Bad Honnef. Bad Honnef steht vor einer der weitreichendsten städtebaulichen Entscheidungen der vergangenen Jahrzehnte. Im Selhofer Süden soll auf einer rund 28 Hektar großen Fläche ein neues Wohnquartier entstehen. Bereits seit den 1970er-Jahren gibt es Überlegungen für eine Bebauung. Mit dem Beschluss des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ISek in 2016 wurde erneut ein Prozess zur weiteren Untersuchung und Qualifikation von „Selhof Süd“ angestoßen.
Vor diesem Hintergrund hatte die Stadt Bad Honnef 2024 NRW.URBAN mit vorbereitenden Untersuchungen beauftragt. NRW.URBAN ist eine landeseigene Entwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalens. Bad Honnef ist der Gesellschaft beigetreten, um das Projekt im Rahmen der „Kooperativen Baulandentwicklung“ des Landes umzusetzen. Ziel war es, die Entwicklungsmöglichkeiten des Areals „Selhof Süd“ im Rahmen einer förmlichen, sogenannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme, umfassend zu analysieren und die unterschiedlichen Belange dafür sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Im Mittelpunkt stand hierbei die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Erschließung, Neuordnung und Bebauung von „Selhof Süd“ durchführbar und sinnvoll sein könnte.
Eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) nach §§ 165 ff. Baugesetzbuch ist eines der schärfsten Instrumente des Städtebaurechts. Sie erlaubt einer Kommune unter anderem,
- große Flächen für eine städtebauliche Entwicklung zusammenzufassen,
- Grundstücke notfalls auch gegen den Willen der Eigentümer zu erwerben oder zu enteignen,
- den Bodenwert auf den sogenannten Anfangswert zu begrenzen und
- die Planung zentral zu steuern.
Inzwischen zeichnen sich erste Ergebnisse der vorbereitenden Untersuchungen ab. Nach Angaben der Stadt kommt NRW.URBAN in einem Entwurf des Abschlussberichts zu dem Ergebnis, dass die rechtlichen Voraussetzungen für eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme im Sinne des Allgemeinwohls nach derzeitigem Stand nicht vorliegen.
In einer heute veröffentlichten Pressemeldung der Stadt heißt es: „Über die Fortsetzung, Anpassung oder Beendigung des Verfahrens entscheidet der Rat der Stadt Bad Honnef nach Beratung im zuständigen Planungsausschuss im Herbst.“
Das Vorhaben Selhof-Süd ist hoch umstritten. Kritiker befürchten den Verlust einer der letzten großen zusammenhängenden Freiflächen in der Tallage. Das Gebiet gilt als Frischluftschneise, Regenwasserspeicher und Naherholungsraum. Angesichts zunehmender Hitzeperioden und häufiger Starkregenereignisse wird sein ökologischer Wert als besonders hoch eingeschätzt.
Hinzu kommen Fragen nach den Folgen für die Infrastruktur. Mit einem neuen Stadtquartier würden zusätzliche Anforderungen an Straßen, Schulen, Kindertagesstätten und den öffentlichen Nahverkehr entstehen. Befürworter halten dagegen, dass diese Infrastruktur von Anfang an mitgeplant werden könne.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Umsetzung. Das Gebiet umfasst rund 500 Flurstücke mit etwa 250 Eigentümerinnen und Eigentümern. Um die Entwicklung überhaupt realisieren zu können, ließ die Stadt eine Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme prüfen. Dieses Instrument ermöglicht es, Grundstücke zu einem entwicklungsunbeeinflussten Wert zu erwerben und kann im äußersten Fall auch Enteignungen vorsehen – ein Aspekt, der die Diskussion seit Langem zusätzlich verschärft hat.
Während die Stadt und große Teile der Politik Selhof-Süd als letzte große Wohnbaulandreserve in der Tallage betrachten, fordern Bürgerinitiative und Kritiker, zunächst konsequent Innenentwicklung, Baulücken und bereits ausgewiesene Bauflächen zu nutzen. Die entscheidende Frage lautet daher: Braucht Bad Honnef ein neues Wohnquartier auf der grünen Wiese – oder gibt es Alternativen, die Natur- und Klimaschutz stärker berücksichtigen?











Kinder-Demo in Wermelskirchen:
eine Forderung der Kinder lautete „keine Bäume fällen für Häuser bauen“.
Sie hatten sich in der Ferienfreizeit statt mit Basteln oder Sport mit dem Umweltschutz beschäftigt und selbständig den Demo-Zug zum Rathaus organisiert, mit vielen Plakaten und klugen Argumenten. Denen ist nichts hinzuzufügen. (Quelle: WDR.de vom 24.7.26)
Nicht nur dieser Sommer zeigt, wie dringend wir solche Flächen für Hitzeschutz etc benötigen. Neben der Tatsache, dass es eine gewachsene Fauna ist, die Jahrzehnte dafür gebraucht hat, übertrumpft sie alle angedachten Hitzeschutzmaßnahmen um ein vielfaches. Zudem bietet es als Naherholungsgebiet auch den Kindern die Möglichkeit, sich sicher und ohne Straßenverkehr zu bewegen! Es gibt aktuell einigen Leerstand und Baulücken, die geprüft werden sollten.
Unter dem Aspekt ist Innenverdichtung aber noch schlimmer.