Blutende Herzen

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Die Idee hat natürlich ihren Reiz: Das städtische Grundstück, das der HCH gepachtet hat, wird verkauft, mit dem Geld werden die maroden Sportstätten saniert. Im Gegenzug baut die Stadt im Stadion einen Kunstrasenplatz, den der HFV und der HCH gemeinsam nutzen. Sogar eine Flutlichtanlage ist eingeplant.

Auf der Habenseite also Money und eine verbesserte sportliche Infrastruktur. Wenn es die Kommunalaufsicht überhaupt zulässt, dass der Gewinn allein in die Sportkasse fließt.

Auf der anderen Seite blutende Herzen: Der Hockeyverein verliert seine Heimat, die er sich selbst aufgebaut hat und seit Jahrzehnten pflegt. Ein neues Wohngebiet verdichtet noch mehr den Lebensraum der Anwohner rund um die Kardinal-Frings-Straße und den Krachsnußbaumweg. Das macht die Bürger nicht glücklich, die zudem auch mit erheblich mehr Verkehr konfrontiert würden.

Eine Grundstücksfläche für Wohnzwecke zu verkaufen, unter der sich eine ehemalige Müllhalde befindet, ist zudem abenteuerlich. Niemand weiß, was im Boden gärt und auch mit Gutachten wird sich das nicht verlässlich herausfinden lassen. Gerade erst hat die Stadt beim Kanalbau in der Innenstadt erfahren müssen, welche Aussagekraft Bodengutachten haben. Allerdings ist es kein Menschengeheimnis, dass Dollars so manchen Blick verklären.

Die Frage ist doch auch, ob das Stadiongelände im Zeitalter von Emissionsschutz überhaupt noch eine dauerhafte Standortperspektive hat. Kommen ein Kunstrasenplatz und eine Flutlichtanlage, muss sicherlich ein neues Lärm- und Lichtschutzgutachten her. Selbst bei positiver Bewertung, könnten trotzdem mit den neuen Mietern und Eigentümern auch die ersten Klägerinnen einziehen. Wenn der Investor hinsichtlich der Vermarkung zuvor nicht selbst schon die juristischen Weichen stellt.

Im Mittelpunkt steht der Mensch, nicht die Grundsteuer B. Bei einem Null-Prozent-Leitzins muss es andere Möglichkeiten geben, um Sporthallen und Stadion noch für ein Jahrzehnt fit zu machen. Und überhaupt: Kennt jemand schon das integrierte Stadtentwicklungskonzept? Da gehört doch sicherlich eine neue Wohnanlage dieser Größenordnung hinein.

 

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