkommen progressiv besteuert würden, gelte für Kapitalerträge in vielen Fällen eine pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent. Gleichzeitig trügen Vermögens- und Erbschaftssteuern laut NGG nur rund 1,1 Prozent zum gesamten Steueraufkommen bei.
Die Forderungen der Gewerkschaft sind deutlich:
- Arbeit dürfe nicht stärker belastet werden als Kapitaleinkommen
- Eine Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz sollten geprüft werden
- Das Ehegattensplitting solle abgeschafft werden, da es insbesondere die Erwerbstätigkeit von Frauen hemmen könne
Region im Spiegel bundesweiter Debatten
Die Diskussion im Rhein-Sieg-Kreis steht exemplarisch für eine bundesweite Debatte über Verteilungsgerechtigkeit. Während wirtschaftliche Stärke und hohe Einkommen ein Zeichen für Wachstum sind, rückt gleichzeitig die Frage in den Mittelpunkt, wie gerecht dieses Wachstum verteilt ist.
Für die NGG ist klar: Die breite Mehrheit der Beschäftigten trage die Hauptlast des Steuer- und Abgabensystems – und müsse daher stärker entlastet werden. Ob und in welchem Umfang die Politik diese Forderungen aufgreift, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.










