Bad Honnef/Windhagen. Zwei geplante Windräder am Dachsberg, nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz, sorgen weiter für Diskussionen. Die Bad Honnef AG (BHAG) betrachtet das Projekt als Beitrag zur Energiewende und Klimaschutz. Gleichzeitig hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die den Standort als ungeeignet einschätzt und mittlerweile zu einem Bürgerbegehren aufruft.
Die Windräder sollen jeweils sieben Megawatt Leistung liefern und eine Gesamthöhe von rund 250 Metern erreichen. Laut BHAG könnten sie jährlich Strom für mehrere tausend Haushalte erzeugen und so einen Beitrag zur lokalen Energiewende leisten.
Befürworter: Klimaschutz und regionale Vorteile
Die BHAG betont, dass Windenergie CO₂-Emissionen reduziert und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert. Die geplanten Anlagen sollen auch wirtschaftliche Vorteile bringen: Pachtzahlungen, Beteiligungsmodelle und Gewerbesteuereinnahmen kommen der Kommune und den Bürgern zugute. Moderne Windräder lieferten zudem zuverlässig Strom bei vergleichsweise geringem Flächenverbrauch. Standort und Umweltverträglichkeit seien fachlich geprüft und genehmigt, heißt es auf der Website des Betreibers. Die Windräder am Dachsberg werden somit als wichtiger Beitrag für die Energiewende gesehen.
Kritik der Bürgerinitiative
Die Initiative „Alternative Windrad Dachsberg“ erkennt zwar den Nutzen von Windenergie grundsätzlich an, hält den Dachsberg aber für einen ungeeigneten Standort. Sie weist darauf hin, dass der Berg ein sensibles Ökosystem darstellt und gleichzeitig das unmittelbare Lebensumfeld vieler Menschen ist. Rechtliche Vorgaben für den Naturschutz seien in den letzten Jahren gelockert worden, um Projekte schneller umzusetzen. Sensible Arten wie Rotmilan, Wildkatze oder Fledermäuse leben im betroffenen Gebiet, und die Initiative kritisiert, dass diese Gefährdungen im Projektplan „verwaltet“ statt konsequent ausgeschlossen werden.
Auch die Belastung der Anwohner spielt eine zentrale Rolle. Lärm, Schattenwurf und Infraschall könnten die Lebensqualität beeinträchtigen. Grenzwerte für Emissionen würden zwar eingehalten, führten aber zu Abschaltungen, die den Stromertrag mindern. Darüber hinaus seien die modellrechnerisch prognostizierten Stromerträge optimistisch. In der Realität könnten Windflauten, Wartungsarbeiten, Artenschutzauflagen oder Netzeinschränkungen den Ertrag deutlich verringern. Die Initiative spricht von einem tatsächlichen Netto-Ertrag von nur rund zehn Prozent der Nennleistung.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Auswirkungen auf Immobilienwerte. Direkte Anwohner müssten nach Ansicht der Initiative mit Wertverlusten von mehr als 20 Prozent rechnen. Außerdem sei der Ressourcenverbrauch der Windkraft nicht zu unterschätzen. Der Bau der Anlagen erfordere große Mengen Stahl, Beton, Metalle und Spezialmaterialien, die in Dimensionen benötigt werden, die globalen Produktionskapazitäten gegenüberstehen. Schließlich plädiert die Initiative dafür, alternative Energieformen wie Photovoltaik oder Biokraftwerke stärker zu fördern, die in der Region effizienter und umweltfreundlicher seien.
Bürgerbegehren und Aufruf zur Beteiligung
Die Initiative ruft Bürgerinnen und Bürger auf, sich am Bürgerbegehren zu beteiligen und Einwände beim Rhein-Sieg-Kreis einzureichen. Ziel ist es, das Projekt zu stoppen und alternative, umweltfreundlichere Energieformen in der Region zu fördern. Nach Ansicht der Initiative seien der geringe und ungleichmäßige Wind, die hohe Umweltbelastung und die Beeinträchtigung der Anwohner Gründe genug, die Windräder am Dachsberg als „die schlechteste Alternative zur Energiegewinnung in der Region“ zu bewerten. Sie empfiehlt, künftige Windkraftprojekte in Gebieten mit niedrigerer Bevölkerungsdichte zu errichten.
Info-Veranstaltungen
Die Bürgerinitiative hat für heute Abend zu einem Infoabend im Pfarrheim Windhagen eingeladen. Die Bad Honnef AG und die SL Naturenergie veranstalten am 15. April einen Info-Abend im Bürgerhaus Aegidienberg. Dann will sie über das Vorhaben berichten und Fragen zum Planungsstand mit Zahlen, Daten und gesicherten Fakten beantworten. Beginn: 18 Uhr.
Pro Windenergie (BHAG):
- Beitrag zum Klimaschutz und Energiewende
- Stromerzeugung für mehrere tausend Haushalte
- Regionale Einnahmen und Arbeitsplätze
- Effiziente, moderne Technik
- Genehmigte Prüfungen und Umweltverträglichkeit
Contra Windenergie (Bürgerinitiative):
- Standort ungeeignet – Naturschutz und sensible Arten betroffen
- Belastung für Anwohner: Lärm, Schattenwurf, Infraschall
- Geringerer tatsächlicher Ertrag als geplant
- Wertverluste für Immobilien
- Hoher Material- und Ressourcenverbrauch
- Alternativen wie Solar oder Biokraftwerke effizienter in der Region












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