Bekommt die B42 eine Fahrradspur?*

*Quatschfrage! Viel zu kompliziert. Dafür gehts aber mit dem auch nicht gerade unkomplizierten Mobilwandel in Bad Honnef weiter

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Fahrrad statt Auto. Immer öfter nutzen Bürger und Gäste das Fahrrad in Bad Honnef. Bald stellt die RSVG auch E-Bikes zur Verfügung

Bad Honnef – So unberechtigt ist die Frage nach einer Fahrradspur auf der B42 eigentlich gar nicht. Erstens klappts doch mit der teilweisen Einspurigkeit zwischen Rhöndorf und Bonn zurzeit nicht schlecht, zweitens wird hoffentlich die Notwendigkeit des Energiesparens den Autoverkehr zum Positiven regulieren und drittens würde diese Fahrspur, die ja vor allem für schnelle E-Bikes geeignet wäre, den Rheinradweg zwischen Rhöndorf und Königswinter entlasten. Die Qualifizierung der Strecke wird bald in Angriff genommen, und bevor dort die elektronisch versursachte Raserei auf zwei Rädern zur Gefahr wird, machen solche Alternativen vielleicht Sinn.

Bad Honnefs Bürgermeister Otto Neuhoff lachte, als er mit der halbernst gemeinten futuristischen Frage auf einer Pressekonferenz heute im Rathaus konfrontiert wurde, bei der es um die „Fortschritte bei der Förderung des Radverkehrs“ ging. „Können Sie sich vorstellen, dass der Bund eine Autostraßenhälfte abgibt? Können Sie sich vorstellen, was das für Verhandlungen wären?“

Mehr Menschen aufs Fahrrad bringen

Ein bisschen Spaß muss sein, beim Mobiltätswandel. Denn der ist kompliziert genug, kostet vermutlich Nerven. Vor allem in einer kleinen Kommune wie Bad Honnef. Ginge es um Fahrradkonzepte in großen Städten, würden dort aus vier Spuren für Autos einfach zwei gemacht, die anderen beiden zu Radwegen, berichtet der Bürgermeister. In Bad Honnef sei der mobile Fortschritt aufgrund der schwierigen strukturellen Bedingungen weitaus schwieriger. Enge Straßen, Gefahrenpotenziale, vernünftige Markierungen und Beschilderungen … – all das – und noch mehr – müsste berücksichtigt werden. Die Vorbereitung auf die Zukunft sei in der Badestadt eben kein Zuckerschlecken.

Dennoch ist Neuhoffs erklärtes Ziel: Mehr FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen – weniger Autos. Jeder, der realistisch denkt, weiß: Der Mann hat recht.

Mit Beschluss vom 25.02.2021 hat der Rat der Stadt Bad Honnef deshalb das Radverkehrskonzept auf den Weg gebracht. Das Konzept ist strategische Grundlage und Handlungsempfehlung für die Förderung des Radverkehrs im Stadtgebiet zugleich. Aufbauend auf dem Radverkehrskonzept hat die Verwaltung am 10.06.2021 ein Maßnahmen- und Arbeitsprogramm erstellt, um die beiden Förderprojekte I „Die Radwende“ und II „Unterwegs nach Rad Honnef“ umzusetzen.

Kommunikative und bauliche Maßnahmen

So wurden in den Jahren 2021 und 2022 neben kommunikativen auch bauliche Maßnahmen umgesetzt, um neue „Radmomente“ zu erzeugen und die Attraktivität und Sicherheit des Radfahrens zu erhöhen. Dazu zählen das Fahrradfestival im August 2021, der Realisierungswettbewerb BergMarken und das Fest der Flicken im Mai 2022, ruft Wirtschaftsförderin Johanna Hoegner in Erinnerung. Aber auch die Optimierung von Engstellen, die Beseitigung von Oberflächenmängeln, Markierungsarbeiten und vieles mehr wurde vorgenommen.

