Beethoven-Denkmal: Schönheitskur und ein neues Innenleben

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Die Beethoven-Statue steht derzeit in der Werkstatt. Dort wird sie von Metall-Restaurator*innen fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht: beschädigte Stellen werden repariert und Schmutzschichten entfernt. Giacomo Zucca/Bundesstadt Bonn

Bonn – Seit Anfang des Jahres wird die Statue des berühmten Bonner Komponisten umfangreich restauriert. Die Arbeiten schreiten gut voran. Bis zu seinem 177. Einweihungsjubiläum am 12. August 2022 soll das Denkmal auf den Münsterplatz zurückkehren.

Die Beethoven-Statue steht derzeit in der Werkstatt. Dort wird sie von Metall-Restaurator*innen fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht: beschädigte Stellen werden repariert und Schmutzschichten entfernt.

Anfang des Jahres 2022 schwebte das Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz spektakulär an einem langen Kranarm von seinem Podest auf einen bereit stehenden Tieflader. Aus dem Bonner Zentrum ging es dann in eine Werkstatt in der Nähe Bonns. Dort wird das Wahrzeichen Bonns seit nun rund drei Monaten einer umfangreichen Restaurierung unterzogen. Restaurator*innen des von der Stadt Bonn beauftragten Unternehmens Recovis kümmern sich darum, dass das Denkmal fit für die nächsten Jahrzehnte gemacht wird, beschädigte Stellen repariert und Schmutzschichten entfernt werden. Die Restaurierung des Denkmals wird durch das Städtische Gebäudemanagement (SGB) koordiniert.

Neue Erkenntnisse nach dem Abbau

Während die Abnahme der Statue am Vormittag des 5. Januars 2022 so verlief wie geplant, sorgte die Demontage des Sockelbereichs in den Nachmittagsstunden für einige unschöne Überraschungen. Im Vorfeld war durch das Öffnen einer der Allegorienplatten auf der Westseite die innere Konstruktion untersucht worden. Diese zeigte sich als gegossener Betonkern mit einer innerhalb des Postaments verbliebenen Holzverschalung.

Was allerdings darunter lag, war nicht zu sehen – hierfür lag die bronzene Hülle des Postaments zu dicht an. Als nun das Postament ebenfalls durch den Kran abgenommen werden sollte, stellte sich heraus, dass man bei der Wiederaufstellung im Jahr 1965 „auf Nummer sicher“ gegangen war. Das untere, breiter auskragende Kranzgesims war mit Beton ausgegossen worden. Diese Betonschicht hatte sich mit dem Betonkern verbunden, was nun dazu führte, dass ein Abheben der Postament-Hülle nicht mehr so einfach möglich war.

Das Kranzgesims und eine Allegorienplatte mussten zunächst demontiert werden, so dass das Denkmal am Ende in vier statt nur in zwei Teilen zerlegt und abgebaut werden musste. Als sich der innere Betonkern dann ohne seine Bronzeverkleidung zeigte, kam das ganze Schadensbild erstmalig eindeutig ans Licht. Durch die untere Verfüllung hatte jahrelang Wasser im Inneren des Denkmals gestanden.

Die Stützkonstruktion aus Beton und Stahl war völlig marode, Anlagerungen von Krusten und Salzen aus dem Beton hatten bereits zu Schäden auf der Innenseite der Bronze geführt. Aus dem Kranzgesims selbst musste zunächst von Hand der Beton herausgestemmt werden, bevor es dann auch seinen Weg in die Werkstatt fand. Die innenseitigen Schäden sind von außen nicht sichtbar, bedingen nun jedoch dringende, weitergehende Restaurierungsmaßnahmen.

Ein neues Innenleben für Ludwigs Basis

Der stützende Betonkern im Inneren war nicht zu halten und musste vollständig abgetragen werden. Nun muss ein neues Innenleben gebaut werden. Dabei handelt es sich bereits um die dritte Konstruktion zur Sicherung der Standsicherheit dieses besonderen Denkmals. Bei seiner Erstaufstellung war der innere Kern aus Ziegeln gemauert worden.
In den 1960er Jahren baute man diese vollständig bis auf die Bodenplatte zurück und entfernte auch die ursprüngliche Sockeleinfassung aus Granit. Für die Wiederaufstellung griff man damals – ganz im Sinne der Zeit – zu Stahlbeton. Jedoch zeigte sich nun, dass auch dieses Material nicht von Dauer war. Ein neues Innenleben muss nun her, um zu gewährleisten, dass die tonnenschwere Statue in den kommenden Jahrzehnten wieder sicher stehen wird. Um die Durchlüftung des Inneren in Zukunft zu gewährleisten und Wasserschäden im Inneren zu vermeiden, wird das neue „Skelett“ als Stahlstützkonstruktion ausgeführt.

