Kommentar

Grünes Hoch, rotes Tief

der kommentar - Grünes Hoch, rotes Tief

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden die Grünen in Bad Honnef wenig ernst genommen, waren eher die Exoten in der gut bürgerlichen Stadt und hatten noch weniger Sitze im Rat als FDP und Bürgerblock. Die Verhältnisse haben sich heute dramatisch verändert. Mit über 28 Prozent sind sie zweitstärkste Kraft im Stadtparlament – und das wird die politische Welt zwischen Rhöndorf und Aegidienberg neu justieren.

Allein schon hinsichtlich der Klimakrise muss Bad Honnef eine ernsthafte umweltorientiertere Politik betreiben, für die die Grünen stehen. Wem der Bad Honnefer Stadtwald nicht Beispiel genug für die Not ist, der sollte einmal die A1 Richtung Trier fahren. Dort gehen nicht nur Fichten allmählich ihrem Ende entgegen.

Einen dramatischen Einbruch erlebte die SPD, die mit einer vernünftigen Oppositionspolitik die Wählerinnen und Wähler nicht überzeugen konnte. Sie verliert gleich die Hälfte ihrer Sitze im Rat. Natürlich spielt bei den Honnefer Sozialdemokraten auch der allgemeine desolate Zustand der Bundespartei eine Rolle. –

Ein großes Problem der Bad Honnefer Sozis ist der fehlende Nachwuchs. Zu wenige junge Leute bringen mit der Partei von Willy Brandt und Herbert Wehner offensichtlich Visionen in Verbindung, denen sie folgen können und wollen. Dabei ist die SPD zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass wir heute immer noch in einem friedlichen Europa leben. Sie war auch bestimmend in Deutschland, als soziale Ungleichheit immer mehr zu einem gesellschaftlichen Nebenthema wurde. In Bad Honnef stellte sie die erste weibliche Bürgermeisterin.

Und was bedeutet der Grünen-Aufschwung für den Bürgermeister? 2014 von ihnen auf den Schild gehoben, hatte er sich schnell wieder von ihnen entfernt. Nun wird er sich erinnern müssen, warum ihn einst Grüne zum Chef Bad Honnefs machten. Das dürfte spannend werden.

Aber eigentlich hat er sich gar nicht von allen Grünen entfernt. Deren Bad Honnefer Ortsvereinswelt ist kompliziert, was man gut daran erkennen konnte, dass sich die grüne Kreistagskandidatin Gerlinde Neuhoff mit ihrem Mann auf Wahlplakaten zeigte, der ja bekanntlich gegen ihre Parteifreundin Gabriele Clooth-Hoffmeister kandidierte. Oder der Kandidat der Grünen im Wahlbezirk Himberg/Rottbitze, Dr. Joachim Langbein, der sich öffentlich für die Wahl von Otto Neuhoff aussprach. Wenn Grün dieses Wirrwarr nicht bald entflechtet und zu einer Einheit bringt, wird wohl der “Wahlsieg” heute einer mit bitterem Beigeschmack sein.

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