Demografie: Ein Bündel an Haltefaktoren sollen Stadtleben fördern

„Netzwerk Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ und Stadt  erarbeiten Strategien, um „Attraktiv im Wandel“ zu bleiben

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Der Erste Beigeordnete Holger Heuser (von links), Netzwerkkordinatorin Maria-Elisabeth Loevenich und Nadine Batzella, Leiterin des Fachdienstes Soziales und Asyl, arbeiten im Rahmen der “Zukunftswerkstatt Kommunen – Attraktiv im Wandel” derzeit an Strategien für die Herausforderungen des demografischen Wandels - Foto: Stadt Bad Honnef

Bad Honnef – Um sich den Herausforderungen des demografischen Wandels auf kommunaler Ebene zu stellen und Demografie nachhaltig zu gestalten, hat sich die Stadt Bad Honnef erfolgreich für das Projekt „Zukunftswerkstatt Kommunen – Attraktiv im Wandel“ (ZWK) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFFSJ) beworben. Die Bewerbung hatte der Ausschuss für Soziales, Familie, Generationen, Integration, Gesundheit und Inklusion der Stadt Bad Honnef in seiner Sitzung vom 16. Juni 2021 einstimmig auf den Weg gebracht.

Damit ist die Stadt Bad Honnef eine der 40 Modellkommunen, die bis Ende 2024 eine aus Bundesmitteln finanzierte Prozessbegleitung zur Erprobung innovativer Ansätze erhalten, um den demografischen Wandel vor Ort der kommunalen Identität entsprechend zu gestalten. Einer der Ansätze ist, die Strukturen des Netzwerkes „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ für eine sinnvolle Kooperation zu nutzen.

Die Stadt Bad Honnef hat Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bereits im Jahr 2010 zum Leitbild geschrieben. Das traditionelle Engagement der Stadt zur Verankerung der BNE auf kommunaler Ebene veranlasst die kommunalen Entscheidungsträger zu der Fragestellung, ob und gegebenenfalls welchen Beitrag BNE zur Mitgestaltung des demografischen Wandels vor Ort leisten kann.

„Der demografische Wandel ist vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft eine der größten Herausforderungen unserer Zeit“, sagt Holger Heuser, Erster Beigeordneter der Stadt Bad Honnef: „Und doch ist das Thema noch nicht überall angekommen. Als eine von 40 Modellkommunen widmen wir uns den Herausforderungen mit einem ganzheitlichen Ansatz. Denn das Projekt betrachtet das Thema so, wie es gedacht ist: generationenübergreifend, ohne Fokus auf eine spezielle Altersgruppe und stärkend für eine Gesellschaft mit Jung und Alt.“

Galt lange Zeit noch das Bevölkerungswachstum als Messgröße für die Prosperität einer Stadt, ist es nun ein Bündel an Haltefaktoren, betont Heuser: „Infrastruktur, Mobilität, Nahversorgung, kulturelle und soziale Angebote, Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, Schulen und Wohnangebote für Menschen im Alter – all das ist wichtig, um das Stadtleben am Leben zu halten.“

Unterstützt wird die Arbeit der Stadt in der Zukunftswerkstatt Kommunen durch das Netzwerk „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“, hier vertreten durch die Koordinatorin Maria-Elisabeth Loevenich (Codewalk ICT Consulting Bad Honnef): „Das Stadtleben hat sich in den letzten 10 bis 20 Jahren verändert. Demografie und Klimawandel sind heute jeder Bürgerin und jedem Bürger ein Begriff. Denn wir merken jetzt, dass wir etwas tun müssen, um unsere Stadt resilienter zu machen.“

Zum demografischen Wandel gehören aktuell nicht nur die Aspekte der Alterungs- und Bevölkerungszunahme, sondern auch die Heterogenisierung der Gesellschaft durch Migration. Um als Wohn- und Wirtschaftsstandort und für alle Generationen attraktiv zu sein sind deshalb individuelle, effektive und innovative Lösungen vor Ort gefragt, erklärt Maria-Elisabeth Loevenich: „Zentrale Themen des Fachbereiches Soziales und Asyl sind daher seit Anfang September 2021, an dem die Aufnahme der Stadt Bad Honnef in das Modellprojekt erfolgte, die Erreichbarkeit und Qualität von Angeboten der Daseinsvorsorge, der gesellschaftliche Zusammenhalt aller Generationen, die Zukunftschancen vor Ort für Jugendliche und junge Familien und die Integration von Zugewanderten.“

In einem der ersten Schritte wurde aus den Mitteln des BMFFSJ ein Kommunalprofil für Bad Honnef erstellt, das die Ausgangssituation der Stadt beschreibt. Insbesondere die stichpunktartige SWOT-Analyse, bei der in einer Übersicht die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken aus den zusammengetragenen Daten und Informationen formuliert werden, stellt eine wertvolle Arbeitsgrundlage für die Ableitung weiterer Schritte und Handlungsmaßnahmen dar. Diese SWOT-Analyse machte darüber hinaus die Chancen der Bildung für nachhaltige Entwicklung zur Mitgestaltung des demografischen Wandels vor Ort sichtbar, was die Projektverantwortlichen des Fachdienstes Soziales und Asyl dazu veranlasste, die Zusammenarbeit mit dem lokalen Bildungsnetzwerk „Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit“ zu suchen.

In einer BNE-Roadmap 2022-2024 zeigt Maria-Elisabeth Loevenich, Codewalk ICT Consulting, im Auftrag der Stadt Bad Honnef die Chancen der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) auf: „Die BNE-Roadmap proklamiert „Die Förderung der Partizipation von Senioren, Familien, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund und Jugend“ sowie „Die Förderung des Zusammenhalts in einer zunehmend heterogenen Kommune durch Begegnung und Engagement“ als BNE-Leitziele für Bad Honnef. Zur Zielerreichung wird eine pilothafte Umsetzung von ersten BNE-Teilprojekten skizziert, zu deren Umsetzung die Partner des Netzwerkes Bad Honnef lernt Nachhaltigkeit in ihrer Frühjahressitzung bereits ihre Zustimmung bekundet haben.“

Dazu gehöre es nicht nur, einzelne Vorbilder in dieser wichtigen Arbeit zu finden und zu stärken, ergänzt Holger Heuser, sondern als Stadt dem demografischen Wandel einen fruchtbaren Boden zu bereiten – nicht nur bildlich: Die Netzwerkpartner befürworten insbesondere die Umsetzung eines BNE-Leitprojektes „GartenWerkStadt“ Bad Honnef. Jung und Alt sollen sich hier begegnen, voneinander lernen und sich vernetzen. Damit verbunden ist auch die Zusammenarbeit in Fragen der Anpassung an den Klimawandel sowie der Aufbau eines Netzwerkes aus privaten und kommunalen „Demonstrationsgärten“. Die Aktivitäten münden im Aufbau eines kulturellen Gartens und lassen das Genießen kulinarischer Vielfalt erwarten, kündigt Maria-Elisabeth Loevenich an: „Es gibt hierfür bereits verschiedene Überlegungen zu konkreten Standorten, die derzeit noch geprüft werden.“

Thomas Heinemann, Stadt Bad Honnef

 

 

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