Wer kennt sie nicht, diese Radmomente-Poller. Verjuxt wurden sie, weil viele ihren Sinn nicht erkannten. „Zwei wurden sogar gestohlen, aber später wieder zurückgebracht“, berichtete Stadtplaner Fabiano Pinto. Offensichtlich hatten die Übeltäter dann doch die Zweckmäßigkeit erkannt. Und wofür sind sie nun gedacht? Bestimmte Bereiche müssen vom Autoverkehr freigehalten werden, deshalb die Poller. Und sie sind so groß, damit man sie auch aus der Entfernung schon sehen kann – Sicherheitsgründe.

Sicherheit sei bei der Neugestaltung der Wege sowieso sehr wichtig und müsse bei jedem Handschlag mit berücksichtigt werden. Was nicht immer leicht ist. So wollte die Stadt Radwege rot markieren, um sie besser kenntlich zu machen. Ging nicht! Eine der übergeordneten Behörden ließ das nicht zu. Deshalb formulierte die Stadt auch heute einen weiteren Herzenswunsch: Die bürokratischen Verwaltungsebenen müssten besser zusammenspielen, auch länderübergreifend. „Da fahren Sie auf einmal über die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz und finden plötzlich ganz andere Zeichen und Regelungen vor“, so der Erste Beigeordnete, Holger Heuser.

Kompromisse sind notwendig

Neu sind die Bodenwellen in der Karl-Broel-Straße. Sie sollen die Kamikaze-Radler daran hindern, vollends auszuflippen. „Wir werden sehen, wie sich das entwickelt“, wirft Pinto in die Runde. Womit er vermutlich die Akzeptanz dieser Maßnahme meint. Und auch die ersten 100 neuen Fahrradpins, an denen man sein Fahrrad anschließen kann, müssten sich erst bewähren. Immerhin seien sie nicht diebstahlsicher. Das richtige Werkzeug zur Hand, und Fahrräder samt Pins seien verschwunden. Man müsse Kompromisse machen, sagt Pinto. Man solle sich vorstellen, so eine Fahrradabstellsäule stünde im Notfall dem Rettungsdienst im Wege. Da seien Betroffene sicherlich froh, wenn man das Hindernis schnell wegräumen könnte.

Der Mobilwandel und das Fahrradkonzept in Bad Honnef werden konstant weiterentwickelt, verspricht Otto Neuhoff. Im nächsten Jahr soll die Rommersdorfer Straße ausgebaut werden, eine Machbarkeitsstudie für eine fahrradtaugliche Verbindung zwischen Berg und Tal wurde in Auftrag gegeben. Noch etwas: Zurzeit finden Gespräche mit allen Beteiligten statt, um den Haltepunkt der Bahn in den Bereich der Endhaltestelle der Linie 66 zu verlegen. Der Honnefer Schmuddelbahnhof hätte dann ausgedient. Im besten Falle könnte dieses Kunststück bis 2028 gelingen.

Freuen können sich die Fahrradfans auch auf weitere autofreie Sonntage im Schmelztal. Das nächste soll im Juni 2023 stattfinden.

Viele Maßnahmen wurden im Rahmen des Mobilwandels in Bad Honnef seit dem letzten Jahr bereits umgesetzt, wenn auch noch nicht allzu viel sichtbar ist. Das soll sich spätestens 2023 ändern, so Neuhoff, dann werde es einen spürbaren Ruck bei der Wahrnehmung geben.

Ein Katzensprung von Rhöndorf bis Selhof

Dafür könnten die Bürgerinnen und Bürger schon früher locker selbst sorgen, indem sie  öfter aufs Auto verzichten. Die Fahrstrecke zwischen der Berck-sur-Mer-Straße in Selhof und der Löwenburgstraße in Rhöndorf beträgt 4,58 Kilometer. Dafür lohnt es sich für fitte Bad Honnefer wahrlich nicht, den Motor anzuschmeißen. Und Eltern sollten ebenfalls darüber nachdenken, ob sie ihre Kinder bis vors Schultor kutschieren müssen.

Zur Sicherheit noch einmal: Eine Fahrradspur auf der B42* ist nicht angedacht. Aber die Überschrift hat vielleicht dazu beigetragen, hier über das wichtige Thema Mobilitätswandel zu lesen. Clickbaiting? Wenns doch der Umwelt dient.

 

 

 

 

 

 

 

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