Lieber Herr Hombücher,
spätestens seit Macchiavelli verweisen kluge Köpfe in Politik- und Geschichtswissenschaft darauf, wie wichtig gute Gründungsphasen für die Dauer von Gemeinwesen sind. Unser Grundgesetz, die Verankerung Deutschlands in der westlichen Völkergemeinschaft, soziale Marktwirtschaft, die dynamische Rente, Europäische Union, Nato und Bundeswehr und 80 Jahre Frieden, das alles ist in vielerlei Hinsicht Ergebnis des Wirkens unseres ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer, dessen 150. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Die Deutschen können sich glücklich schätzen, dass es ihn gegeben hat. Und wir Leute in Honnef dürfen stolz darauf sein, diesen großen Patrioten, Rheinländer und Europäer zu unseren Ehrenbürgern zu zählen.
Dass Adenauer einen patriarchalischen Regierungsstil pflegte, dass er von Sozialdemokraten in Regierungsverantwortung nicht viel hielt, dass er ein distanziertes Verhältnis zu bestimmten Medien pflegte und Führungskräfte des Nazi-Regimes nicht kollektiv verdammte, sondern teilweise sogar in seine Nähe holte, hat man ihm oft vorgeworfen. Und diese Schattenseiten seines harten Regierungsstils sind oft genug beschrieben worden. Sie gehören zu einem differenzierten Bild des Staatsmannes hinzu, und gerade auch die aktuellen Biographien legen davon beredt Zeugnis ab.
Doch wieso Sie uns ausgerechnet den Beitrag von Uwe Pöhls im „Blog der Republik“ ans Herz legen müssen, um uns im Jubiläumsjahr die „dunkle Seite der Macht“ Adenauers zu präsentieren, ist und bleibt rätselhaft. Ein paar Zitate mögen genügen. Pöhls schreibt allen Ernstes, dass „vermutlich jede andere Besetzung in ähnlicher Weise erfolgreich gewesen wäre“ wie der erste Bundeskanzler. Doch nicht nur das. Im Blog der Republik mutiert Adenauer zum dunklen Geist der Nachkriegsgeschichte. Pöhls beschreibt den Mann, dem die Aussöhnung mit Frankreich und Israel politisches Lebensziel war, als einen Politiker, der „Demokratie als Mittel begriff, nicht als Wert an sich. Einen Mann, der Stabilität über Aufarbeitung stellte und Effizienz über Moral.“
Nun will ich an dieser Stelle nicht darüber räsonnieren, warum im bunten Reigen der Blog-Autoren so auffallend viele Gesichter der einstmals großen Ruhrpott-SPD erscheinen. Man würde sich aber in jedem Fall deutlich mehr Kompetenz in puncto Zeitgeschichte wünschen. Denn dass hier ausgerechnet der Trinkwasserverkoster und Verbraucherschützer Uwe Pöhls das Fazit der Ära Adenauer ziehen darf, spricht Bände.
Lieber Herr Hombücher, Ihre „Würdigung mit kritischem Blick“ hätten Sie uns besser erspart.
Christoph Hardt
Medienbeauftragter der CDU Bad Honnef
150 Jahre Konrad Adenauer – eine Würdigung mit kritischem Blick











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