Rhein-Sieg-Kreis. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Wohnungen im Rhein-Sieg-Kreis ist nach Angaben des Pestel-Instituts so ausgestattet, dass ältere Menschen auch bei körperlichen Einschränkungen dauerhaft darin wohnen können. Das geht aus einer Wohnungsmarktanalyse hervor, die das Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt hat.
Laut der Untersuchung verfügen von rund 295.900 Wohnungen im Kreis lediglich etwa 20.700 über einen Standard, der als vollständig altersgerecht gilt. Das entspreche rund sieben Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Die Studie bewertet dabei unter anderem die Zugänglichkeit von Gebäuden, die Größe von Küchen und Bädern sowie die Ausstattung mit bodengleichen Duschen.
Besonders mit Blick auf die demografische Entwicklung sehen die Autoren Handlungsbedarf. Nach Angaben des BDB werden in den kommenden zehn Jahren rund 100.400 Menschen im Rhein-Sieg-Kreis das Rentenalter erreichen. Dabei handelt es sich überwiegend um Angehörige der sogenannten Baby-Boomer-Generation.
Wie das Pestel-Institut mitteilt, stellen Barrieren in vielen Bestandswohnungen ein erhebliches Problem dar. So seien rund 26 Prozent der Hausflure nicht breit genug, um sie problemlos mit einem Rollstuhl zu nutzen. Das betreffe etwa 80.900 Wohnungen im Kreisgebiet. Zudem seien nach den Berechnungen der Wissenschaftler rund 86.200 Küchen und etwa 126.100 Bäder für eine komfortable Nutzung mit einem Rollstuhl zu klein.
Als besonders wichtiges Merkmal für altersgerechtes Wohnen nennen die Studienautoren bodengleiche Duschen. Diese seien derzeit lediglich in rund 85.300 Wohnungen vorhanden. Damit verfüge nur knapp jede dritte Wohnung über dieses zentrale Ausstattungsmerkmal.
Der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, sieht insbesondere beim Umbau von Badezimmern großen Nachholbedarf. Allerdings seien bauliche Veränderungen nicht überall problemlos möglich. Vor allem bei älteren Gebäuden könnten konstruktive Einschränkungen den Einbau bodengleicher Duschen erschweren, heißt es in der Mitteilung.
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel fordert vor diesem Hintergrund eine stärkere staatliche Förderung altersgerechter Umbauten. Verbandspräsidentin Katharina Metzger spricht sich laut Mitteilung für eine umfassende „Senioren-Umbau-Offensive“ aus. Insbesondere Eigentümer und Mieter, die ihre Wohnungen an die Anforderungen des Alters anpassen möchten, benötigten finanzielle Unterstützung.
Sowohl der Verband als auch das Pestel-Institut kritisieren die bestehenden Fördermöglichkeiten als unzureichend. Die derzeit verfügbaren Zuschüsse und Förderprogramme seien nach ihrer Einschätzung zu kompliziert und finanziell nicht ausreichend, um einen flächendeckenden Umbau von Wohnungen anzustoßen. Stattdessen fordern sie höhere Zuschüsse des Bundes für barrierearme und altersgerechte Sanierungen.
Nach Ansicht der Studienautoren wird der Bedarf an seniorengerechten Wohnungen in den kommenden Jahren deutlich steigen. Daher müsse neben dem Neubau vor allem der bestehende Wohnungsbestand stärker an die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft angepasst werden.










