Was ist eigentlich der „Kölner Weg“ und was hat er mit Bad Honnef zu tun?

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Stadt Siebengebirge | Der Kölner Weg gehört zu den Klassikern der deutschen Wanderwege. Bereits 1913 wurde er von der Kölner Ortsgruppe des Westerwaldvereins erstmals angelegt, um den Domstädtern die Schönheiten von Bergischem Land und Westerwald zu eröffnen. Königsforst, Nutscheid, Kroppacher Schweiz, Westerwälder Seenplatte und Siebengebirge passiert der Kölner Weg auf seiner 2007 komplett aktualisierten Wegführung. Das weiße K auf schwarzem Grund führt den Wanderer auf 250km durch die herbe Mittelgebirgslandschaft östlich von Köln und Bonn.

Der Kölner Weg wird nach wie vor ehrenamtlich vom Westerwaldverein betreut, der den Kölner Weg als naturnahen Weitwanderweg beschreibt. Ihn vollständig zu laufen, gelingt natürlich nur bei einem echten Wanderurlaub. Deshalb bietet sich eine Aufteilung in 13 Etappen an, die man nach und nach als Tagesausflug bewältigen kann.

Startpunkt des Kölner Wegs ist die Endhaltestelle Königsforst der Stadtbahnlinie 9 im Kölner Stadtteil Rath-Heumar. Durch den Königsforst geht es oberhalb der Wahnbachtalsperre ins Bröltal und über das Nutscheid ins Windecker Ländchen. Hier wird die Sieg passiert und man erreicht den Altenkirchener Westerwald. Dann geht es durch die Kroppacher Schweiz in das mittelalterliche Handelsstädtchen Hachenburg.

Hinter Hachenburg erhebt sich der Hohe Westerwald, den der Kölner Weg bei Bad Marienberg passiert. An der Marienberger Höhe (568m) ist der höchste und zugleich östlichste Punkt auf dem Kölner Weg erreicht und es geht über die Westerwälder Seenplatte durchs Obere Sayntal nach Dierdorf. Durch das südliche Raiffeisenland kommt der Kölner Weg auf die Asbacher Hochfläche und erreicht von hier das Siebengebirge. Endpunkt ist dann nach dem Abstieg vom Drachenfels (321m) die Rheinstadt Königswinter.

Von Rottbitze bis Königswinter

In Rottbitze bricht der Wanderer zur Schlussetappe durchs Siebengebirge auf. Los geht’s an der Rederscheider Straße. Entlang der Landesgrenze führt der Kölner Weg zunächst in Richtung Rhein. Schon bald wölbt sich vor dem Wanderer der Himmerich (366m) auf, den die Einheimischen wegen seiner Form auch Riesenschiss nennen.

Der Kölner Weg führt am Himmerich vorbei. Man sollte aber die rund 600m Umweg in Kauf nehmen und auf den Gipfel steigen, denn von einem Plateau rund 35m unterhalb des Gipfels hat man einen sehr schönen Ausblick auf Bad Honnef, die Löwenburg, den Drachenfels und einige kleinere Berge des Siebengebirges. Dieses Plateau und die zum Gipfel führende Steilwand dokumentieren die ehemalige Nutzung des Himmerichs als Steinbruch zum Latitabbau.

Weiter auf dem Kölner Weg geht es an den Floriansteichen – frühere Löschteiche und heute Biotope – vorbei zur Kreuzung Drei Eichen. Bergauf geht es weiter hinein ins Siebengebirge und zur Löwenburg (455m). Die Löwenburg ist der zweithöchste Gipfel im Siebengebirge und verdankt ihren Namen einer gleichnamigen Burg, die die Grafen von Sayn um 1200 auf dem Gipfel errichteten. Ihr Wappen ist der Löwe, und das wollten sie demonstrativ hier wie auch zuvor in Blankenberg an der Sieg stolz dem Streben der Kölner Erzbischöfe entgegenhalten. Diese hatten die Wolkenburg und später Burg Drachenfels als Bollwerke in Richtung Westerwald gebaut, um ihr Machtstreben zu dokumentieren.

Erhalten sind heute noch die Zisterne im Burghof und zwei Seitenmauern des ehemaligen Bergfrieds der Hochburg. Der Bergfried selbst wurde 1881 wegen Baufälligkeit abgetragen, nachdem zuvor eine Initiative zur Erhaltung und Sanierung der Ruine gescheitert war. Trotzdem lohnt der Aufstieg zur Löwenburg vom Kölner Weg aus, denn von hier oben genießt man einen guten Rundblick auf Siebengebirge, Westerwald und Eifel.

Der Kölner Weg führt weiter zum Drachenfels (321m), dem wohl bekanntesten Berg im Siebengebirge, dem der englische Dichter Lord Byron ein ewiges Denkmal setzte mit den Zeilen: The castled crag of Drachenfels frowns o’er the wide and winding Rhine whose breast of waters broadly swells between the banks which bear the vine and hills all rich with blossomed trees and fields which promise corn and wine.” Mit diesen Zeilen wurde das Siebengebirge in den 1830er Jahren zur ersten internationalen Tourismus-Hochburg, also so eine Art Mallorca der Romantik.

Da der Drachenfels Europas meist bestiegener Gipfel ist, sollte auch der Wanderer auf dem Kölner Weg die letzten Meter bis zur Spitze nehmen, obwohl der Kölner Weg auf Höhe von Schloss Drachenfels schon dem Tal entgegen strebt. Der Aufstieg aber lohnt, nicht nur wegen der malerischen Burgruine, sondern auch aufgrund des fantastischen Ausblicks auf das Rheintal bis hinüber zum Kölner Dom.

Die letzten Meter auf dem Kölner Weg führen den Wanderer durchs Nachtigallental hinab nach Königswinter an den Rhein. Der Kölner Weg endet am Bahnhof, aber ein kleiner Abstecher an die Rheinpromenade sollte schon noch drin sein – und wenn’s nur für den stimmungsvollen Ausklang bei einem Schoppen Wein oder einem kühlen Bier ist.

Text: Wanderatlas 

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