10 Jahre „Honnef heute“ – Zwei Gegendarstellungen, ein Virus

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honnefshopping
Mit honnefshopping.de begann es am 5. Juli 2012. Damals in guter Kooperation mit der Honnefer Wochenzeitung.

Bad Honnef – Der kürzlich verstorbene Fotograf und Journalist Holger Handt war mit seinem Nachrichtenportal honnefer-zeitung.de schon auf dem Markt. Christian Preuß hatte seine anspruchsvolle Magazin-Seite „Rhein-Onliner – Das Magazin für eine bessere Welt“ da schon nicht mehr weiterentwickelt (warum eigentlich?). Honnef heute stieß im Juli 2012 mit seinem Format in eine Lücke und stellte Nachrichten aus der Bad Honnefer Geschäftswelt, vermischt mit allgemeinen News, in den Vordergrund. Deshalb lautete die Domaine zunächst „honnefshopping.de“. 

Hoffnung: Das Portal berichtet ausgiebig und aktuell über Geschäfte, Unternehmen, Menschen, Produkte aus Bad Honnef; mit täglichen allgemeinen News aus Bad Honnef und Umgebung sollte Anreiz geschaffen werden, die Seite regelmäßig aufzurufen.

Hoffnung: Die Geschäftswelt erkennt die Möglichkeiten für Marketing und Vertrieb (zu Beginn war auch ein Shop integriert), zumal es im weiten Umkreis nichts Vergleichbares gab.

Beides funktionierte nicht. Das Interesse am Web war in der Bad Honnefer Geschäftswelt kaum zu unterbieten. Bei Akquiseversuchen schwang immer die Angst mit, gleich geteert und gefedert zu werden. Die UnternehmerInnen hatten sich zu diesem Zeitpunkt offensichtlich fest vorgenommen, das Internet für den Kundenschwund in der City verantwortlich zu machen, statt die Chancen zu sehen. Es gab einige wenige Ausnahmen.

honnefshopping.de entwickelte sich zu einer reinen Nachrichtenseite für Bad Honnef. Bis Beate und Ralf Schaaf fragten: Was hat das mit … shopping zu tun? Wohl wahr! Also musste für die neue Ausrichtung ein anderer Name her.

anzeige honnef heute

Die frühere Vorsitzende des Bad Honnefer „Bündnis für Familie“ und der seinerzeit knapp unterlegene Bürgermeisterkandidat brachten das Portal nicht nur auf die richtige Spur, sondern auch gleich den neuen Namen mit: „Honnef heute“. Damit war natürlich der Anspruch verbunden, neue Nachrichten schnell zu verbreiten. Es ging (und geht) nicht um hochanspruchsvolle Berichterstattung und tiefgreifende Spitzenanalysen, es ging (und geht) um eine schnelle Information über Geschehnisse in der Stadt.

Aber nicht nur die Wirtschaft fand erneut nur sehr schwer Zugang zu dem webbasierten Nachrichtenangebot, auch der Honnefer an sich und andere Presseorgane zeigten die kalte Schulter. Es wurde gemobbt und verunglimpft. Die Spitze: Androhung rechtlicher Schritte (wogegen eigentlich?). Keine Satire. Schwamm drüber!

Inhaltlich hat sich Honnef heute an der Basis, den Bürgerinnen und Bürgern ausgerichtet. Ihre Nöte und Meinungen sind dem Portal wichtig. Wie es die Eigenwerbung verkündet: „Wir interessieren uns für den kleinsten Fisch!“

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„Honnef heute“ gab es auch als Printausgabe. Insgesamt sechs Mal wurden die vier Seiten im Berliner Format an alle Bad Honnefer Haushalte verteilt. Hier mit Prinz Josef I. und Aegidia Sandra I. auf dem Titel.

Es ist Chronistenpflicht, auf die beiden einzigen Gegendarstellungen hinzuweisen. Die kamen von der Stadt und betrafen (oh Wunder) das Kiezkaufhaus. Bald Rhein-Kaufhaus.

