Albtraum des rheinischen Establishment wurde verabschiedet

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Bad Honnef. Gefeiert wurde sie heute, weg ist sie noch lange nicht. Wally Feiden hört erst auf, wenn der neue Bürgermeister im Amt ist. Das dauert mindestens bis zum 15. Juni.

Aber auch danach wird sie noch eine Zeit lang im Rathaus zu sehen sein. Übergabe, Einarbeitung, aufräumen … „Und wer sie kennt, der weiß, dass wir sie noch lange in Bad Honnef erleben werden“, weiß ihr Stellvertreter Peter Profittlich. Der lobte sie bei der Verabschiedung im Kurhaus in höchsten Tönen: „Ich hätte nie geglaubt, dass es trotz der unterschiedlichen politischen Auffassungen so gut mit uns klappen würde.“

Regierungspräsidentin Gisela Walsken brachte noch einen ganz anderen Aspekt ins Spiel. Sie erinnerte an die Anfangszeit, als Wally Feiden das Machtgefüge der Christdemokraten in Bad Honnef zum Einsturz brachte. Man habe sie als Albtraum des rheinischen Establishment bezeichnet, bis dahin hätte in Bad Honnef gegolten: „Die Roten sind allenfalls als Steuerzahler in der Stadt geduldet.“

Auch Landrat Kühn erinnerte sich an viele positive Momente, zum Beispiel den gemeinsamen Kampf für den Nationalpark Siebengebirge. Gäbe es den heute, hätte es die großen Probleme mit den Weinbergen in Rhöndorf mit großer Wahrscheinlichkeit so nicht gegeben.

Wally Feiden fühlte sich zum ersten Mal während einer Feierlichkeit äußerst unwohl. Das hatte seinen Grund. Öffentliche Ehrungen, so Feiden, hätte sie gerne und häufig mit voller Überzeugung ausgesprochen. „Aber das war etwas anderes, als das heute hier. Das Ehren anderer – da hatte ich den aktiven Part. Jetzt habe ich die passive Rolle, ich wusste gar nicht, dass das so schwer ist.“

Es kam noch mehr Herzschmerz. „Glauben Sie nicht, dass Sie mir das Abschiednehmen erleichtert haben. Ich muss ständig nach Fassung ringen, wenn Sie mir in Worten und Taten vorführen, was ich jetzt alles loslassen muss, nein, loslassen will. Und das ist nicht gerade wenig“. Und charmant gelogen. Denn bei jeder Gelegenheit, die sich Wally Feiden bietet, betont sie inbrünstig, dass sie eigentlich nicht aufhören will, die Bürgermeisterin zu sein. Jüngst beim 50-jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr.

Sie wird es müssen. Profitieren könnte ihr Mann Rüdiger. Dem verspricht sie, ganz emanzipatorisch: „Ab jetzt gibt’s nicht mehr alle Tage Butterbrot.“

Organisiert wurde die Abschiedsfeier von den Machern des Stadtrechtefestes 2012. Mit dabei: Das Orchester der Musikschule der Stadt Bad Honnef und Mitglieder des Colegium musicums; Johannes Weiß, Leiter des Chores n’Joy; Antonia Schwager, Leiterin der Musikschule und Pianist Leonard Hüster; der Spielmannszug TV Eiche; Jörg Pütz mit einer Abordnung von Halt-Pol und andere Vereinsvertreter. Moderator des Abends: Udo Krahe.

Den Vereinen sprach Wally Feiden noch einmal ihren besonderen Dank aus: „Hier organisiert sich das Ehrenamt, hier zeigt sich die Kraft und Vielfalt einer Kommune.“

Die ebenfalls anwesenden potenziellen Nachfolger, Guido Leiwig und Otto Neuhoff, haben gut zugehört.

 

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