Bad Honnef. Die Innenstadtentwicklung in Bad Honnef kommt (nur) langsam in Fahrt, wenn auch der Bauplatz zwischen Synscher Hof und Fußgängerzone etwas anderes vermittelt: Obwohl im Oktober der Spatenstich erfolgte, liegt die Fläche noch immer brach. Der Projektentwickler von Piazza Verde prima verschob den Baubeginn immer wieder – zuletzt auf Mitte oder Ende April. Doch auch dieser Termin verstrich ohne Fortschritt.
Währenddessen geht es auf dem Gelände des ehemaligen Postgebäudes voran, auch wenn die Initiatoren des Künstlerprojekts Ladenzeile die Kündigung erhielten und im Juni räumen. Aber das war natürlich eingeplant. Zudem verschwinden mindestens zwei Geschäfte aus der Kirchstraße, Ersatz ist noch nicht bekannt.
Die Zeit drängt, denn Ende des Jahres läuft das Förderprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Ortszentren“ aus. Bisher ermöglichte der Verfügungsfonds Gründern und Gewerbetreibenden, Ladenlokale zu stark reduzierten Mieten anzumieten. Doch was passiert, wenn die Unternehmer wieder ortsübliche Preise zahlen müssen? Die Sorge vor weiteren Leerständen ist also berechtigt.
Doch es gibt auch Lichtblicke. Besonders lebendig präsentiert sich aktuell der Abschnitt der Hauptstraße zwischen Sparkasse und Bahnhofstraße. Hier locken Angebote mit Alleinstellungsmerkmal wie Pieke & Fein, die Genießerpfade oder die Bücherei Werber. Ein echter Glücksfall für die Stadt ist die Trattoria La Tavola der Familie Colombo, die neben dem Telekom-Shop und Pasta e basta liegt. Der neue Italiener ist oft bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Gäste loben die Qualität durchweg.
Gourmet-Highlights setzen zudem das Bistro Ludwig, die Bäckerei Welsch mit ihrem Bistro und Pasta e basta – allesamt mit hoher Beliebtheit. Wer es mittags schnell und bodenständig mag, schwört auf den täglichen Speiseplan der Metzgerei Hielscher. Dass diese nicht nur kulinarisch überzeugt, bewies kürzlich der Ehrenpreis des FSK-Instituts beim Fleischwurst-Pokal 2026, einem renommierten Qualitätswettbewerb des Fleischerhandwerks.
Noch eine gute Entwicklung: Mit FLUiDUM eröffnete letzte Woche eine neue Boutique am Franz-Xaver-Trips-Platz 4. Seitdem gibt es wieder Herrenmode in der Innenstadt. Ebenfalls interessant – wenn es auch nicht direkt die City betrifft: In der Bahnhofstraße wird eine neue augenärztliche Privatpraxis eröffnen, im früheren Ludmillas in der Linzer Straße zieht Etienne Coppeneur mit einem neuen Restaurant ein und im ehemaligen Anleger an der Fähre öffnet eine Tapas Bar (dazu Ende der Woche mehr).
Dass solche Erfolge und tolle Events oft untergehen, könnte an einem fehlenden Informationsportal liegen. Der Centrum e.V. testete daher das Projekt „Wir sind City“, das über solche Highlights berichten soll. Die Nachfrage der Teilnehmer ist bisher überschaubar, doch vielleicht ändert sich das noch.
Ein Schritt in die richtige Richtung könnte auch die geplante Verlegung der Stadtinfo und des Tourismusbüros sein. Bisher versteckt im Rathaus, sollen sie künftig in eine hochfrequentierte, barrierefreie Lage im Zentrum ziehen – genau dort, wo Tourismusexperten sie seit Langem sehen: direkt in der Fußgängerzone oder an einem zentralen Verkehrsknotenpunkt. Eine solche Anlaufstelle würde nicht nur Besuchern und Einheimischen zugutekommen, sondern auch den Geschäften in der City. Vielleicht gibt dieser Schritt der Einzelhändlergemeinschaft neuen Schwung, um gemeinsam Pläne zu schmieden und Bad Honnef zu einem echten Hotspot zu machen.
Ein Vorbild könnte die Stadt Kempen am Niederrhein sein, die das Handelsblatt kürzlich als Gegenentwurf zum Niedergang des stationären Einzelhandels porträtierte. Kempen glänzt mit einer lebendigen Innenstadt, vielen inhabergeführten Geschäften, Cafés und Restaurants sowie hoher Aufenthaltsqualität. Erfolgsfaktoren sind laut Bericht die historische Altstadt, verkehrsberuhigte Bereiche und eine konsequente Stadtgestaltung. Schon in den 1960er-Jahren begann Kempen, Autos aus der Altstadt zu verbannen und öffentliche Räume neu zu gestalten. Hinzu kommt eine überdurchschnittliche Kaufkraft in der Region.
Die Frage ist: Lassen sich solche Impulse auf Bad Honnef übertragen? Themen wie Aufenthaltsqualität, inhabergeführter Einzelhandel, Außengastronomie und ein attraktives Stadtbild spielen am Siebengebirge schließlich seit Jahren eine zentrale Rolle. Die Chance für einen Aufbruch ist da – es braucht nur den richtigen Schwung.












Piazza Verde prima: Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen mit den permanenten Verschiebungen. Nichts wäre schlimmer als eine Pleite nach Baubeginn und eine Bauruine.