In den letzten Jahren entwickelte Honnef heute ein paar Nebenprodukte, beispielsweise rheinshopping.de, das den Unternehmen während der Lockdowns die Möglichkeit gab, kostenlos für sich zu werben. Oder das Portal honnefer-veedel.de, auf dem sich die Wirtschaft kostenlos präsentieren konnte. Auch badhonnef-hats.de wurde in Zusammenarbeit mit Honnef heute entwickelt, ebenfalls eine Präsentationsplattform für die gesamte Bad Honnefer Wirtschaft. Doch anstatt das mit dem damaligen „Herzblut“ aufgebaute fertige lokale digitale Netz zu fördern, begab sich die Stadt lieber in das Abenteuer Kiezkaufhaus. Jüngstes Projekt ist die kulturmeile-siebengebirge.de, die es auch als gedrucktes Heft gibt.

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Ankündigung der ersten Veranstaltung „Athleten und Poeten“ im Saal Kaiser

10 Jahre Honnef heute – spannende Jahre mit vielen neuen Freundschaften. Die täglichen Besucherzahlen liegen – je nach Ferienzeiten – zwischen 4.000 und 7.000. Im Monat werden durchschnittlich über eine halbe Millionen Seiten aufgerufen. Den größten Crash erlebte Honnef heute im März und April dieses Jahres, als es ein hartnäckiger Virus – über welchen Weg auch immer – auf den Server schaffte. Eine nervenaufreibende und teure Angelegenheit, die sich aufs Google-Ranking auswirkte. Mittlerweile liegt Honnef heute mit dem Keyword „Bad Honnef“ wieder auf dem 3. Platz, und mit den Begriffen News bzw. Nachrichten auf dem 1. Platz. Bei der Zielgruppendemografie von similarweb werden mit über 68 Prozent männliche User am häufigsten erwähnt, die größte Alterskohorte der User stellen die 25- bis 34-Jährigen dar.

Was bringt die Zukunft?

honnef-heute.de hat sich entschlossen, seinen Einzugsbereich zu vergrößern. So werden mehr Beiträge aus den Kommunen zwischen Bonn und dem Kreis Neuwied aufgenommen. Vorteil: Somit ist eine höhere Klickzahl möglich und Bad Honnef wird in den Nachbargemeinden präsenter. Anzeigenmäßig geht Honnef heute davon aus, dass sich die lokale Wirtschaft nicht sonderlich stärker engagieren wird. Zwangsläufig bleibt die Google-Werbung mit Konkurrenzangeboten also dominierend. Irgendwie müssen wenigstens die Kosten für Server, Technik, Fahrtkosten etc. wieder reinkommen.

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Demo-Titel: Mit „Rheinshoppen“ kommt Honnef heute den Forderungen von Einzelhandelsverbandschef Jannis Ch. Vassiliou nach. Der forderte Unterstützung durch die Presse. Nun vernetzt sich „Honnef heute“ mit rheinshoppen.de

Das Jubiläumsgeschenk

Die Presse muss der Wirtschaft helfen, beschwor am Donnerstag der Vorsitzende des Einzelhandelsverbands Bonn Rhein-Sieg Euskirchen e.V., Jannis Ch. Vassiliou, die anwesenden JournalistInnen. Für Honnef heute eine klare Aufforderung, nicht nur noch mehr für die heimische Wirtschaft zu tun, sondern auch zurück zu den Wurzeln zu gehen. Somit wird am 10. Juli das neue Portal rheinshoppen.de starten, eine Zusammenlegung von honnefer-veedel.de und rheinshopping.de. Inhaltlich wird damit genau die Idee von honnefshopping.de wieder aufgegriffen. Mal sehen, wie stark das Interesse an einem solchen Angebot zehn Jahre später ist.

1 Kommentar

  1. Lieber Herr Hombücher,

    Sie haben vergessen zu erwähnen, dass auch der erste Flyer für die Flüchtlingshilfe 2015 und die Website Bad Honnef hilft 2016 nicht ohne Ihre Hilfe entstanden wären. Danke dafür und für Ihre Unterstützung so vieler ehrenamtlicher Aktivitäten!

    Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, alles Gute und viele Grüße aus Berlin, natürlich auch von meinem Mann

    Beate Schaaf

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