Hagerhof-Schüler:innen befragten ohne Scheu Landtagskandidat:innen

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Die Hagerhofschüler:innen wollten von den Politker:innen viel wissen

Bad Honnef – „Das ist die einmalige Gelegenheit, unsere (etwaigen) zukünftigen Landesvertreter zu befragen“, läutete Schulleiter Dr. Sven Neufert den gestrigen Politik-Talk im Schloss Hagerhof ein und ermunterte die Schüler:innen keine Scheu zu haben und die Zeit mit den politischen Vertreter:innen gut zu nutzen, um Fragen zu stellen.

Hagerhof-Lehrer Carsten Krause hatte einen Politik-Talk mit (fast) allen Direktkandidaten für die bevorstehende Landtagswahl aus dem Rhein-Sieg-Kreis II organisiert. Mit dabei waren Prof. Dr. Andreas Pinkwart (FDP), NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, Jonathan Grunwald von der CDU (Staatskanzlei NRW), Dr. Charlotte Echterhoff (SPD), wissenschaftliche Referentin, Dr. Derya Gür-Seker vom Bündnis 90/Die Grünen (wissenschaftliche Mitarbeiterin) und Bastian Reichardt von den Linken und Mitarbeiter im Europaparlament. Initiiert wurde die Podiumsdiskussion von unserer Schülervertretung, vom Projektkurs Debattieren und einzelnen, engagierten Schüler:innen.

Eigentlich sollte das Schwerpunkt-Thema die Pandemie und der Umgang der Schulen mit ihr sein. Durch die aktuelle Lage in der Ukraine brannte den Schüler:innen und auch den politischen Vertreter:innen aber dieses Thema unter den Nägeln. Erste nachdenkliche Worte fand eine Schülerin, die Mutter Courage von Bertold Brecht zitierte, die im Dreißigjährigen Krieg ihr Geschäft mit dem Krieg zu machen versucht. Die Ängste und Sorgen der Mitwirkenden lagen förmlich in der Luft und Dr. Andreas Pinkwart appellierte: „Wir müssen miteinander reden“ und ging damit auf ein Zitat der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann ein, die einst erklärte: „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht.“

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Die Hagerhofschüler:innen wollten von den Politker:innen viel wissen – Foto: Claudia Hennerkes

„Dieses sei“, so die Bad Honneferin Dr. Derya Gür-Seker, „ein fossiler Krieg.“ Und machte den Standpunkt ihrer Partei deutlich, in Zukunft noch verstärkter auf erneuerbare Energien zu setzen. Darin war man sich weitestgehend einig: Energie-unabhängiger zu werden. Bastian Reichardt kritisierte: „Mit unsinnigen Gesetzen wird der Ausbau erneuerbarer Energien blockiert.“

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg im Osten Europas tat sich ein anderer Schwerpunkt auf: die Flüchtlingsbewegung. „Warum werden Flüchtlinge aus der Ukraine gerne aufgenommen und anders bewertet als Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern?“ Eine Schülerin machte ihrem Unmut Luft. In die Diskussion kam Bewegung bis gegen Ende auch das Wahlalter mit 16 debattiert wurde. Junge Menschen, so der Tenor einiger Schüler:innen, sollten mitbestimmen können. Grunwald, dessen Partei sich bisher gegen eine solche Absenkung des Wahlalters stellt, ging auf die Jugendlichen zu und erklärte: „Wir wollen nicht dogmatisch sein, aber mir geht es in erster Linie darum, die Ideen der Jugendlichen einzusammeln und umzusetzen.“ Bei einem Wahlalter mit 16 müsste man sich generell über Rechte und Pflichten von Erwachsenen unterhalten. Und Dr. Charlotte Echterhoff setzte provokant hinterher: „Sollte es dann auch eine (Wahl-)Begrenzung nach oben geben?

Die Zeit für den Politik-Talk war begrenzt, aber fast alle Politiker:innen blieben anschließend noch in lockerer Runde, um mit den Schüler:innen weiterhin vis-a-vis zu sprechen. Carsten Krauses Intention trug an diesem Vormittag Früchte: Schüler:innen die Politik näher zu bringen. „Auf dem Wahlzettel sind es Namen. Hier sind es Menschen.“

Text und Fotos: Claudia Hennerkes

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