Alle Jahre wieder – 68. Auflage des Traditionsfußballspiels Oberdorf gegen Unterdorf in Rhöndorf

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Bad Honnef-Rhöndorf | Schon in grauer Vorzeit bestimmten verfeindete Stämme ihre tüchtigsten und kräftigsten Krieger, um in sportlichen Wettkämpfen und Duellen politische Streitigkeiten beizulegen. In dieser ehrwürdigen Tradition treffen auch in diesem Jahr wieder die verfeindeten Dorfhälften Rhöndorfs auf dem Fußballplatz aufeinander, um die Herrschaftsverhältnisse für das kommende Jahr zu klären.

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Stolz schaut man in Rhöndorf auf die 68-jährige Tradition des Wettbewerbs zurück. Schon seit 1948 prallen hier in drei „Halbzeiten“ die größten Talente des Ober- und Unterdorfs aufeinander. Das Duell basiert seit jeher auf dem überlieferten Rhöndorfer Regelwerk (RRW), das statt wettbewerbsverzerrender Freistöße und Karten lieber farbige Schnäpse für die aneinandergeratenen Kontrahenten vorsieht. Angesichts solch durchdachter Richtlinien und langer Historie treibt der Gedanke an die um Jahrzehnte jüngere Bundesliga den ansässigen, wahren Kennern des Sports nur ein müdes Lächeln ins Gesicht. Und ganz abgesehen davon, wer sehnt sich in Zeiten der FIFA-Skandale und steuerscheuen Profifußballer denn nicht nach einem sauberen wie unkonventionellen Kick?

Doch die Kräfteverhältnisse haben sich verschoben: eilte das Unterdorf in den 1990er Jahren noch von Sieg zu Sieg, erschien im letzten Jahr kaum mehr als ein wackerer Streiter aus der Rheinniederung auf dem Platz. Nur wegen einer großzügigen personellen Leihgabe der stolzen Oberdorfer konnte die Tradition gewahrt bleiben. Erwartungsgemäß eindeutig fiel das Ergebnis aus: 12 Treffer erzielten Spieler des Oberdorfs, nur einer gelang dem einsamen „Muschelsucher“ der Ufergestade.

Viel wurde über das Ausbleiben des Unterdorfs spekuliert: fiel der Rückflug aus dem Trainingslager einem Lotsenstreik zum Opfer, stiftete das frühlingshafte Wetter Verwirrung oder waren gar ungenießbare, weihnachtliche Miesmuscheln verantwortlich?

Was auch der Grund gewesen sein mag, bereits seit Monaten munkelt man von einem großangelegten Rekrutierungsprogramm der Unterdörfler, das eine erneute Schmach verhindern soll. Die zahlreichen aktiven Spieler des Oberdorfs jedenfalls erwarten gespannt und voller Vorfreude einen wieder ebenbürtigen Gegner.

Unter den begeisterten Fangesängen der Unterstützer beider Dorfhälften und bei klingenden Gläsern wird die legendäre Begegnung auch dieses Jahr am 26.12. um 11:00 auf dem Sportplatz des Hauses Rheinfrieden im Frankenweg angepfiffen. Nach geschlagener Schlacht findet die feuchtfröhliche Aussöhnung in der „Dritten Halbzeit“ in der Gaststätte „Im Krug zum grünen Kranze“ in Rommersdorf zu gewohntem, überliefertem Gesang statt. (DB)

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