Aufgrund der nahezu täglich steigenden Materialpreise wird allein der Stahl hierfür mit rund 9.500 Euro zu Buche schlagen. Weitere 10.000 Euro werden für die zusätzlichen Maßnahmen zur Restaurierung des Kranzgesimses und zur Anpassung des neuen Innenlebens anfallen. Diese notwendigen Arbeiten führen dazu, dass die bisher angenommenen Restaurierungskosten in Höhe von 60.000 Euro nicht mehr zu halten sind. Die Abdichtung der Pflanzfläche muss ebenfalls erneuert werden – auch das wurde erst durch den Abbau des Denkmals erkennbar. Im Zuge dessen wird auch das Gitter der Beet-Einfassung überarbeitet.

Um das Denkmal auch in Zukunft in der bekannten Form in den Abendstunden erstrahlen zu lassen, soll die Beleuchtung auf den neuesten Stand gebracht werden. Statt der bisherigen drei großen Strahler werden neue Leuchten eingebaut, die moderne LED-Technik beinhalten. Hierdurch wird nicht nur den Anforderungen zur Vermeidung von Lichtsmog Rechnung getragen, sondern auch die Energiekosten werden stark reduziert. Statt der bisherigen 1,20 Euro pro Tag, werden in Zukunft nur noch rund 40 Cent an Stromkosten pro Woche anfallen. In Summe wird die Gesamtmaßnahme nun 95.000 Euro kosten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Land NRW unterstützen die Maßnahme bereits mit jeweils 15.000 Euro. Um die Mehrkosten aufzufangen, ist das SGB bereits im Gespräch mit Fördermittelgebern.

Einblicke in die Werkstatt – Restaurierung liegt im Zeitplan

Fast 60 Jahre ist es her, dass die gut 3,2 Tonnen schwere Statue sowie das rund 3,4 Tonnen schwere Postament in den Jahren 1963-65 das letzte Mal umfassend restauriert wurden. Vor allem die witterungsbedingten Verschmutzungen und die daraus resultierende Korrosion bedingten nun die umfangreiche restauratorische Reinigung und Konservierung der Großbronze.

Das Ziel der Reinigung, die mit Schwämmen und Wasser sowie für das Material geeigneten Reinigungsprodukten vor sich geht, ist dabei jedoch nicht die Wiederherstellung „des alten Glanzes“. Vielmehr geht es darum, die schädigenden Schmutzschichten zu entfernen, die historische Patina jedoch zu erhalten.

Die Statue selbst ist zum größten Teil bereits restauriert. Hierbei war zwischendurch durchaus ein wenig Kraftaufwand beziehungsweise der Einsatz eines Ultraschall-Feinmeißels notwendig. Die Reinigung konserviert das Denkmal und führt dazu, dass in Zukunft das Regenwasser wieder besser ablaufen kann und nicht mehr so schnell für Korrosion sorgt. Auch Reparaturstellen der ersten Restaurierung hatten sich über die Jahre an einigen Stellen gelöst. Diese wieder zu befestigen sowie offene Fugen und Nähte zu verschließen, gehörte ebenfalls zu den Restaurierungsarbeiten.

Bei einem Besuch der Werkstatt konnten sich Medienvertreter am Mittwoch, 30. März 2022, ein umfangreiches Bild vom Fortgang der Arbeiten machen. Im direkten Vergleich der bereits abgeschlossenen Arbeiten an der Statue mit dem noch nicht vollständig restaurierten Postament wurde das Vorher/Nachher-Bild besonders deutlich.

Ganz am Ende, kurz vor seiner Wiederaufstellung im August, werden die einzelnen Teile des Denkmals dann mit einem Mikrokristallin-Wachs beschichtet. Durch eine leichte Pigmentierung, also Einfärbung in einigen Bereichen, wird hiermit ein stimmiges Gesamtbild der Oberfläche wiederhergestellt.

 

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