Bad Honnef. Das Interesse war groß – und die Diskussion lebhaft: Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben am Mittwochabend im Aegidienberger Bürgerhaus die Informationsveranstaltung zu den geplanten Windkraftanlagen auf dem Dachsberg besucht. Eingeladen hatten die Projektbeteiligten BHAG und SL Naturenergie. Schnell wurde deutlich: Die Energiewende vor Ort bewegt die Menschen – und sorgt zugleich für erhebliche Bedenken.
- Projekt vorgestellt – Fokus auf regionale Energie
- Politischer Auftrag und Bürgerbeteiligung
- Erfahrungsbericht aus Neuenrade
- Technik, Eingriffe und Genehmigungsverfahren
- Kritik aus der Region wächst
- Lärm und Gesundheit im Fokus
- Zweifel an Konzept und Alternativen
- Proteste vor dem Bürgerhaus
- Energiewende bleibt umstrittene Gemeinschaftsaufgabe
Projekt vorgestellt – Fokus auf regionale Energie
Zum Auftakt begrüßte Bürgermeister Philipp Herzog die Anwesenden und warb für einen sachlichen Austausch. Anschließend stellten Vertreter der Bad Honnef AG (BHAG) und des Projektierers SL Naturenergie das Vorhaben vor.
Geplant sind zwei Windenergieanlagen des Typs Enercon E-175 mit einer Gesamthöhe von rund 249,5 Metern und einer Leistung von jeweils etwa sieben Megawatt. Nach Angaben der BHAG könnten die Anlagen jährlich rund 41 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – etwa zwei Drittel des aktuellen Strombedarfs in Bad Honnef.
Vorstandsvorsitzender Kersten Kerl betonte die strategische Bedeutung des Projekts: „Wir fühlen uns der regionalen Energieversorgung verpflichtet.“ Hintergrund seien unter anderem das Klimaschutzkonzept der Stadt sowie die Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges. Ziel sei es, unabhängiger von Energieimporten zu werden und die Wertschöpfung in der Region zu halten.

Politischer Auftrag und Bürgerbeteiligung
Der Stadtrat hatte bereits im November 2022 einstimmig beschlossen, eine Machbarkeitsstudie für Windenergieprojekte in Auftrag zu geben. Bewusst setze man auf regionale Partner, so Kerl. Auch die Bürgerinnen und Bürger sollen profitieren – etwa über Beteiligungsmodelle oder eine geplante Stiftung für lokale Projekte. Dabei werde der Blick ausdrücklich über die Stadtgrenzen hinaus gerichtet. Auch Anwohner in Nachbarkommunen würden einbezogen, sagte Kerl mit Blick auf Windhagen.
Erfahrungsbericht aus Neuenrade
Einen Einblick in die Praxis gab der ehemalige Bürgermeister von Neuenrade, Antonius Wiesemann. Er berichtete von langjährigen Konflikten beim Aufbau eines Windparks, der inzwischen wirtschaftliche Vorteile bringe.
Neben Einnahmen für die Stadt hob Wiesemann vor allem die lokale Förderung hervor: Über eine Stiftung seien jährlich mehr als 50.000 Euro in Vereine und Projekte geflossen. Sein Fazit: „Der Weg ist konfliktgeladen – aber er kann sich lohnen.“

Technik, Eingriffe und Genehmigungsverfahren
Die geplanten Anlagen wären deutlich größer als ältere Windräder. Moderne Technik mit einem Rotordurchmesser von rund 175 Metern ermögliche höhere Erträge, erklärten die Projektierer Michael Hübner und Jakob Kasperidus von SL Naturenergie.
Der dauerhafte Flächenbedarf liegt laut Angaben bei rund 3.100 Quadratmetern, hinzu kommen temporäre Eingriffe während der Bauphase. Bei den beiden Flächen handelt es sich um weniger wertvolle Nadelwaldflächen und Kalamitätsflächen, die durch den Borkenkäfer zerstört wurden. Die Flächenauswahl wurde in enger Abstimmung mit dem Stadtförster und dem Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft vorgenommen.
Als Ausgleich ist eine Wiederaufforstung von rund 10.000 Quadratmetern vorgesehen. Dabei soll laut Projektierern teilweise Nadelwald durch ökologisch höherwertigen Laubwald ersetzt werden. Neben dem vorhandenen Wirtschaftsweg müsse keine weitere Zuwegung für die Baufahrzeuge geschaffen werden.
