Welche Kommune macht das schon: eine Bürgermeisterkandidat*innen-Diskussion durchführen und live im Internet übertragen?! Gestern Nachmittag geschah genau das im Kursaal. 20 Jugendliche saßen bereit, um den Kandidat*innen auf den Zahn zu fühlen. Veranstalter war der Stadtjugendring.

Wie können sich Wählerinnen und Wähler während Corona besser über die Ziele und Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger informieren, die verantwortlich die Geschicke der Stadt leiten wollen? Danke dafür.

Weil eben der Stadtjugendring Initiator war, ging es hauptsächlich um Themen, die die Jugend interessieren: Sibi, Busfahrpläne, Angebote für die Jugend, Klimaschutz …

Otto Neuhoff erklärte Sachstände und beim Thema “Digitalpakt” versagtem ihm kurz die Nerven, als er einen Jugendlichen, der schmunzelte, mit der Frage (43:23) irritierte: “Ist es lustig?” Der Sibi-Schüler hatte sich – wie er später aufklärte – gefragt, wo denn nur die 3 Millionen EUR geblieben seien, die bisher ins Sibi investierten wurden. Später musste dann noch ein grünes Nachwuchstalent Kritisches einstecken. ON: “Als Grüner ist es manchmal schwer, die Wahrheit zu ertragen.” (2:24:10)

Klaus Munk hatte die Chance, seine Partei als Kämpferin für eine bessere Busverbindung in den Vordergrund zu rücken. Schließlich war es die SPD, die vehement für die umfangreichere, teurere Lösung gekämpft hat – die übrigens auch von der Verwaltung als eine von zwei Varianten vorgeschlagen wurde. Er punktete bei der Forderung nach mehr Demokratieprozessen (“Mehr Demokratie wagen”), einer Überarbeitung des Parkraumbewirtschaftungskonzepts und der Forderung nach weniger Versiegelung von Grund und Boden zugunsten von Sportstätten.

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Dr. Gabriele Clooth-Hoffmeister ist bekannt für klare Worte. Im Kursaal wurde sie beim Thema Jugendparlament richtig sauer. Einen Seniorenbeirat hätte man in Bad Honnef, bei der Beteiligung der Jugend müsse endlich auch etwas passieren. Diesbezüglich sei in all den Jahren nichts geschehen. Keine Frage: Beim Klimaschutz machte sie die meisten praktikablen Vorschläge, schien überhaupt gut vorbereitet gewesen zu sein.

Noch besser zündete die Feststellung eines Jugendlichen: “Jetzt haben wir leider das Problem: Der Klimawandel ist nicht relativ. Da kann man auch nichts abwägen.” Dann wollte er wissen, inwieweit die Politik der Kandidaten beim Thema eindeutig sei, dass man über Vieles reden könne, aber über Klimawandel häufig nicht.

Auch interessant, als ein Jugendlicher nach konkreten Angeboten für bestimmte Gruppen fragte, zum Beispiel für LGBTQ. Hier mussten die Kandidaten erst einmal nachfragen. Hingegen war Frau Clooth im Bilde.

Die Top-Frage kam vom Moderator Marcelo Peerenboom: “Warum sollen Jung- und Erstwähler Ihnen ihre Stimme geben?” Antworten ab Minute 2:21.27. Eine andere Top-Frage: Was würden die Herausforder von Otto Neuhoff besser machen (als er)? Antworten ab 1:37:00.

So richtig wohl schienen sich die Bürgermeisterkandidat*innen in ihrer Rolle vor den Kameras nicht zu fühlen. Verständlich. Entsprechend vorsichtig gingen sie miteinander um, um nicht Gefahr zu laufen, sich in eine unbeherrschbare Konfrontation zu begeben.

Irgendwann flutschte dem klasse Moderator der Begriff “Harmoniesoße” aus dem Mund. Ja, im Rat gehen die Kommunalpolitiker*innen oft weniger harmonisch miteinander um. Aber dann sind ja auch keine Kameras im Raum.

 

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