„Der Tod im rheinischen Karneval“

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Bad Honnef – Die 5. Jahreszeit steht bevor. Wer glaubt, Karneval habe nur etwas mit flachem Witz, Alkohol und jeck sein zu tun, irrt – jedenfalls, wenn man dem Pädagogen und Psychotherapeuten Wolfgang Oelsner folgt. Seit Jahren informiert er – mit Humor – über den Tod im rheinischen Karneval. Darüber hat er ein Buch geschrieben und Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht ist er auch.

“Im Rheinland tauchen Verlust- und Abschiedsgedanken bemerkenswert oft in der Populärkultur auf. Besonders der Karneval thematisiert sie in seinen Liedern und macht sie damit sehr niederschwellig einem weiten Personenkreis zugänglich“, sagt Oelsner. Im gemeinsamen Gesang würde Unaussprechliches wie Tod und Sterben enttabuisieren. Beispiel: „Kumm mer lääve, bevür mer stirve“ (Kasalla).

„Metaphern des Liedguts dringen von der Bühne ins Leben und besetzen Plätze, die einst dem Kirchenlied vorbehalten waren, so Oelsner weiter. Zeilen wie „Niemals geht man so ganz“ oder „Wenn du dann eines Dachs am Himmelspözge steihs, dann sag´ dem Petrus heimlich still un leis: Ich bin ´ne kölsche Jung“ gehörten zu den meist gespielten Musikstücken in Trauerhallen des Rheinlands.

Wer singt, sei nicht ohnmächtig. Die Todesmahnung „memento mori“ könne gar in ein trotziges „carpe diem“ umschlagen: „Sulang mir noch am läve sin“ (Brings). Lieder ersetzten keine Trauerarbeit. Aber sie könnten die Tür zur Vertiefung „nach Aschermittwoch“ einen Spalt öffnen.

Nun haben die ökumenische Hospizbewegung Bad Honnef und die KG Halt Pol den Schriftsteller zu einer Lesung eingeladen. Die findet statt am 5.11.2019 um 19:00 Uhr im Gemeindesaal in der Luisenstr. statt.

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