Geboren in Bad Honnef gibt es nicht mehr. Cura schließt seine Geburtsstation. Aus wirtschaftlichen Gründen. Und Personal gibt es auch keines mehr.

Den Manager:innen der sozial karitativen Trägergesellschaft kann man da keinen Vorwurf machen. Sozial-karitativ heißt heute nicht ausschließlich Notleidende unterstützen und wohltätig handeln, sondern auch wirtschaftlich denken. Dafür haben sich Kirchen und Orden schon lange mit Knallhart-ManagerInnen versorgt. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Wenn sie im Wettbewerb mit den Privaten bestehen wollen, müssen sie nach den Regeln des Wettbewerbs handeln.

Es war seinerzeit politischer Wille, Krankenhäuser weitestgehend zu privatisieren. Sogar Unikliniken wurden verhökert – beispielsweise an eine Aktiengesellschaft. Edgar Pinkowski, Präsident der Landesärztekammer Hessen: “Eine Aktiengesellschaft hingegen muss möglichst hohen Gewinn erwirtschaften, um die Aktionäre zu befriedigen. Das ist Kommerzialisierung mit dem Leid der Menschen.”

Nun gut, die Diskussion ist ja bereits im Gange, Krankenhäuser wieder in die Obhut der Gesellschaft zu geben, also kommunale Krankenhausverbünde zu gründen. Und sie wird hoffentlich Fahrt aufnehmen. Dann geht es nicht mehr um Gewinne, sondern um eine schwarze oder auch rote 0. Es müsste kein Personal mehr eingespart werden, um Aktionäre zu befriedigen.

In Bad Honnef ist der Zug zunächst abgefahren. Und es ist auffallend, wie bemerkenswert schnell und leise er den Bahnhof Nizza verlassen konnte. Die Stadt, die sich eine Dachmarke gönnt, verliert mit der Geburtsstation eines ihrer herausragenden Alleinstellungsmerkmale. Kritik oder wenigstens Wehklagen war nicht zu vernehmen. Von den Bad Honnefer Parteien haben sich nur die Grünen gemeldet und protestiert. CDU, Bürgerblock, SPD – kein Tönchen. Immerhin steht wenigstens ein SPD-Ratsmitglied auf seiner privaten Facebookseite gegen die Kommerzialisierung auf.

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Und immerhin haben sich die SPD-Kreistagsabgeordnete Hanna Nora Meyer und der SPD-Kreistagsabgeordnete Denis Waldästel über den Verlust von Geburtsstationen im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis richtig aufgeregt und die FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Westig bedauerte ebenfalls den Wegfall der wohnortnahen Geburtshilfe.

Dafür ist die Basis bereit, sich für ihre Geburtsstation einzusetzen. Ein Elternpaar hat eine OpenPetition online gestellt: Rettet die Geburtshilfestation in Bad Honnef. Über 3.300 UnterstützerInnen haben innerhalb von zwei Tagen bereits gezeichnet. 5000 sind das Ziel.

Wenn es auch hoffnungslos erscheint, dass sich die GFO-Verantwortlichen umstimmen lassen werden: Sie haben es wenigstens versucht.

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