Kaum ist die eine Hitzewelle vorbei, kündigt sich die nächste an. Für die kommende Woche werden erneut Temperaturen zwischen 32 und 37 Grad erwartet, örtlich sogar bis zu 40 Grad. Die Folgen sind längst nicht mehr nur unangenehm – sie werden lebensgefährlich.
Allein während der Hitzewelle im Juni registrierte das Statistische Bundesamt rund 24.000 Todesfälle. Im Durchschnitt der Vergleichsjahre 2022 bis 2025 waren es in derselben Woche gut 18.000. Etwa 5.400 Menschen mehr starben. Niemand kann behaupten, der Klimawandel sei eine abstrakte Zukunftsfrage.

Gleichzeitig erwärmen sich Deutschlands Flüsse auf Temperaturen von bis zu 30 Grad. Fische leiden unter Sauerstoffmangel, Algen breiten sich aus und ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht. Besonders betroffen sind aber die Jüngsten. Kinder können ihre Körpertemperatur schlechter regulieren als Erwachsene. Sie leiden schneller unter Dehydrierung und Hitzeschäden, schlafen schlechter, lernen unter hohen Temperaturen deutlich schlechter und sind langfristig gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund wirkt die geplante Bebauung von Selhof-Süd wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.
28 Hektar Grünfläche – etwa die Hälfte davon Wald – sollen einem neuen Wohngebiet weichen. Eine solche Fläche ist weit mehr als unbebautes Land. Sie ist Klimaanlage, Wasserspeicher, Luftfilter und Lebensraum zugleich. Verschwindet sie, entstehen zusätzliche Hitzeinseln. Regenwasser kann kaum noch versickern, sondern belastet bei Starkregen die Kanalisation. Das Grundwasser wird weniger aufgefüllt, Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum und die Menschen ein wichtiges Naherholungsgebiet.
Natürlich braucht Bad Honnef bezahlbaren Wohnraum. Daran besteht kein Zweifel. Doch daraus folgt nicht automatisch, dass jede Grünfläche bebaut werden muss. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Wo kann Wohnraum entstehen, ohne den Klimaschutz und die Lebensqualität kommender Generationen weiter zu verschlechtern?
Genau diese Frage ist bislang nicht ausreichend beantwortet worden. Es gibt bis heute keine umfassende Untersuchung darüber, welche Potenziale im vorhandenen Gebäudebestand, bei Baulücken, Leerständen oder der Nachverdichtung liegen. Stattdessen konzentriert sich die Diskussion seit Jahren auf ein neues Baugebiet am Stadtrand.
Hinzu kommt, dass viele Annahmen, auf denen das Projekt ursprünglich beruhte, heute fragwürdig erscheinen. Die erwartete Bevölkerungsentwicklung dürfte kaum die Größenordnung erreichen, mit der einst argumentiert wurde. Trotzdem fließen weiterhin öffentliche Mittel in die Planung. Bereits heute dürfte dafür eine sechsstellige Summe ausgegeben worden sein. Geld, das an anderer Stelle – etwa bei der Sanierung bestehender Quartiere oder der Anpassung der Stadt an den Klimawandel – deutlich sinnvoller eingesetzt wäre.
Auch die Eigentümer der Flächen tragen Verantwortung. Viele Grundstücke wurden vor Jahrzehnten als Bauerwartungsland vergleichsweise günstig erworben – in der Hoffnung auf eine spätere Wertsteigerung. Das ist rechtlich legitim. Doch Eigentum bedeutet nicht nur Rechte, sondern auch Verantwortung. Wer heute von einer Umwandlung in Bauland finanziell profitieren möchte, sollte sich fragen, welchen Preis kommende Generationen dafür zahlen.
Es geht dabei nicht um den Geldbeutel der heutigen Eigentümer. Es geht um die Lebensqualität ihrer Kinder und Enkel.
Die Klimakrise zwingt Städte dazu, alte Planungen neu zu bewerten. Was vor zwanzig oder dreißig Jahren sinnvoll erschien, kann heute falsch sein. Politik muss den Mut haben, solche Entscheidungen zu korrigieren. Das ist kein Scheitern, sondern verantwortungsvolles Handeln.
Bad Honnef sollte deshalb einen Schlussstrich unter Selhof-Süd ziehen. Nicht aus Ideologie, sondern aus Vernunft. Die Stadt braucht Wohnraum – aber sie braucht ebenso Grünflächen, Wälder und Frischluftschneisen. Wer diese leichtfertig opfert, nimmt den kommenden Generationen genau das, was in Zeiten immer extremerer Hitze am wertvollsten wird: eine lebenswerte Umwelt.










Dem ist uneingeschränkt beizupflichten!