Königswinter-Oberdollendorf. Jetzt geht es sichtbar voran: Mit dem Rückbau der alten Bahnbrücke im Zuge der L193 hat Straßen.NRW am Mittwoch den nächsten großen Bauabschnitt des Brückenneubaus in Königswinter-Oberdollendorf gestartet. Bis Sonntag soll der rund 70 Meter lange Brückenüberbau im 24-Stunden-Betrieb vollständig abgetragen werden.
Der Abbruch ist Teil der Sperrpause der Deutschen Bahn, die noch bis Anfang November andauert. Dieses Zeitfenster ist entscheidend, denn die Arbeiten finden direkt über der stark befahrenen Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden statt.
Zum Schutz der fünf Gleise wurde unter der Brücke zunächst ein sogenanntes Fallbett aus Baggermatten, Stahlplatten sowie einer Schicht aus Schotter und Recyclingmaterial errichtet. Es soll verhindern, dass herabfallende Beton- und Stahlteile die Bahnanlagen beschädigen. Das Abbruchmaterial wird anschließend sortenrein getrennt und nach Möglichkeit wiederverwertet.
Für den Rückbau sind sechs Großbagger mit einem Gewicht von bis zu 60 Tonnen im Einsatz. Ausgestattet mit Hydraulikhämmern, Abbruchzangen und Greifern arbeiten sie rund um die Uhr.
„Der Rückbau der bestehenden Brücke ist ein hochkomplexer Bauabschnitt. Die Arbeiten finden in einem eng begrenzten Zeitfenster während der DB-Sperrpause statt und erfordern eine präzise Planung sowie eine enge Abstimmung aller Beteiligten“, erklärt Projektleiter Adrian Kappes von Straßen.NRW.
Brücke aus dem Jahr 1963 wird ersetzt
Die bestehende Brücke stammt aus dem Jahr 1963 und verbindet Oberdollendorf mit der B42 und der A562. Aufgrund ihres Alters und erheblicher Schäden – darunter Beulen an den Stahlträgern – entsprach sie zuletzt nicht mehr den heutigen Anforderungen an Tragfähigkeit und Verkehrssicherheit. Bereits seit einiger Zeit galt eine Gewichtsbeschränkung von 16 Tonnen. Eine Sanierung hätte sich nach Angaben von Straßen.NRW technisch und wirtschaftlich nicht gelohnt.
Neubau soll Anfang 2027 fertig sein
Direkt nach dem Abriss beginnen die Arbeiten an den neuen Widerlagern. Parallel dazu entsteht auf einem Vormontageplatz die neue 85 Meter lange Stahl-Stabbogenbrücke, die aus 18 Einzelteilen zusammengesetzt wird.
Ein besonderer Höhepunkt der Bauarbeiten ist für Ende Oktober vorgesehen: Dann soll die fertige Brücke mit selbstfahrenden Modultransportern (SPMT) an ihre endgültige Position geschoben werden. Anschließend folgen Fahrbahnbau, Asphaltarbeiten sowie die Fertigstellung der Dämme und der Geh- und Radwege.
Die neue Brücke erhält auf der Ostseite erstmals einen drei Meter breiten gemeinsamen Geh- und Radweg sowie zusätzlich einen Gehweg auf der Westseite. Damit sollen sich die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr deutlich verbessern.
Schneller durch funktionale Ausschreibung
Nach Angaben von Straßen.NRW wird das rund 21 Millionen Euro teure Projekt erstmals über eine sogenannte funktionale Ausschreibung umgesetzt. Dabei werden Planung und Bau eng miteinander verzahnt, wodurch sich die Bauzeit deutlich verkürzen soll. Zwischen dem Baubeginn im April 2026 und der geplanten Verkehrsfreigabe Anfang 2027 liegen lediglich zehn Monate.
„Mit der funktionalen Ausschreibung gehen wir bei diesem Projekt bewusst neue Wege und halten durch die verkürzte Projektlaufzeit die Beeinträchtigungen für Anwohnerinnen und Anwohner sowie den Verkehr so gering wie möglich“, sagt Mohamed Abodahab, Leiter der Bauabteilung der Regionalniederlassung Rhein-Berg von Straßen.NRW.
Mit dem jetzt begonnenen Abriss verschwindet ein Bauwerk, das mehr als sechs Jahrzehnte den Verkehr über die Rheinstrecke geführt hat. Anfang 2027 soll an gleicher Stelle eine moderne Brücke den Verkehr wieder aufnehmen.