Die Anlagenhöhe ist laut SL Naturenergie entscheidend für die Wirtschaftlichkeit. In größeren Höhen wehen nicht nur stärkere, sondern auch gleichmäßigere Winde, was die Volllaststunden erhöht. Damit steigt die Effizienz deutlich im Vergleich zu kleineren Anlagen oder Standorten in niedrigeren Höhenlagen.
Die Investitionskosten werden mit rund 25 bis 27 Millionen Euro für beide Anlagen angegeben. Refinanziert werden sollen diese über den Stromverkauf sowie Beteiligungsmodelle.
Das Projekt befindet sich derzeit noch im Genehmigungsverfahren. Zuständig ist der Rhein-Sieg-Kreis. Geprüft werden unter anderem Lärm, Schattenwurf sowie Natur- und Artenschutz. Eine Entscheidung steht noch aus.
Kritik aus der Region wächst
In der anschließenden Fragerunde wurden zahlreiche Bedenken geäußert – insbesondere von Bürgerinnen und Bürgern aus den nahegelegenen Orten Windhagen, Orscheid und Wülscheid.
Ein zentraler Kritikpunkt ist die Nähe zur Wohnbebauung. Teilweise liegen Häuser weniger als 700 Meter entfernt. Auch unterschiedliche Abstandsregelungen zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden thematisiert.
Zudem äußerten Anwohner Sorgen um mögliche Wertverluste ihrer Immobilien. Die Projektverantwortlichen verwiesen hingegen auf Studien, die keine eindeutigen langfristigen Effekte belegen und auf aktuelle Aussagen der Kreissparkasse Köln, die keine Wertverluste durch Windenergieanlagen feststelle. Eine Maklerin aus der Region relativierte die zitierte Studie der Ruhr-Universität Bochum: „Die Diskrepanz zwischen Angebotspreisen und tatsächlich realisierten Preisen ist groß.“
Lärm und Gesundheit im Fokus
Ein zentraler technischer Punkt ist die Einhaltung der Immissionsrichtwerte. Für reine Wohngebiete gilt nachts ein Grenzwert von 35 Dezibel. Um diese Werte einzuhalten, ist ein sogenanntes schalloptimiertes Betriebsmanagement vorgesehen. Das bedeutet konkret:
- nächtliche Leistungsreduzierung
- Anpassung der Rotordrehzahl
- aerodynamisch optimierte Rotorblattprofile
Zusätzlich wird der sogenannte Schattenwurf technisch überwacht. In Deutschland sind maximal 30 Minuten Schatten pro Tag und 8 Stunden pro Jahr zulässig. Wird dieser Wert erreicht, schalten sich Anlagen automatisch ab.
Einige Bürger zeigten sich dennoch skeptisch – vor allem hinsichtlich der Messverfahren und der Transparenz der Gutachten.
Zweifel an Konzept und Alternativen
Auch die geplanten Beteiligungsmodelle stießen nicht nur auf Zustimmung. Während Nachrangdarlehen mit Verzinsungen von rund fünf Prozent angeboten werden sollen, forderten einige Teilnehmer andere Ansätze. Genannt wurden insbesondere Investitionen in den Ausbau von Photovoltaik sowie dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen. Kritisch gesehen wurde zudem der Eingriff in Waldflächen, auch wenn die Projektierer von vergleichsweise geringen Auswirkungen sprechen.
Proteste vor dem Bürgerhaus
Vor dem Bürgerhaus versammelten sich Gegner der geplanten Windkraftanlage, unter anderem Mitglieder der Bürgerinitiative F.A.I.R. Auf ihrer Website schreibt die Initiative: „Der geringe und ungleichmäße Wind, die übermäßige Umweltbelastung und die Beeinträchtigung der Menschen um den Dachsberg machen die Windkraft auf dem Dachsberg zu der mit Abstand schlechtesten Alternative zur Energiegewinnung in der Region.“ Sie bevorzugt Energie aus Solar und Biokraftwerken.
Energiewende bleibt umstrittene Gemeinschaftsaufgabe
Am Ende der Veranstaltung blieb vieles offen. Zahlreiche Detailfragen – etwa zu konkreten Belastungen oder wirtschaftlichen Effekten – konnten noch nicht abschließend beantwortet werden.
Die Veranstalter kündigten an, weitere Informationen und Visualisierungen nachzureichen. Gleichzeitig warben sie dafür, den Dialog fortzusetzen. Infos zum weiteren Verlauf hier.
Weitere Infos zu der Veranstaltung folgen.










