Bad Honnef – An der heutigen Endhaltestelle der Bahn in Bad Honnef soll ein neuer barrierefreier Haltepunkt entstehen. Eine zusätzliche Fußgängerbrücke von der Girardetallee/Alexander-von-Humboldt-Straße soll die Innenstadt künftig direkt mit der neuen Station verbinden. Ergänzend ist der Bau eines mehrstöckigen Parkhauses mit Kapazitäten für rund 300 Pkw sowie Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geplant.
Für Parkhaus, Brücke, Vorplatzgestaltung und weitere Projektkosten steht eine Gesamtsumme von knapp 20 Millionen Euro im Raum – ein Großteil davon könnte über Fördermittel finanziert werden. Die Stadt rechnet aktuell mit einem Eigenanteil von knapp über 800.000 Euro.
Kaum politische Kritik – trotz hoher Kosten
Aus der lokalen Politik gab es bislang wenig Gegenwind, was bei solchen Großprojekten ungewöhnlich ist. Als erste meldeten die Grünen im Sommer Bedenken an: Es gebe „keine detaillierte aktuelle Bedarfsanalyse“, die die Notwendigkeit der kostspieligen Maßnahme belege. Besonders die geplante Brücke sei problematisch: Für „80 bis 90 Prozent der Bevölkerung“ bringe sie keine Vorteile und stehe „in keinem vernünftigen Kosten-Nutzen-Verhältnis“.
Kritik auch von Klima-Initiative
Auch das Team Mobilität/ÖPNV der Initiative #WirFürsKlima Bad Honnef sieht die Pläne kritisch. Sie wundert sich, dass eine neue Fußgängerbrücke bislang als alternativlos betrachtet wird. Sie selbst hat die Lösung vorgeschlagen, das DB-Brückenbauwerk gegenüber der Endhaltestelle der Stadtbahn zu errichten und sieht darin eine kostenfreie Möglichkeit: „Eine 2. Brücke brauchen wir nicht, da die vorhandene Brücke nicht marode, sondern in einem sehr guten Zustand ist und nach letzter Überprüfung sogar barrierefrei,“ so Günter Reder von #WirFürsKlima. Lediglich der Belag müsse ausgebessert werden. Außerdem sei der neue DB-Haltepunkt wie der Zugang zur Stadtbahn auch ohne Brücken barrierefrei.
Für viele Verkehrsteilnehmende habe die neue Brücke keinen echten Mehrwert – unter anderem für Nutzer der Stadtbahn Linie 66 oder DB-Fahrgäste auf Gleis 1 in Richtung Koblenz, so die Initiative weiter. Der Weg von der Kreuzung Girardetallee/Alexander-von-Humboldt-Straße über die bestehende Brücke bis zur Endhaltestelle betrage nur 5 bis 6 Minuten. Eine neue Brücke mit zwei Aufzügen dagegen sei „zeitlich viel risikoreicher“.
Auch für alle, die mit dem Auto oder ÖPNV zum Mobilknoten anreisen und zu Gleis 2 (Züge Richtung Koblenz) wollen, mache die Brücke keinen Sinn – „und schon gar nicht für Radfahrer und Fußgänger“ aus weiten Teilen der Stadt: Selhof, Honnef Süd, Rhöndorf, Rommersdorf, Rommersdorf-Bondorf sowie der westlichen Innenstadt. Selbst für die geplante Wohnbebauung am Saynschen Hof sieht die Initiative keinen Vorteil.
Mobilknoten Rhöndorf bislang nicht berücksichtigt
Als weiteres Versäumnis kritisiert #WirFürsKlima den fehlenden Blick auf den Mobilknoten in Rhöndorf. Mit der Buslinie 565 könne dieser von der Stadtmitte aus in sechs Minuten, von Honnef Süd in zwölf Minuten erreicht werden – dort bestünden bereits direkte Anschlüsse an Stadtbahn und Regionalbahn. Dennoch sei dieser Knotenpunkt „vollkommen unberücksichtigt geblieben“.
Alternative Vorschläge für günstigere und sinnvollere Umsetzung
Um „die Ausgabe unnötiger Steuergelder durch den Bau einer neuen teuren Brücke zu vermeiden“, empfiehlt #WirFürsKlima eine einfachere Lösung:
• Kein Neubau der kritisierten Fußgängerbrücke
• Beibehaltung der bestehenden Bushaltestellen
• Auf gleicher Höhe ein direkter Übergang vom Bahnsteig Gleis 1 auf Gleis 2 mit zwei Aufzügen und Treppen
Auch das geplante Parkhaus sei „überdimensioniert“. Sollte zusätzlicher Parkraum wirklich nötig sein, schlägt die Initiative den Bau eines zusätzlichen Parkdecks für ca. 90 Pkw im hinteren Bereich des bestehenden Parkplatzes oder ein niedrigeres, nutzerfreundlicheres Parkhaus mit weniger Etagen und überdachten Fahrradstellplätzen vor.
Forderung nach neuer Bewertung
Bevor Millionen investiert werden, fordert die Initiative eine belastbare Prüfung. Es sollte zunächst eine Kosten-Nutzen-Bewertung inkl. Nutzerfreundlichkeit durchgeführt werden, empfiehlt #WirFürsKlima.






